Deutscher Gewerkschaftsbund

15.07.2010

Nachgefragt: Vielfalt gewinnt

Auf der Prämierungsfeier des Wettbewerbes „Vielfalt gewinnt“ wurden am 14. Juli 2010 die Betriebe mit den besten Wettbewerbsbeiträgen ausgezeichnet. Die Prämierung erfolgte durch Oberbürgermeister Jürgen Roters im Historischen Rathaus.

Nachgefragt mit Liv Dizinger (DGB),  Mitglied der Jury.

Warum wurde der Wettbewerb „Vielfalt gewinnt“ ins Leben gerufen?

Liv Dizinger: Frauen, Ältere, Menschen mit Migrationhintergrund, Behinderte, Schwulen und Lesben sind im Erwerbsleben immer noch benachteiligt. Ihre Potenziale, Fähigkeiten und Kompetenzen werden noch zu wenig erkannt, gefördert und genutzt. Der Wettbewerb „Vielfalt gewinnt“ wurde vom Kommunalen Bündnis für Arbeit ins Leben gerufen, um das Thema „Förderung von Vielfalt“ bekannt zu machen. Betriebsräte, Geschäftsführung und Personalabteilung sollen für das Thema sensibilisiert werden. Der Wettbewerb soll ein Beitrag dazu sein, Benachteiligungen von Frauen, Älteren, Schwulen, Lesben und Behinderten abzubauen und ihre Chancengleichheit zu verbessern.

Wer konnte an dem Wettbewerb teilnehmen? 
 
Liv Dizinger: Zur Teilnahme an dem Wettbewerb eingeladen waren alle Kölner Betriebe und Organisationen, welche die Vielfalt ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fördern. Der Wettbewerb hat in diesem Jahr zum zweiten Mal statt gefunden. In diesem Jahr haben sich mehr Betriebe beteiligt als 2009.

Wer wurde in diesem Jahr ausgezeichnet?

Liv Dizinger: Im Rahmen des Wettbewerbes wurden diejenigen Betriebe ausgezeichnet, die bei der Förderung von Vielfalt beispielhaft vorangehen. Bei den kleinen Betrieben wurden ausgezeichnet: Heuter Marmor & Marco Kaiser, Gesundheitszentrum für Migrantinnen und Migranten, die PR-Berater, Marc Schmitz und Datafixx GmbH. WDR mediagroup GmbH, Bäckerei Konditorei Magnus Newzella und Host Europe GmbH erhielten in der Kategorie „mittlere Unternehmen“ Auszeichnungen. Galeria Kaufhof GmbH wurde in der Kategorie „große Unternehmen“ prämiert. Schließlich erhielten die Sozial-Betriebe Köln gemeinnützige GmbH, Diakonie Michaelshoven e.V. und die Universität zu Köln die Auszeichnung verliehen. Wir hoffen, dass möglichst viele Betriebe zu Nachahmern werden, was die Förderung von Vielfalt angeht.

Liv Dizinger

Wie setzte sich die Jury zusammen?

Liv Dizinger: Mitglieder der Jury waren Vertreterinnen und Vertreter des Rates der Stadt Köln, der IHK, der HWK, des DGB, der Wirtschaftsförderung der Stadt Köln und der Antidiskriminierungsbeauftragten der Stadt Köln. Darüber hinaus war eine Vertreterin von Ford, mit dabei, weil dieser Betrieb bei der Umsetzung von „Diversity Management“ beispielhaft vorangeht.

Welche Rolle spielt „Diversity Management“ für den Wettbewerb?

Liv Dizinger: „Diversity Management“ bedeutet, dass die Vielfalt der Beschäftigten seitens des Managements bewusst zum Bestandteil der Unternehmensführung gemacht wird. Daher wurde von Arbeitgeberseite betont, dass im Rahmen des Wettbewerbs Projekte und Initiativen zur Umsetzung von Diversity Management gefördert werden.

Was bedeutet „Diversity Management“ aus Gewerkschaftssicht?

Liv Dizinger: Aus Sicht des DGB und der Gewerkschaften wird „Diversity Management“ nicht nur positiv gesehen. Diversity Management darf kein Marketinginstrument bleiben. Wir fordern konkrete Zielsetzungen, die die Förderung von Vielfalt im Betrieb betreffen. Wir erwarten, dass Maßnahmen zur Zielerreichung gemeinsam mit Betriebsrätinnen und Betriebsräten vereinbart werden. Und wir legen jedem Betrieb nahe, eine Betriebsvereinbarung zum Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz abzuschließen.

Wofür haben sich DGB und Gewerkschaften in der Jury eingesetzt?

Liv Dizinger: Frauen, Ältere und Menschen mit Migrationshintergrund arbeiten oft in unsicherer Beschäftigung und zu Löhnen von nur drei oder vier Euro. Hier kann man von Ausbeutung sprechen. Aus Sicht des DGB und der Gewerkschaften wird die Vielfalt im Betrieb seitens des Arbeitgebers erst dann richtig ernst genommen, wenn bestimmte Mindestbedingungen gelten. In der Jury haben wir uns daher dafür eingesetzt, dass in den Fragebögen nach dem Vorhandensein eines Betriebsrates und der Einhaltung von Tarifverträgen gefragt wurde. In der Jury hatten wir allerdings kein Vetorecht, so dass auch Betriebe ausgezeichnet wurden, die diese Bedingungen nicht erfüllen.


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