Deutscher Gewerkschaftsbund

28.10.2011
DGB-Region Köln-Bonn

Nachgefragt: Situation der Studierenden an der Kölner Uni

Jonas Thiele ist am 22. Mai 1984 in Recklinghausen geboren und dort aufgewachsen. Seit 2007 studiert er an der Uni Köln und wohnt auch seitdem in der Stadt. Außerdem ist er Mitglied in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und seit dem 1. Februar 2010 erster AStA Vorsitzender an der Universität zu Köln. Das Interview mit Jonas Thiele, 1. AStA Vorsitzender der Universität zu Köln führte Stephan Otten, DGB-Jugendbildungssekretär.

Jonas_Teaser

DGB-Region Köln-Bonn

Jonas Thiele, 1. AStA Vorsitzender an der Universität zu Köln: "Wir wollen Mitbestimmung, dann können wir selbst bestimmte Dinge gestalten."

Stephan Otten: Jonas, wie bist du zum Allgemeinen Studentenausschuss, kurz AStA, gekommen? 

Jonas Thiele: Nach meinem Abitur bin ich eine Zeit lang im Ausland gewesen. Als ich nach Köln kam, habe ich Anschluss gesucht. Zu der Zeit wurde die Grünen-Hochschulgruppe neu gegründet und ein befreundeter Kommilitone nahm mich zum Gründungstreffen mit. Später bin ich eingestiegen und habe Fachschaftsarbeit gemacht. Ich glaube, der klassische Weg ist, über eine Hochschulgruppe oder die Fachschaftsarbeit und in die ASTA- Arbeit rein zu rutschen. Nach der letzten Wahl hatten wir die Möglichkeit mit der JUSO-Hochschulgruppe, der Die-LINKE.SDS und Campus Grün den AStA zu stellen. Wir haben uns sehr klare Ziele gesetzt, von denen wir bis jetzt nur ein Drittel umsetzen konnten. Wobei es uns wichtig war, erst einmal alles aufzuschreiben, was sich ändern muss, um uns selber ein bisschen Druck zu machen.  Die AStA-Arbeit ist anstrengend und leider auch teilweise sehr undankbar. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass wir mit den drei Hochschulgruppen sehr viel umsetzen können. Dies ist dann doch Bestätigung in der Arbeit, die man macht. 

Stephan Otten: Welche Auswirkungen haben der doppelte Abiturjahrgang und die Abschaffung der Wehrpflicht an der Universität zu Köln? Wie sieht es derzeit in der Universität zu Köln aus bezogen auf die wenigen Studienplätze und der hohen Nachfrage?

Jonas Thiele: Ja, das ist ein Problem. Die hohe Nachfrage nach Studienplätzen ist auch schon ohne den doppelten Abiturabgang und ohne die Abschaffung der Wehrpflicht immer wieder Thema. Da es teilweise sehr wenige Studienplätze in den verschiedenen Masterstudiengängen gibt, hat sich in der jüngeren Vergangenheit dieser Mangel an Plätzen oft als Problem erwiesen. Jetzt ist es so: die doppelten Abiturabgänge sind noch nicht in NRW angekommen, sondern bisher nur in Bayern und Niedersachsen. Die Abschaffung der Wehrpflicht betrifft letztendlich die Uni Köln auch gar nicht so stark. Die Uni Köln musste  wegen dieser Abschaffung 390 Studierende zusätzlich aufnehmen. Trotzdem reichen die Plätze hinten und vorne nicht. Viele junge Leute werden aus diesem Grund abgelehnt. Auch diejenigen, die einen Studienplatz bekommen haben, haben größere Nachteile. Probleme sind, dass Vorlesungen größer werden und der Wohnraum immer kleiner. Meiner Meinung nach ist es ein sehr großes Problem, dass die Studienplätze nicht einheitlich vergeben werden. Das bedeutet, dass sich sehr viele Leute auf Studienplätze an mehreren Unis und Hochschulen bundesweit bewerben. Oft treten sie diese Plätze dann nicht an, weil sie irgendwo anders etwas Besseres für sich gefunden haben. Deshalb ist eine Übersicht derzeit nur schwer möglich. Wir gehen davon aus, dass in diesem Semester schon viele 100 Studierende zusätzlich eingeschrieben sind, die irgendwie bewältigt werden müssen. Es besteht immer noch ein Mangel an Lehrenden und vor allem große Defizite bei den Räumlichkeiten.

