Deutscher Gewerkschaftsbund

12.04.2017

Nachgefragt: Leonie Koch stellt sich vor

Die DGB-Jugend Köln hat eine neue Vorsitzende gewählt. Leonie Koch absolvierte eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation und trat in dieser Zeit in die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE) ein. Momentan studiert sie Wirtschaftsrecht. 

Frage: Wie ist Dein bisheriger Lebensweg verlaufen?

Ich bin in Köln geboren und aufgewachsen, genauer gesagt in Porz.Nachdem ich die Realschule beendet hatte, bin ich auf das Gymnasium gegangen. Allerdings war es mir schnell wichtig eigenes Geld zu verdienen und die Schule wurde hintendran gestellt. Die Rechnung kam prompt und ich habe mein Abitur nicht bestanden. 

Ich hatte jedoch das Glück, bereits eine Zusage für eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation von der Ausbildungsinitiative Rheinland in Kooperation mit dem Landesbezirks Nordrhein der IG BCE zu haben, welche ich trotz Nichtbestehen des Abiturs im September 2010 beginnen durfte. In der Ausbildung habe ich dann festgestellt, dass sich gute Noten ziemlich angenehm anfühlen und habe es geschafft, meine Ausbildung auf zweieinhalb Jahre zu verkürzen. Nach Abschluss der Ausbildung wollte ich einen Schritt weitergehen und ich entschloss mich zu studieren. Meinen Bachelor in Wirtschaftsrecht habe ich letztes Jahr abgeschlossen, nun absolviere ich einen Master, ebenfalls in Wirtschaftsrecht.

 

Frage: Was hat Dich bewegt Dich gewerkschaftlich zu organisieren?

Da ich bei der IG BCE ausgebildet wurde, war es für mich selbstverständlich, dass sich auch Gewerkschaftsmitglied werde. Die Motivation mich zu engagieren, kam vor den Wahlen zur Jugend-und Auszubildendenvertretung (JAV) 2010, als mir erklärt wurde, dass ich zwar die JAV von Currenta wählen, mich aber nicht zur Wahl aufstellen lassen könnte und sie auch nur bedingt für mich zuständig wäre. Als mein Ausbilder mir sagte, dass dies nicht zu 100 % richtig sei, beschloss ich mich in der IG BCE zu engagieren um über diesen Weg Mitsprache in der Ausbildung zu haben. 

Hinzu kam, dass mir von meiner ganzen Familie schon immer vorgelebt wurde, wie wichtig Mitbestimmung ist. Meine Oma war bis zur Schließung ihres Werkes Betriebsrätin bei Triumph, meine Schwester war Jugend- und Auszubildendenvertreterin bei Evonik und danach JAV- und Jugendreferentin bei der IG BCE und meine Mutter hat sich immer in den Elternvertretungen unserer Schulen eingesetzt. Meine eigenen Erfahrungen habe ich in der Schüler_innenvertretung gesammelt.

 

Frage: Welche Erfahrungen bringst Du aus Deiner Arbeit bei der IG BCE Jugend mit?

Ich habe ziemlich schnell nach Beginn meiner Ausbildung angefangen mich im Bezirksjugendausschuss der IG BCE Köln-Bonn und später auch verstärkt  im Landesbezirksjugendausschuss der IG BCE zu engagieren. Auf Landesbezirksebene habe ich mich sehr stark in der Kampagne „Perspektive junger Menschen“ engagiert. Die Kampagne hat sich aus der Jugendperspektive mit den Themen: interne Weiterbildung und Ausbildung, externe Weiterbildung, Leih- und Zeitarbeit, Teilzeit und Befristung, Energiepolitik und Familie, Beruf und Gesundheit beschäftigt.

Hierbei haben wir in den Betrieben auf die Probleme von jungen Menschen aufmerksam gemacht und unsere Themen und Forderungen mit den zuständigen Politiker_innen diskutiert. Gleichzeitig haben wir uns intensiv mit der Bildungspolitik in Deutschland auseinandergesetzt und klare Forderungen formuliert, die wir nun in die Politik tragen wollen. 

Im Bundesjugendausschuss der IG BCE haben wir im Sommer 2015 die Kampagne „Be.Wegung“ gestartet. Mit dieser Kampagne haben wir in allen Gremien und Betrieben einen Aktivierungs- und Bewusstseinsprozess angestoßen und unseren Mitgliedern gezeigt, wie vielfältig die Möglichkeiten von Gewerkschaftsjugenden sind und was wir alles bewegen können – auch im Erwachsenbereich unserer eigenen Gewerkschaft.

 

Frage: Warum engagierst Du Dich beim DGB?

Bei der IG BCE haben wir sehr viele betriebspolitische Themen besprochen. Mit Beginn des Studiums habe ich die Lust verspürt, mich auch zu gesellschaftspolitischen Fragestellungen zu positionieren. In was für einer Gesellschaft wollen wir leben? Wie kann es sein, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht? Warum werden rechtspopulistische Parteien in Deutschland und Europa immer stärker? Und warum dürfen homosexuelle Paare in Deutschland immer noch nicht heiraten? 

