Deutscher Gewerkschaftsbund

PM DGB NRW - 01.02.2018

DGB-Arbeitszeitreport: NRW-Beschäftigte arbeiten hochflexibel zugunsten ihres Arbeitgebers

Der DGB NRW hat heute in Düsseldorf seinen ersten Arbeitszeitreport vorgestellt und eine Neuausrichtung der Arbeitszeitdebatte gefordert. „Unsere Befragung zeigt, dass die Arbeitszeiten in NRW aus dem Ruder laufen“, erklärte Anja Weber, Vorsitzende des DGB NRW. „Die Beschäftigten arbeiten hochgradig flexibel zugunsten ihres Unternehmens. Jetzt gilt es, die Bedürfnisse der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den Blick zu nehmen.“ Dabei ginge es immer um zwei Seiten einer Medaille: „Die Beschäftigten brauchen mehr Freiheit, die eigene Arbeitszeit zu gestalten und mehr Schutz, um eine Entgrenzung von Arbeit zu verhindern.“

Fast die Hälfte der Beschäftigten in NRW macht nach eigenen Angaben regelmäßig Überstunden, jede/r fünfte ohne dafür entlohnt zu werden. Zudem arbeitet fast ein Viertel häufig am Wochenende. Jede/r Fünfte muss sich kurzfristig auf veränderte Arbeitszeiten einstellen und jede/r dritte Beschäftigte in NRW berichtet, von Arbeitsverdichtung betroffen zu sein. Jede/r Fünfte gibt zudem an, in seiner Freizeit erreichbar sein zu müssen. Einfluss auf die eigene Arbeitszeitgestaltung hat weniger als die Hälfte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in NRW.

„Überstunden, ständige Erreichbarkeit und Arbeitsverdichtung führen zu erheblichen gesundheitlichen Risiken“, kommentierte Weber die Ergebnisse des Reports. „Es muss daher unsere Aufgabe sein, Druck aus dem System zu nehmen.“ Darüber hinaus kämen viel zu wenig Unternehmen dem Wunsch der Beschäftigten nach, durch selbstbestimmtere Arbeitszeiten Familie und Berufsleben besser in Einklang zu bringen.

Die Gewerkschaften reagierten bereits auf die neuen Herausforderungen in der Arbeitszeit und brächten das Thema in viele aktuelle Tarifrunden ein, sagte Weber weiter. Ein gutes Bespiel sei die IG Metall mit ihrer Forderungen nach befristeter Teilzeit in der Metall- und Elektroindustrie. „Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, dass Beschäftigte mit kleinen Kindern oder zu pflegenden Angehörigen dafür einen teilweisen Lohnausgleich erhalten. Wir wollen, dass es sich alle Beschäftigten leisten können, mehr Zeit mit ihrer Familie zu verbringen und nicht nur diejenigen, deren Partner gut verdienen.“

Neben den Gewerkschaften müsse sich auch die Politik um mehr Arbeitszeitsouveränität kümmern, so Weber. „Das Rückkehrrecht von Teilzeit auf Vollzeit muss eines der ersten Projekte der neuen Bundesregierung sein.“ Um die tägliche Arbeit flexibler im Sinne der Beschäftigten zu gestalten, sei außerdem ein Anspruch auf Homeoffice und mobiles Arbeiten sinnvoll, so Weber. „Damit dies nicht zu einer weiteren Entgrenzung führt, muss allerdings sichergestellt werden, dass außerbetrieblich erbrachte Arbeit konsequent erfasst und natürlich auch vergütet wird.“ Zudem müsse das Recht auf Nichterreichbarkeit außerhalb der regulären Arbeitszeiten dringend gestärkt werden.

Quelle: DGB NRW; https://nrw.dgb.de/-/MXv


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