Stephan Otten:  Wo gibt es aus deiner Sicht weitere Probleme?

Jonas Thiele: Neu ist, dass wir jetzt mittlerweile 28 Studierende an der Uni Köln haben, die nicht volljährig sind. Diese Studierenden sind noch nicht geschäftsfähig, d.h. sie dürften sich theoretisch nicht einschreiben, was natürlich stellvertretend die Eltern für sie gemacht haben. Sie dürften sich allerdings auch nicht für Klausuren anmelden. Das hat die Uni geschickt durch eine Generalvollmacht der Eltern gelöst in der Hoffnung, dass dann alles geklärt ist und die Studierenden im Namen der Eltern also für sie selbst handeln können. Bei der Einführung durch G8 wurde gar nicht bedacht, dass vermehrt Minderjährige an die Unis und Fachhochschulen kommen.

Stephan Otten: Welche Probleme gehen einher mit der Umstellung der Studiengänge auf Master/ Bachelor?

Jonas Thiele: Einen Punkt hatte ich ja schon genannt: es gibt nicht genug Masterplätze! Angedacht war, dass nur ein gewisser Teil der Studierenden, die einen Bachelor-Abschluss gemacht haben, auch einen Masterplatz bekommen. Das ist für uns ein riesiges Problem. An der Uni Köln konnten zum Beispiel in Betriebswirtschaftslehre nur ein Bruchteil der Studierenden einen Masterplatz finden. Das ist einmal ein grundsätzliches Problem. Ansonsten lässt sich beobachten, dass die Anforderungen an ein Studium sehr stark gestiegen sind. Nicht nur, dass man mittlerweile in Modulen studiert, sondern auch innerhalb dieser Module Abschlussprüfungen machen muss. Diese sind zusätzlich und gehen direkt in die Abschlussnote ein. Dadurch wird ein permanenter Druck erzeugt. Zusätzlich sollen noch Softskills erworben werden. Das ist alles an einen ganz engen Zeitrahmen geknüpft. Man hat nicht mehr so viel Zeit wie früher. Innerhalb von 6 Semestern (3 Jahren) soll man eigentlich fertig studiert haben. Der Master wird nur von wenigen Leuten zusätzlich gemacht. Der Arbeitsmarkt zeigt natürlich was anderes. Mit dem Bachelor-Abschluss ist man nicht unbedingt so hoch qualifiziert, wie es sich die Unternehmen dann tatsächlich wünschen - gerade in einigen Bereichen wie den Ingenieurswissenschaften. So ist auch die Forderung aufgetaucht, wieder zurück zum Diplomstudiengang zurückzukehren. Fazit ist, dass die Studierenden unter einem wesentlich gestiegenen psychischen und sozialen Druck arbeiten, aber nicht mehr eine so hoch qualifizierte Ausbildung erhalten werden wie vorher.

mb

DGB-Region Köln-Bonn

Stephan Otten: Wie werden Bachelor- Abschlüsse im europäischen Ausland anerkannt?

Jonas Thiele: Da gibt’s im Prinzip zwei Ebenen. Einmal die formale Ebene und einmal die Ebene der Wertschätzung. Die Wertschätzungsebene ist, dass das Diplom und auch der Magister im Ausland sehr hoch anerkannt waren. Im Ausland war man mit diesem Studium sehr zufrieden, was man mit dem Bachelor nicht mehr unbedingt ist. So führt es da eher zu Problemen, wenn man im Ausland einen Arbeitsplatz sucht. Die andere Ebene ist die formelle: So gibt es die Lissabon-Konvention. Sie besagt, dass alle Studienleistungen, egal in welchem Land sie abgelegt wurden, anerkannt werden. Auch das funktioniert leider in der Praxis relativ selten. Selbst in solchen Austauschprogrammen wie im Erasmus ist es häufig nicht möglich, wirklich Leistung für den eigenen Studiengang zu erbringen, sodass auch diese formale Anerkennung leider sehr zwiespältig zu betrachten ist.

Stephan Otten: Werden die  6-semestrigen Bachelor-Abschlüsse in Deutschland im Ausland nicht anerkannt werden?

