Deutscher Gewerkschaftsbund

28.10.2016

Nachgefragt: Gut leben – in der Selbstständigkeit!

austauschtag.de

Die Solo-Selbstständigen im ver.di-Bezirk Köln laden alle Kölner Selbstständigen zum AustauschTag ein. Geplant sind Workshops zu den Themen „Kooperativen Selbstständiger“, „Digitalisierung unserer Jobs“, „Selbstmarketing via Social Media“ und “Die Stadt Köln als Auftraggeber“.

Hierzu ein Interview mit Kathy Ziegler. Sie ist seit Mai 2014 Sprecherin der Selbstständigen im ver.di-Bezirk Köln und seit Januar 2015 auch Sprecherin der NRW-Landeskommission der Selbstständigen.

Frage: Warum sollten sich Solo-Selbstständige organisieren?

Kathy Ziegler:  In Köln leben rund 66.000 Selbstständige und Freiberufler. Die Spannbreite der Berufe reicht von der Architektin über Kulturschaffende bis hin zum Paketzulieferer. Rund zehn Prozent der Erwerbstätigen in Köln sind selbstständig, darunter überwiegend Solo-Selbstständige.

Der AustauschTag bietet diesen Einzelunternehmerinnen und -unternehmern eine Plattform: treffen, austauschen, vernetzen - mit dem Ziel, gemeinsam Lösungen zu Themen zu diskutieren.

Frage: Worum geht es beim AustauschTag in Köln?

Kathy Ziegler:  Es geht unter anderem um das Thema hohe Sozialversicherungskosten und drohende Altersarmut. So hat unsere Altersversorgung viel damit zu tun, wie viel wir heute verdienen. Wenn wir mit niedrigen Honoraren abgespeist werden, können wir uns im Alter auf die Grundsicherung freuen. Deshalb schauen wir mal genauer hin, wie zum Beispiel die Stadt Köln Selbstständige honoriert und ob diese Vergütungen angemessen sind. Wenn nicht, werden wir der Stadt unsere Forderungen überreichen.

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Gründung von Kooperativen. Wie können sich Selbstständige aus ganz unterschiedlichen Berufen gegenseitig unterstützen, um beispielsweise gemeinsam Aufträge an Land zu ziehen?

Wir wollen auch darüber diskutieren, welche Auswirkungen die zunehmende Digitalisierung auf unsere Jobs, auf die Auftragsvergabe oder unsere Arbeitsformen hat.

Schließlich holen wir uns noch Tipps für das optimale Social Media Konzept fürs Selbstmarketing. 

Frage: Selbstständige in der Gewerkschaft, geht das?

Kathy Ziegler:  Viele wissen gar nicht, dass in ver.di bundesweit mehr als 30.000 Solo-Selbstständige organisiert sind. Klassischerweise kommen die meisten aus den Medien und der Kultur, viele freie Journalisten etwa sind seit Jahren in ver.di organisiert. Aber es werden auch immer mehr in der Bildung, Pflege oder generell im Dienstleistungsbereich. Als Teil von ver.di haben wir Selbstständigen starke Partner, gute Verbindungen in die Politik und damit auch Einfluss. So machen wir Lobbyarbeit für Selbstständige.

Frage: Welche aktuellen Ziele verfolgen die Selbstständigen in ver.di?

Kathy Ziegler:  Gerade hat der DGB eine Kampagne gestartet: "Rente muss für ein gutes Leben reichen." Das finden wir auch. Aber die meisten Solo-Selbstständigen sind nicht über die gesetzliche Rente abgesichert. Jetzt gibt es Überlegungen, diese Gruppe in die gesetzliche Rente reinzunehmen. Im jetzigen System müssen sie Auftraggeber- und Auftragnehmerbeiträge stemmen. Aber was haben wir davon, wenn wir das angesichts niedriger Einkommen überhaupt nicht können? Deshalb sagen wir: Kurswechsel! Wir finden beispielsweise das österreichische Modell ganz attraktiv und werden mit politischen Entscheidungsträgern über unsere Ideen sprechen.

Weitere Informationen und Anmeldung für die Workshops unter www.austauschtag.de.


Hinweis: In der Reihe „Nachgefragt“ veröffentlichen wir in unregelmäßigen Abständen ausführliche Stellungnahmen und Positionen von gewerkschaftlichen Experten/innen aus der Region Köln-Bonn. „Nachgefragt“ bietet nicht nur ausführliche Hintergrundinformationen, sondern spiegelt immer auch die persönliche Sichtweise der jeweiligen Experten/innen wieder. Die Texte können für Medienberichterstattungen genutzt werden.

Weitere Veröffentlichungen aus der Reihe „Nachgefragt“ finden Sie auf unserer Internetseite www.koeln-bonn.dgb.de. Dort können Sie „Nachgefragt“ auch als RSS-Feed abonnieren.

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