Deutscher Gewerkschaftsbund

PM KSSQ - 28.09.2018

Das hat nichts mit Dialog zu tun

„Köln stellt sich quer“ kritisiert die Missachtung der DITIB und des türkischen Protokolls gegenüber Köln

Das Kölner Bündnis „Köln stellt sich quer“ und die DGB Gewerkschaften haben sich in Köln immer wieder rechtsextremen und rechtspopulistischen Gruppen aus Köln wie Europa entgegengestellt, die aus islam- und fremdenfeindlichen Motiven die Religionsfreiheit und den Bau der Kölner Moschee in Frage gestellt haben. Gerade deshalb wertet das Bündnis „Köln stellt sich Quer“ die Art und Weise, wie die DITIB, der türkische Präsident Erdogan mit dem Besuch in Köln und der Einweihung der Moschee umgehen immer mehr als skandalös: Erst die überraschende Ankündigung des Besuches in Köln, der so offensichtlich weder mit Berlin, noch mit der nordrhein-westfälischen Landesregierung und schon gar nicht der Oberbürgermeisterin der Stadt Köln abgesprochen war.

Dann die Mitteilung, Ministerpräsident Laschet würde die Moscheeeröffnung begleiten – wieder ohne Absprache mit den Beteiligten. Danach ließ man Oberbürgermeisterin Reker, den Moscheebeirat, Bezirksbürgermeister Wirges, den Architekten Paul Böhm, die Kölner Polizei und alle anderen, die sich seit Jahren für einen repräsentativen Moscheebau in Köln engagiert haben, im Ungewissen über die Planung des Köln-Besuches, den Ablauf der Moscheeeröffnung und die Beteiligung z.B. der Oberbürgermeister. Seit zwei Wochen ein diplomatischer Affront oder im besten Fall eine protokollarische Peinlichkeit nach der anderen.

Nun hat Oberbürgermeisterin Reker nach Paul Böhm die Reißleine gezogen und ihre Mitwirkung bei der Moscheeeröffnung abgesagt und ist damit der offensichtlich einkalkulierten Demütigung durch die DITIB und das Protokoll in Ankara zuvor gekommen.

Es sieht von Tag zu Tag immer mehr danach aus, als habe man die Chance, anlässlich der festlichen gemeinsamen Einweihung des Moscheebaus, wieder in einen Dialog zu kommen und transparent miteinander zu kommunizieren gar nicht nutzen wollen. Warum sonst sollte man die Repräsentantin der viertgrößten Stadt Deutschlands und den Ministerpräsidenten des bevölkerungsreichsten Bundeslandes mit einer solchen Missachtung behandeln. Es geht hier nicht um eine Party im privaten Kreis, sondern um den feierlichen Schlusspunkt unter eine Debatte, die in Köln und von den Kölnerinnen und Kölnern kontrovers und manchmal unversöhnlich geführt wurde – die Auseinandersetzung, ob der Islam und die Muslime in Köln und Deutschland angekommen sind und hier einen verlässlichen Platz in der Mitte der Stadt einnehmen.

Wäre man noch bereit, den Vertreterinnen und Vertretern der DITIB-Moschee in Köln eine Überforderung angesichts des kurzfristig anberaumten Besuchstermins zu unterstellen, so kann man das bei der Protokollabteilung des türkischen Präsidenten nur schwerlich unterstellen. Hier findet kein informelles Treffen statt, es ist kein privater Besuch. Es ist ein Staatsbesuch, der strengen protokollarischen Regeln folgt und daher auch so organisiert werden sollte – vorausgesetzt, man will die Regeln einhalten. Nicht auf das Dialogangebot der Oberbürgermeisterin Reker und eines großen Teils der Kölner Stadtgesellschaft einzugehen – das ist kein protokollarisches Missgeschick, sondern Missachtung.

Es ist eine Missachtung aller Kölnerinnen und Kölner, ob mit oder ohne türkische Wurzeln, die sich für ein friedliches Zusammenleben, für Dialog und Verständigung einsetzen, denen es ein Anliegen war, den Muslimen in Köln die Möglichkeit zu geben, außerhalb der Hinterhöfe ihren Glauben zu leben und ihnen damit Akzeptanz und Beheimatung zu bieten.

Ob die  Informationspolitik gegenüber der Kölner Polizei nur von Missachtung und Geringschätzung geprägt ist oder dem Kalkül folgt, dass die Polizei sämtliche Demonstrationszüge gegen Erdogan aus dessen Blickfeld räumen muss, solange nicht geklärt ist, wann der türkische Präsident mit seinem Gefolge wo zu sein gedenkt, bleibt abzuwarten.

Mit diesem Besuch haben Präsident Erdogan und die DITIB der Dialogbereitschaft, dem Willen zur Überwindung der in den letzten Jahren tief gewordenen Gräben einen Bärendienst erwiesen.

Die Eröffnung des Moscheebaus „im kleinen Kreis“ der eigenen Gefolgsleute und ohne die Beteiligung von Teilen der Kölner Stadtgesellschaft lässt für die Zusammenarbeit mit der DITIB keine großen Hoffnungen.
 
Sprecherkreis „Köln stellt sich quer“


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Dieser Artikel gehört zum Dossier:

Köln stellt sich quer (2018)

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