Deutscher Gewerkschaftsbund

13.08.2010
Gewerkschaften haben viele Gesichter

Eva Pohl

EvaPohl

DGB-Region Köln-Bonn

Eva Pohl (1952), Köln
Verwaltungsangestellte im Öffentlichen Dienst.
Mitglied in der Gewerkschaft ver.di seit 1975, ehemals ÖTV.
Mitglied im Personalrat, Vertrauensleute (beides seit ca. 30 Jahren), lange Zeit Vorsitzende des ver.di-Bezirksfrauenrates, Mitglied im ver.di-Landesfrauenrat, Vorsitzende DGB-Kreisfrauenausschuss, Mitglied im DGB-Bezirksfrauenausschuss, ehrenamtliche Richterin am Sozialgericht (seit 12 Jahren), seit 1.6.2010 Wechsel zum Bundessozialgericht.

 

 

Warum bist du in die Gewerkschaft eingetreten?

Es war für mich von Anfang an klar, dass ich mich gewerkschaftlich engagiere, bin bereits als Studentin in die GEW eingetreten und bei Beginn der Beschäftigung sofort zur ÖTV gewechselt. Bei meinem Arbeitgeber gab es aktive Vertrauensleute, die eine klare Position zur Geschäftspolitk des Arbeitgebers hatten und diese Aktivitäten habe ich von Anfang an mit unterstützt.

Wie bist du auf die Gewerkschaft aufmerksam geworden?

Die siebziger Jahre waren eine hochpolitische Zeit, da kamen Gewerkschaften neben den Parteien selbstverständlich vor.

Warum sind Gewerkschaften aus deiner Sicht wichtig?

Es gibt und bleibt ein Interessengegensatz zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten, da dürfen gelegentliche Schulterschlüsse bei manchen Themen nicht drüber hinweg täuschen. Ein Zusammenschluss in einer starken Organisation wie einer Gewerkschaft ist daher für mich unerlässlich. Alleine die Unterstützung im Rahmen von Schulungen, bei rechtlichen Fragen und bei der gemeinsamen Entwicklung und Durchführung von Aktionen und natürlich Streiks, um unserer Forderungen durchzusetzen - das geht nur in einer Organisation.

Für mich ist es aber auch wichtig, dass es im Rahmen der Gewerkschaft Frauenarbeit möglich ist. Auch wenn klar geregelt ist, dass Frauen entsprechend ihrem Anteil in Gremien vertreten sind, wie das meine Gewerkschaft ver.di ja festliegt, so ist es trotzdem wichtig, sich mit Gruppen von aktiven Frauen speziell auch noch mal der Themen anzunehmen, die die immer noch bestehende Benachteiligung von Frauen im Arbeitsleben ausmachen, und die dort erarbeiteten Ansätze müssen dann in die Politik der Gesamtorganisation eingebracht werden.

Zum Beispiel der Kölner DGB-Kreisfrauenausschuss: Wir organisieren Diskussionen, Aktionen und Veranstaltungen mit dem Ziel, die Gleichberechtigung der Frau in Beruf und Gesellschaft zu verwirklichen. Wir initiieren aktuell beispielsweise den Austausch von neu und wieder gewählten Betriebsrätinnen.

Frauenarbeit ist weiterhin nötig, denn Frauen verdienen aktuell für die gleiche Arbeit weniger Geld als Männer. Sie sind wesentlich stärker mit niedrigen Löhnen und unsicherer Beschäftigung konfrontiert sowie seltener in Führungspositionen vertreten. Daher setzt sich der DGB-Kreisfrauenausschuss für Entgeltgleichheit und Mindestlöhne, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, gleiche Karrierechancen und die Reduzierung prekärer Beschäftigung ein.

Warum engagierst du dich in dem oben genannten Gremium?

Zum Thema Frauenarbeit habe ich eben schon gesagt, was mir wichtig ist.
Nun aber möchte ich etwas sagen zu der Tätigkeit als ehrenamtliche Richterin. In den vergangenen 12 Jahren war  ich beim Sozialgericht Köln als ehrenamtliche Richterin  tätig. Man wird einer bestimmten Kammer zugewiesen, hat also mit einem bestimmten Berufsrichter oder einer Richterin zu tun, die z.B. für Streitigkeiten in Rentenangelegenheit oder in Streitigkeiten zwischen Arbeitslosen und der Arbeitsagentur oder  der ARGE verhandeln. Auf dieser Instanzen-Ebene gibt es drei Richterinnen oder Richter,  neben dem Berufsrichter sind jeweils ein Vertreter oder eine Vertreterin von Arbeitgeberseite und von Arbeitnehmerseite dabei. Wir  können unseren Sachverstand in der Verhandlung mit einbringen und sind gleichberechtigt  bei der Urteilsfindung und den Abstimmungen.

Nun bin ich seit Juni als ehrenamtliche Richterin zum Bundessozialgericht (BSG) berufen worden. Voraussetzung hierfür ist neben dem Mindestalter von 35 Jahren, dass man mindestens 5 Jahre am örtlichen oder an einem Landessozialgericht war. Aus der Liste der dort aus einer DGB-Gewerkschaft berufenen Personen werden dann wiederum von der Gewerkschaft Kolleginnen oder Kollegen angesprochen, ob sie Interesse haben, für dieses Amt vorgeschlagen  zu werden, in meinem Fall also die ver.di-Bundesverwaltung.  Man wird dann zwei verschiedenen Senaten zugeordnet, in meinem Fall geht es z.B. um Elterngeld /Erziehungsgeld und um  landwirtschaftliche Alterssicherung. Ich habe also keine Themen, die mit meinem Arbeitgeber, der Arbeitsagentur, in Verbindung stehen, damit ist ausgeschlossen, dass ich befangen sein könnte.  Das Bundessozialgericht ist ein Revisionsgericht. und hat  daher nur über Rechtsfragen zu entscheiden, während es tatsächliche Feststellungen der Vorinstanzen regelmäßig hinzunehmen hat.  Die Rechtsstreitigkeiten beziehen sich auf die dem BSG durch Gesetz zugewiesenen Gebiete. Diese betreffen in Gestalt der Sozialversicherung und sonstiger Systeme sozialer Sicherheit praktisch die gesamte Bevölkerung Deutschlands in existenzieller Weise


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