Deutscher Gewerkschaftsbund

12.06.2018
Rede von Christophe Hassenforder in Siegburg

Veranstaltung 25 Jahre Brandanschlag in Solingen

DGB Region Köln-Bonn

DGB Region Köln-Bonn

Liebe Moscheegemeinde, lieber Bilal, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine sehr verehrte Damen und Herren, im Namen des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Kreisverband Bonn Rhein/Sieg, darf ich euch recht herzlich grüßen. Ich komme soeben von der Kreisvorstandssitzung aus Bonn, wo alle gesagt haben: Richte liebe Grüße von uns aus. Mein Kollege Bernd Weede, Vorsitzender des Kreisverbandes Bonn Rhein/Sieg, ist zurzeit in Beuel auf einer ähnlicher Veranstaltung – und da ich im R-S-K wohne, bin sehr gerne der Einladung gefolgt. 

Sind Fremdenhass, Ausländerfeindlichkeit oder Antifaschismus überhaupt  gewerkschaftliche Themen? Ja, Ja, aber hallo !!!

Erst vor zwei Wochen auf dem Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Berlin haben die Delegierten das Bekenntnis zum Antifaschismus erneuert; das gab es schon, es ist aber an einigen Stellen aktualisiert worden. Der DGB hat, und hier spreche ich insbesondere vom DGB-NRW, was das Gedenken an die Opfer von Solingen angeht, verschiedene Überschriften im Gebrauch. Eine, die mir besonders gut gefällt: „Vielfalt schätzen, Rassismus ächten“  -  Oder, was etwas gewerkschaftlicher klingt, aber letztendlich das Gleiche aussagt: „Vielfalt mit Erfolg, in Respekt und Solidarität.“

Wenn ich unser Bundesland betrachte: Nordrhein-Westfalen ist ein vielfältiges, tolerantes und weltoffenes Land. Das habe ich selbst erfahren, als Franzose, der 1980 hierhin kam und mit offenen Armen empfangen wurde. Glaubt mir, ich war damals erleichtert und froh, dass es so und nicht umgekehrt war. Ich war auch froh, festzustellen, dass es noch viele andere Fremde gab – Türken, Italiener, Portugiesen, Polen….. und jetzt ein Franzose dazu. Migranten und Zuwanderer haben hier bereits seit der Gründung unseres Bundeslandes einen festen Platz in der Gesellschaft. Der friedliche und respektvolle Umgang von Menschen unabhängig von vermeintlicher Kultur oder Herkunft ist seit Jahren gelebte Realität; Nicht aber ohne schreckliche Schattenseiten, denen wir in diesem Jahr gedenken.

Im Nachgang zur Wiedervereinigung gab es eine Welle rassistisch motivierter Gewalt, die eingegraben ist in unser kollektives Gedächtnis: Die Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda und der Brandanschlag von Mölln in den Jahren 1991 und 1992 sind Symbole für diese Entwicklung. In der Nacht zum 29. Mai 1993 schwappte die Welle der Gewalt nach Nordrhein-Westfalen. Aus rassistischen Beweggründen wurde das Haus der Familie Genç in Solingen in Brand gesetzt. Bei dem Brand kamen fünf Menschen ums Leben -  viele mehr wurden schwer verletzt.

Unser Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen und Opfern. Der Brandanschlag von Solingen ist für uns bis heute, 25 Jahre danach, ein Symbol für Hass und Ausgrenzung und gleichzeitig eine Mahnung, weiterhin für Vielfalt, Solidarität, Menschenwürde und Respekt zu streiten.

Dieser Anschlag galt nicht ausschließlich dieser Türkischen Familie, wie der Vorsitzende des Landesintegrationsrat NRW Tayfun Keltek kürzlich schrieb: „Denn weder der Anschlag in Solingen noch die anderen Angriffe galten nur einzelnen Menschen, sondern allen Migrantinnen und Migranten, die seit Jahrzehnten friedlich in Deutschland leben. Die Täter legten damit die Axt an unsere Demokratie an“

Auch nach dem Brandanschlag sind Rassismus und Ausgrenzung Teil Realität in Deutschland. Die beispiellose Mord- und Terrorserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), der zwischen 2000 und 2007 zehn Menschen zum Opfer fielen, ist nur ein weiterer erschütternder Ausschnitt. In der aktuellen gesellschaftlichen Debatte erleben wir, wie pauschale rassistische Abwertungen salonfähig werden und sich zur Grundlage von politischem Handeln entwickeln. Gegenüber Geflüchteten, Muslimen und allen, die angeblich „anders“ sind, wird Misstrauen und Hass geschürt. Das nagt an den Grundpfeilern unserer Demokratie. Unsere Devise heißt auch zukünftig Respekt und Offenheit, statt Hass und Abschottung. Gemeinsam werden wir uns allen Bestrebungen entgegenstellen, uns zu spalten und Zwietracht zu sähen. Der Brandanschlag von Solingen soll uns dafür als Mahnung dienen, nicht zu vergessen, wohin Ausgrenzung und Hass führen können.

Bei dieser gesellschaftlichen Debattenlage übersehen wir aber immer wieder, dass Integration tagtäglich gelingt, dass Diversität und respektvolles, weltoffenes Zusammenleben schon immer Teil der DNA Nordrhein-Westfalens waren. Wir sind davon überzeugt, dass Solidarität und Zusammenhalt in Vielfalt der Schlüssel für eine gute Zukunft bleiben. Deshalb wollen wir heute nicht nur der schrecklichen Taten gedenken, sondern auch an die vielen positiven Geschichten aus unserem weltoffenen und vielfältigen Bundesland erinnern, die allzu oft übersehen werden.

Und wenn ich als Gewerkschafter dabei meine Gewerkschaft betrachte, und an die vielen Kolleginnen und Kollegen denke, die ich kenne, dann gibt es kaum eine Nationalität, die nicht vertreten ist !!!

Und wenn man sich dann ansieht, wie die Kolleginnen und Kollegen zusammen in den Betrieben für bessere Arbeitsbedingungen streiten, unabhängig von Herkunft und Religion, dann zeigt uns das den Schlüssel für ein friedliches und menschliches Zusammenleben.

Vielfalt schätzen, Rassismus ächten 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

 


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