Jonas Thiele: Ja, ein zusätzliches Problem ist die unterschiedliche Dauer der Studiengänge. Bei dem Bologna-Prozess wurde nicht festgelegt bzw. es wurde offen gelassen, wie lange ein Studiengang tatsächlich sein muss. In Deutschland umfasst der Bachelor 6 Semester und der Master 4 Semester. International dauert der Bachelor häufig 8 Semester und der Master 2 Semester. Das bedeutet, wenn man mit dem deutschen Bachelor-Abschluss den Master im Ausland machen möchte, muss man erstmal zusätzlich noch 2 Semester studieren. Durch die unterschiedlichen Regelungen ist international ein riesiges Durcheinander entstanden. Obwohl Bologna genau das verhindern sollte. Wo eigentlich eine Angleichung stattfinden sollte, wurden die Unterschiede verstärkt. Mit einem Diplom-Abschluss war es früher kein Problem, ein zusätzliches Master-Studium im Ausland draufzusetzen oder im Ausland eine Tätigkeit anzutreten.

Stephan Otten: Die Abschaffung der Studiengebühren in NRW ist erreicht. Welche Erwartungen haben die Studierenden?

Jonas Thiele: Der Großteil der Studierenden war natürlich erstmal sehr froh, dass die Studiengebühren endlich abgeschafft wurden. Vor allem betrifft es auch Leute, die jetzt wieder die Möglichkeit sehen zu studieren, die gerade aus Nicht-Akademiker-Haushalten stammen. In der Vergangenheit wurden in der Diskussion um die Abschaffung der Studiengebühren häufig Ängste geschürt: Nach dem Motto „da fallen zusätzliche Prüfungstermine weg, die Bibliothek darf/kann nicht mehr so oft geöffnet bleiben, usw.“. Das hat uns natürlich nicht gehindert, trotzdem für die Abschaffung der Studiengebühren zu kämpfen. Und gleichzeitig dafür zu kämpfen, dass die Studiengebühren durch das Land kompensiert werden. Was jetzt weitgehend der Fall ist. Angeblich sollten die Studiengebühren zusätzliche Gelder sein, was aber in der Realität nicht den Studierenden zu Gute kam. Wir haben natürlich die Befürchtungen, dass Sachen wegfallen. Trotzdem überwiegt die Freude, einfach darüber, dass die Studiengebühren weg sind und die Kompensationszahlungen da sind. Mit diesen Kompensationszahlungen werden dieselben Dinge finanziert werden können, die vorher durch Studiengebühren bezahlt wurden. Die Studierenden sind an dieser Verteilung beteiligt; somit können wir sicher stellen, dass mit diesem Geld auch sinnvolle Sachen finanziert werden.

Jonas

DGB-Region Köln-Bonn

Stephan Otten: Ist das Thema Zwangsexmatrikulation ein Thema an der Uni Köln und was bedeutet das eigentlich? Und was unternimmst du als AStA- Vorsitzender dagegen?

Jonas Thiele: Das Thema ist nicht neu. Bereits in  den sog. „68er“ gingen die Studenten deswegen auf die Strasse. Zwangsexmatrikulation bedeutet, dass Studierende, aus welchen Gründen auch immer, exmatrikuliert werden und nicht mehr weiter studieren dürfen. In der Vergangenheit konnte es passieren, dass verschiedene Prüfungen nicht bestanden wurden, beispielsweise durch zu viele Fehlversuche oder wie an der WiSo-Fakultät durch zu viele „Maluspunkte“. In Zeiten von Studiengebühren konnte es dadurch passieren, dass die Studiengebühren nicht rechtzeitig überwiesen werden konnten, weil das Geld fehlte. Aktuell ist es wieder ein Thema geworden, da die alten Diplom- und Magisterstudiengänge und das alte Staatsexamen im Lehramt auslaufen. Auslaufen bedeutet, man legt fest, bis wann die Studierenden noch Zeit haben, das Studium abzuschließen.

An der Uni Köln gibt es sehr unterschiedliche Regelungen. Es gibt eine Gesamtregelung für die philosophische Fakultät und mehrere kleine Regelungen für die anderen Fakultäten. An der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät hat jeder Studiengang eine eigene Auslaufordnung. Diese Auslaufordnungen werden unterschiedlich restriktiv gehandhabt. Beispielsweise im neuen Lehramt sollen die, die jetzt mit ihrem Studium begonnen haben, maximal ihre Regelstudienzeit plus vier Semester brauchen. Die Regelstudienzeit wurde mal eingeführt, um die Hochschulen darauf zu verpflichten. In der Zeit sollen die Studierenden die Möglichkeit haben, ihren Abschluss zu machen. Mittlerweile wird die Regelstudienzeit anders bewertet: nicht mehr die Hochschulen werden verpflichtet, sondern die Studierenden. Nach Ablauf der Regelstudienzeit bekommt man kein BAföG oder andere Vergünstigungen mehr.

