Deutscher Gewerkschaftsbund

01.03.2018

ver.di Fachgruppe Feuerwehr zur Diskussion und Situation bei der Berufsfeuerwehr Köln

Die Situation bei der Berufsfeuerwehr Köln wird in den letzten Wochen intensiv, auch unter den ver.di Kolleginnen und Kollegen bei der Berufsfeuerwehr Köln und inzwischen auch in der Presse diskutiert. Um die Diskussion ernsthaft fortzusetzen müssen die Probleme auf einer sachlichen Basis vertiefend betrachtet werden. Dabei ist klar, dass die Probleme nicht nur den Einsatz- und Alarmdienst der Berufsfeuerwehr betreffen.

Unterstützung bei Überlastung?

Der Berufsfeuerwehr Köln stehen unterschiedliche Hilfesysteme in der Stadtverwaltung zur Verfügung: z.B. der Personalrat der Berufsfeuerwehr, die Betriebsärztinnen, das PSU-Team und das Mitarbeiterunterstützungsteam beim Betrieblichen Gesundheitsmanagement.

Eine Überlastung, die letztlich Auswirkung auf die Einsatzfähigkeit oder die Dienstfähigkeit hat, muss der Feuerwehrbeamte bzw. die Feuerwehrbeamtin aufgrund der ihm obliegenden besonderen Dienst- und Treuepflicht seinem Dienstherrn anzeigen. Das ist im Übrigen keine formale Lappalie, sondern notwendig, weil sich die Kolleginnen und Kollegen im Einsatz aufeinander verlassen müssen. Eine solche Überlastung kann und muss jede und jeder für sich persönlich benennen und die Führungskräfte müssen entsprechend Abhilfe schaffen und gemeinsam mit der oder dem Betroffenen eine Lösung finden.

Personelle Lösung?!?!

Mit dem Brandschutzbedarfsplan und dem Rettungsdienstbedarfsplan, die in 2016 letztlich erst auf Druck, auch der Kolleginnen und Kollegen aus der Berufsfeuerwehr und ihrer Gewerkschaften durch den Rat gekommen sind, sind eine große Anzahl von neuen Stellen geschaffen worden. Um überhaupt Personal zu gewinnen und den Personalbestand zu halten, hat die Berufsfeuerwehr die Ausbildungskapazitäten massiv erhöht. Aber davon ist erst mittelfristig eine Entlastung zu erwarten.

Wir fordern mehr Personal nur für den Rettungsdienst

Die ver.di Fachgruppe Feuerwehr fordert für den Rettungsdienst eine ernsthafte Diskussion, ggf. über die Einstellung von Notfallsanitätern bzw. Rettungsassistenten, um die Arbeit der Feuerwehrleute der Berufsfeuerwehr zu entlasten.

Wie und warum? Der Rettungsdienst ist in NRW den Kommunen übertragen. Die Stadt Köln wiederum beteiligt mehrere Hilfsorganisationen (DRK, ASB, Johanniter und Malteser) und inzwischen auch die Firma Falk an der Aufgabenerfüllung. Der Anteil am Rettungsdienst, der über die Beamtinnen und Beamten der Berufsfeuerwehr Köln abgewickelt wird, betrug bis Oktober 2017 ca. 53% und soll durch Inbetriebnahme weiterer Fahrzeuge bei den Leistungserbringern künftig nur noch ca. 44% betragen. Für die Kolleginnen und Kollegen der Berufsfeuerwehr Köln bedeutet das in Zukunft nur scheinbar eine „Entlastung“, da es heute schon so ist, dass u.a. je nach Wache, in unterschiedlichem Umfang Rettungsdienstschichten geleistet werden müssen, die hohe Belastung des Rettungsdienstes also unterschiedlich verteilt ist. Bei einer gleichzeitigen Erhöhung der Gesamtkapazität, (sowohl bezogen auf die Einsätze, als auch die Vorhaltungen) bedeutet die Reduzierung des Anteils der Berufsfeuerwehr an der Leistungserbringung Rettungsdienst, gleichwohl mehr Schichten für den Rettungsdienst bei der Berufsfeuerwehr Köln und faktisch damit keine Entlastung, sondern eine weitere Belastung und keine Lösung des bestehenden Problems.

