Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 056/18 - 30.10.2018

Ausbildungsreport 2018: Jeder dritte Auszubildende in NRW klagt über regelmäßige Überstunden

Seit elf Jahren legt die DGB-Jugend jährlich ihren Ausbildungsreport vor. Die Ergebnisse dazu wurden heute im Rahmen einer Presskonferenz in Düsseldorf vorgestellt. Für den Report 2018 wurden über 5.000 Azubis aus den 25 häufigsten Ausbildungsberufen in NRW nach der Qualität ihrer Ausbildung befragt. „Aus der Region Köln-Bonn haben 2.225 Auszubildende aus 51 Berufskollegs an der Befragung teilgenommen“, so der zuständige Jugendbildungsreferent Omer Semmo.

In diesem Jahr stand das Thema Arbeitszeiten in der Ausbildung im Mittelpunkt. „Unsere Befragung zeigt, dass Überstunden, ständige Erreichbarkeit und regelmäßige Schichtarbeit für viele Azubis in NRW an der Tagesordnung sind“, bilanzierte Eric Schley, Jugendsekretär der DGB-Jugend NRW. So gebe über ein Drittel der Auszubildenden an, regelmäßig Überstunden zu machen, knapp ein Viertel arbeite regelmäßig im Schichtdienst und ein Fünftel müsse auch in der Freizeit immer oder häufig für den Betrieb erreichbar sein. „Dabei handelt es sich bei einer Ausbildung nicht um ein Arbeits-, sondern um ein Lernverhältnis“, so Schley. „Der Betrieb hat die Aufgabe, dem Jugendlichen die Ausbildungsinhalte zu vermitteln, dafür braucht es keine Überstunden.“ Schicht- und Wochenendarbeit sollten nur vorkommen, wenn es für das Erlernen des Berufs wirklich notwendig sei. „Es kann nicht sein, dass Azubis die Rechnung für eine schlechte Organisation ihres Betriebs zahlen müssen“, sagte der Jugendsekretär.

Die Befragung zeige aber auch, dass es große Unterschiede zwischen den einzelnen Ausbildungsberufen gebe. Während zum Beispiel über 60 Prozent der Hotelkaufleute regelmäßig Überstunden machen müsse, seien Zerspannungstechniker, Industriemechaniker und Bankkaufleute selten betroffen. Werde von 40 Prozent der Fachverkäufer/innen im Lebensmittehandwerk erwartet, in der Freizeit für den Betrieb erreichbar zu sein, gelte das bei Bankkaufleuten nur für 3 Prozent. „Unterm Strich kann man sagen: Die Berufe, in denen ständige Überstunden, Erreichbarkeit und Schichtarbeit für die Azubis alltäglich sind, sind dieselben, die auch bei der Gesamtbewertung der Ausbildungsqualität schlecht abschneiden“, erklärte Schley.

Eine Erkenntnis, die der Jugendbildungsreferent für die Region Köln-Bonn aus seiner täglichen Arbeit nur bestätigen kann. „Wir sind regelmäßig an den Berufskollegs in unserer Region und informieren dabei die Auszubildenden über ihre Rechte in der Ausbildung, Mitbestimmungsmöglichkeiten und der Bedeutung von Tarifverträgen. Was wir da von einigen Auszubildenden erfahren, ist schon sehr erschreckend. Da werden zum Teil von einigen Betrieben noch nicht einmal gesetzliche Mindeststandards eingehalten. Folge davon sind dann hohe Abbrecherzahlen und unbesetzte Stellen. Um die fähigsten und motiviertesten Azubis mithalten zu können, sollte es aber im ureigensten Interesse der Betriebe sein, für gute Rahmenbedingungen in der Ausbildung zu sorgen“, so Semmo.


Nach oben
Suchbegriff eingeben
Datum eingrenzen
seit bis

Medienanfragen

DGB Köln-Bonn
DGB-Region Köln-Bonn Hans-Böckler-Platz 1 50672 Köln Tel. 0221 - 500032-0 Fax 0221 - 500032-20
weiterlesen …

RSS-Feed

Subscribe to RSS feed
Hier können sie unsere Pressemeldungen als RSS-Feed abonieren.

RSS-Feed: Nachgefragt

Subscribe to RSS feed
In der Reihe „Nachgefragt“ veröffentlichen wir in unregelmäßigen Abständen ausführliche Interviews mit gewerkschaftlichen Experten/innen aus der Region Köln-Bonn.

RSS-Feed: Standpunkt

Subscribe to RSS feed
In der Reihe „Standpunkt“ nehmen gewerkschaftliche Experten/innen aus der Region Köln-Bonn ausführlich Stellung.

RSS-Feed: IM FOKUS

Subscribe to RSS feed
Blog mit Einblicken in gewerkschaftliche Themen und die Arbeit der DGB-Region Köln-Bonn, die nicht in offiziellen Pressemitteilungen oder Positionspapieren zu finden sind. Von Jörg Mährle, Geschäftsführer der DGB-Region Köln-Bonn