Das sind Fragestellungen zu denen die DGB-Jugend klar Stellung bezieht. Also habe ich angefangen, mich im Stadtjugendausschuss der DGB-Jugend Köln zu beteiligen und schnell festgestellt, dass viele Kolleg_innen ähnlich denken wie ich.

 

Frage: Warum ist Dir die Mitarbeit in der Gewerkschaft und speziell beim DGB wichtig?

Ich merke immer wieder, dass wir wirklich etwas bewegen können, nicht nur bei uns in den Betrieben, sondern auch in der Politik. Als Beispiele nenne ich hier die Einführung des Bildungsurlaubs für Azubis in NRW oder auch die neuen Regularien für Leiharbeit und Werkverträge. Von diesen positiven Veränderungen profitieren vor allem junge Arbeitnehmer_innen. Diese Beispiele zeigen, dass wir als Gewerkschaftsjugend gehört und ernst genommen werden. 

An der Arbeit im DGB finde ich besonders spannend, dass wir so ein bunter Haufen sind. Wir kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen und können unfassbar viel voneinander lernen, damit meine ich nicht nur über unsere Branchen und Strukturen in den unterschiedlichen Mitgliedsgewerkschaften, sondern auch persönlich. Außerdem finde ich die Ausrichtung der Arbeit im DGB sehr interessant. Als Dachverband sind wir mehr auf gesellschaftliche und politische Aspekte als auf betriebliche oder tarifliche Aspekte ausgelegt.

 

Frage: Was sind Deine Ziele für die nächsten Jahre mit dem Stadtjugendausschuss?

Ich finde es ist auf jeden Fall wichtig, dass wir weiterhin im Austausch mit anderen Jugendorganisationen und Jugendverbänden bleiben, welche unsere gewerkschaftlichen Grundwerte teilen. Dort wo es Gemeinsamkeiten gibt, werden wir die Zusammenarbeit suchen.Darüber hinaus ist es mir wichtig, dass wir die Arbeit im Stadtjugendausschuss so gestalten, dass sich Mitglieder aus allen Mitgliedsgewerkschaften mit unseren Positionen und Aktionen identifizieren können. 

Thematisch sehe ich unseren Schwerpunkt in den nächsten Jahren in der Ausbildungssituation in und um Köln. Hierzu zählt natürlich auch die notwendige Novellierung des Berufsbildungsgesetzes (BBiG). Bildungsministerin Wanka hat uns oft gezeigt, für wie wenig notwendig sie die Novellierung erachtet, aber in diesem Punkt sind nun mal wir die Expert_innen und wir werden uns sicher nicht mit einer angeblichen Verschlimmbesserung abspeisen lassen. 

In diesem Jahr werden wir uns natürlich mit den anstehenden Landtags- und Bundestagswahlen beschäftigen. Mit dem Kölner Jugendring - einem Zusammenschluss von insgesamt 21, meist ehrenamtlich geführten, Jugendverbänden und -organisationen aus Köln - planen wir eine Infoveranstaltung. Die Kölner Landtagskandidat_innen werden nach ihrer Haltung zur gesetzlichen Ausbildungsgarantie, bezahlbaren Wohnraum für Auszubildende und Studierende und einem landesweiten Azubi-Ticket befragt. Außerdem planen wir eine Kneipentour durch die Innenstadt, bei der wir junge Menschen zur Stimmabgabe ermuntern und sie über die Gefahren rechtspopulistischer Parteien -  wie der AfD - aufklären wollen.

 

Frage: Warum den Fokus auf die AfD?

Weil die Positionen der AfD gewerkschaftlichen Forderungen diametral gegenüber stehen. Anstatt sich für die Verbesserung der Lebensumstände aller Menschen in Deutschland einzusetzen, hetzten die Rechtspopulist_innen der AfD gegen Geflüchtete und stellen Arbeitnehmendenrechte als bürokratische Hindernisse dar. Sie fordern sogar allen Ernstes eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad, damit den Opfern der Shoa nicht mehr gedacht und an die Verbrechen der Nazis erinnert werden soll. 

All das zeigt, dass die AfD ein radikales und menschenverachtendes Gedankengut vertritt. Daher beteiligen wir uns auch an den friedlichen Demonstrationen gegen den AfD-Bundesparteitag am 22. April in Köln und rufen alle anderen Menschen auf daran teilzunehmen und Flagge zu zeigen gegen Rechts!  

 

Hinweis: In der Reihe „Nachgefragt“ veröffentlichen wir in unregelmäßigen Abständen ausführliche Stellungnahmen und Positionen von gewerkschaftlichen Experten/innen aus der Region Köln-Bonn. „Nachgefragt“ bietet nicht nur ausführliche Hintergrundinformationen, sondern spiegelt immer auch die persönliche Sichtweise der jeweiligen Experten/innen wieder. Die Texte können für Medienberichterstattungen genutzt werden.

Weitere Veröffentlichungen aus der Reihe „Nachgefragt“ finden Sie auf unserer Internetseite www.koeln-bonn.dgb.de. Dort können Sie „Nachgefragt“ auch als RSS-Feed abonnieren.

 

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