Um die Belastung – durch zurzeit fehlendes Personal - im Einsatzdienst zu reduzieren, ist es angezeigt, bei der Berufsfeuerwehr in Köln explizit Rettungsassistenten oder Notfallsanitäter als Tarifbeschäftigte einzustellen, um einen Teil der Einsätze im Rettungsdienst der Berufsfeuerwehr Köln abzudecken. Damit müssten weniger Rettungsdienstschichten mit Beamtinnen und Beamten der Berufsfeuerwehr abgedeckt werden. Dadurch würde es aus Sicht der ver.di Fachgruppe Feuerwehr Köln zu einer deutlichen Entlastung der Kolleginnen und Kollegen kommen. Durch diese Maßnahme könnte wieder eine verstärkte Einbindung in den Brandschutz und die technische Hilfeleistung ermöglicht werden und die dringend notwendige Fortbildung in diesen Aufgabengebieten erfolgen.

Personalentwicklung/ Personaleinsatz nach Eignung, Neigung und Befähigung

Seit Jahren sind viele Kolleginnen und Kollegen scheinbar sehr unzufrieden über die heutige Praxis des Personaleinsatzes. Zum Nutzen, zur Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und auch zu einer effektiveren Aufgabenbewältigung ist ein Einsatz in den Bereichen anzustreben, wo die größte Befähigung und/ oder Neigung vorhanden ist. Eine vernünftige Personalgewinnung für die Feuerwehr- oder Rettungsdienstschule, die Leitstelle und andere Bereiche in unserem Amt kann nicht durch intransparente Entscheidungen gefördert werden. Hier besteht zurzeit offensichtlich zumindest „das Gefühl“, dass die Verwendung nach dem Zufallsprinzip erfolgt und nicht nach fachlicher Ausrichtung. Diese Verfahren erzeugen Frust und Unzufriedenheit.

Um das vielfältige Potential das die Kolleginnen und Kollegen in vielen Bereichen mitbringen, nicht zu verschwenden und damit zu verhindern, dass sich andere Feuerwehren oder Ämter über abgewandertes, hervorragend ausgebildetes und hoch motiviertes Personal der Berufsfeuerwehr Köln freuen, ist ein grundlegendes Umdenken erforderlich.

Führungsverhalten gehört schon länger auf dem Prüfstand!

Die Berufsfeuerwehr Köln muss darüber hinaus, dringend die Führungsstrukturen in den Blick nehmen, Führungsleitlinien entwickeln und einen neuen Führungsstil etablieren.

Im Einsatz ist es regelmäßig unabdingbar, den Anweisungen der Vorgesetzten bzw. der Einsatzleitung unbedingt zu folgen bzw. die Aufgaben der jeweiligen Funktion auszuführen.

Die Berufsfeuerwehr ist, wie andere ähnliche Dienste, streng hierarchisch strukturiert. Insgesamt muss das Führungsverhalten insbesondere im Wachdienst kritisch hinterfragt und gemeinsam weiterentwickelt werden. Das Verhalten von Vorgesetzten hat nachweislich Auswirkungen auf die Belastung und gesundheitliche Situation der Beschäftigten – nicht nur bei der Stadt Köln. Arbeitswissenschaftliche Studien belegen insoweit einen Zusammenhang zwischen guter bzw. schlechter Führung und der gesundheitlichen Lage der Beschäftigten. Auch die Beschäftigtenbefragung bei der Stadt Köln von 2012, die im Jahr 2014 von Herrn Dr. Billhuber für den Bereich der Feuerwehr analysiert wurde, hat ergeben, dass zum Beispiel 63% der Beschäftigten die Zufriedenheit mit der obersten Führungsebene als unterdurchschnittlich beurteilen. Zwar wurden mit der Analyse seinerzeit die Probleme beschrieben, aber weitgehende Maßnahmen wurden von der Dienststelle (flächendeckend) nicht ergriffen. Auch darin dürfte eine Ursache liegen, warum das Vertrauen in die Führung der Kölner Berufsfeuerwehr bei vielen Kolleginnen und Kollegen gestört ist.

Ombudsmann – Lösung?!?

Der Stadtdirektor hat zur Lösung der Probleme die Schaffung eines Ombudsmannes für die Kölner Berufsfeuerwehr in Aussicht gestellt. Als zusätzliche Möglichkeit, Probleme und Vorschläge zu benennen ist eine externe Unterstützung sicherlich hilfreich und zu begrüßen. Wichtig ist aber, dass für die - zum Teil schon seit geraumer Zeit - bekannten und benannten Probleme am Ende auch Abhilfe geschaffen wird. Daher ist es wichtig, dass auch die organisierte Interessenvertretung (Gewerkschaften und Personalvertretung) an dem Prozess beteiligt wird.

Sprecher der Fachgruppe Feuerwehr Köln

Jürgen Schlott, Stefan Plum und Jürgen Dube


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