Deutscher Gewerkschaftsbund

PM PM 055/16 - 29.11.2016

Ausbildung: Jeder zweite Auszubildende klagt über psychische Belastung

Die Mehrheit der Auszubildenden klagt über zu hohe Anforderungen und schlechte Arbeitsbedingungen. Dies ist das zentrale Ergebnis des jährlich erscheinenden Ausbildungsreports der DGB-Jugend NRW. „In diesem Jahr haben wir uns schwerpunktmäßig mit dem Thema psychische Belastungen befasst“, erklärte Omer Semmo, Jugendbildungsreferent des DGB Köln-Bonn. Dazu sind über 5.400 junge Frauen und Männer aus NRW schriftlich befragt worden. Allein aus der Region Köln-Bonn haben fast 2.500 Auszubildende an der Befragung teilgenommen, weswegen die landesweiten Ergebnisse übertragbar auf die Region sind. Insbesondere Leistungs- und Zeitdruck seien ein zentraler Belastungsfaktor für Auszubildende, so Semmo weiter. Dahinter folgen lange Fahrtzeiten und das Arbeiten in den Abendstunden bzw. Schichtdienst. „Jeder achte Auszubildende klagt zudem über Probleme mit Kollegen und Vorgesetzen.“ 

Belastende Bedingungen in der Ausbildung wirkten sich unmittelbar auf das Wohlergehen der Jugendlichen aus, sagte Semmo. „Unsere Untersuchung zeigt: Je stärker die empfundenen Belastungen, desto höher der Anteil der Azubis, die unter körperlichen und psychischen Beschwerden leiden. Sie fühlen sich laut eigenen Angaben wesentlich häufiger schwach und krankheitsanfällig und sind am Ende des Ausbildungstages öfter erschöpft als die gering Belasteten.“ Mehr als ein Drittel der betroffenen Auszubildenden denke zudem immer oder häufig über einen Ausbildungsabbruch nach. „Das sind viermal so viele wie in der Gruppe der Auszubildenden, die sich keinen starken Belastungen ausgesetzt sehen.“ 

Gestützt werden die Ergebnisse durch Aussagen von Auszubildenden während der Berufsschultour der DGB-Jugend Köln im Herbst dieses Jahres. „Viele Jugendliche kamen zu unserem Infostand und beklagten sich über unbezahlte Überstunden, lange Fahrtzeiten und unzureichende Pausensituationen. Viele Fragen konnten wir direkt beantworten. In anderen Fällen mussten wir uns den Einzelfall anschauen und an die für das Mitglied zuständige Gewerkschaft verweisen“, so Semmo. 

Die DGB-Jugend sei sich sicher, dass das beste Mittel gegen psychische Belastungen eine Verbesserung der Ausbildungsqualität insgesamt sei. „Aus unserer Befragung geht hervor: Die Ausbildungsberufe, bei denen die Qualität der Ausbildung als besonders hoch beschrieben wird, sind gleichzeitig die Berufe, bei denen sich die Auszubildenden am wenigsten psychisch belastet fühlen.“ Das gilt zum Beispiel für Industriemechaniker und Mechatroniker. Umgekehrt fühlten sich Auszubildende in Berufen wie Friseure, zahnmedizinische Fachangestellte und Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk nicht nur besonders schlecht betreut und behandelt, sondern auch stark psychisch belastet. 

„Die DGB-Jugend Köln appelliert daher einerseits an die Betriebe und die Kammern: Wir brauchen endlich eine substantielle Verbesserung der Ausbildungsqualität in den Berufen, die seit Jahren die letzten Plätze in unserem Report belegen.“ Darüber hinaus müsse das Berufsbildungsgesetz modernisiert werden. „Wir brauchen eine bessere Regelung der Ausbildungszeiten und eine volle Anrechnung der Berufsschulzeiten, um den Jugendlichen mehr Gelegenheit zur Erholung zu geben.“ 

Den ganzen Ausbildungsreport sowie zahlreiche Grafiken zum Herunterladen finden Sie hier: http://nrw.dgb.de/-/hTS

 

Ansprechpartner:
Omer Semmo, DGB Köln-Bonn, 01706117989 

 

Andreas Kossiski
Geschäftsführer DGB-Region Köln-Bonn

 

Kontakt:

DGB Köln-Bonn, Hans-Böckler-Platz 1, 50672 Köln, 0221/ 500032-0, koeln@dgb.de


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16.03.2005
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