Der Druck auf die Studierenden steigt auch hier. Im besten Fall war man für ein Jahr im Ausland, da fallen schon mal 2 Se-mester weg. Hinzu kommt dazu, dass viele Studierende ihr Auskommen mittlerweile selber tragen müssen, d.h. es gibt viele Teilzeit-Studierende. Laut Studien vom deutschen Studentenwerk, studieren 20% eigentlich nur Teilzeit d.h. man müsste eigentlich sagen, um die Zeit die sie gearbeitet haben, müsste sich ihr Studium verlängern. So hat man halt nur 4 Semester und die Studierenden stehen dadurch unter einem sehr hohen Druck schnell ihr Studium abschließen zu können, wodurch  mit Sicherheit die Qualität leidet. Und am Ende steht dann halt der Ausschluss. Wir finden weder diesen zeitlichen Druck in Ordnung und versuchen dagegen anzugehen, was durch verschiedene Aktionen stattfindet durch Klagen, durch Petitionen, durch Briefe schreiben, usw.. Hier an der Uni Köln wurden in den letzen Jahren und jetzt im Magister 30 Menschen bekannterweise exmatrikuliert. Die Dunkelziffer ist wesentlich höher und wir haben jetzt mittlerweile einige Leute getroffen, die schon vor einigen Jahren aus dem Lehramt exmatrikuliert bzw. die für bestimmte Fächer exmatrikuliert wurden. Denen dann gesagt wurde „ja studiert das doch in Bonn weiter“. Die Dunkelziffer ist eine sehr, sehr hohe und leider ist da in den vergangenen Jahren viel zu wenig passiert, um darauf aufmerksam zu machen. Im Grunde ist dieses Thema auch erst durch unsere Arbeit hier in Köln groß geworden und hat dann Kreise gezogen. In Aachen wurden 250 Menschen exmatrikuliert, in Frankfurt, in Münster überall wurden Leute rausgeschmissen und das war eigentlich nie Thema. Es wurde nie thematisiert, dass da so ein unmenschliches Verfahren angewendet wurde. Wir sind der Meinung, Leute die sich hier einschreiben, mit dem Ziel einen Abschluss zu machen, sollten diesen Abschluss dann auch anstreben dürfen. Und wenn sie arbeiten, wenn sie einen Angehörigen pflegen müssen oder Hochschulpolitik machen oder ein ehrenamtliches Engagement betreiben, dann sollten sie trotzdem die Möglichkeit haben, einen Abschluss machen zu können.

Stephan: Wie steht der AStA dem Thema (Zwangs-)Exmatrikulation durch nicht bestandene Prüfungen gegenüber?

Jonas Thiele: Unserer Meinung ist, wenn Studierende eine Klausur bestehen, dann ist diese Klausur bestanden. Im Grunde ist es für uns nicht relevant, ob diese im ersten oder im sechsten Versuch bestanden wird. Den Studierenden wird im 3. oder 4. Versuch die Möglichkeit genommen weiter zu studieren. Ich gehe davon aus, dass der Mensch lernfähig ist und das natürlich die Zeit unterschiedlich lange dauert und das unterschiedliche Zugänge zum Thema oder zur Bildung bestehen, sodass es für uns dann schwierig ist, das Ganze durch eine Ordnung festzulegen. Bezug nehmend auf das Thema sitzenbleiben: es hat sich gezeigt, dass das Sitzenbleiben nicht förderlich ist. SchülerInnen, die eine Klasse wiederholen müssen, tendenziell von der Motivation nicht mehr so gerne in der Schule sind. Dadurch nicht mehr so gerne und nicht mehr so viel lernen. Menschen werden daran gehindert zu lernen. Dies ist beim dreimaligen Nichtbestehen einer Prüfung ein ähnlicher Fall.

Stephan Otten: Habt ihr denn rechtliche Möglichkeiten dagegen vorzugehen?

Jonas Thiele: Nein, momentan sind mir leider keine bekannt. Man kann bestimmte Teilprüfungen anfechten, z.B. wenn man sich zu einer Klausur angemeldet hat, jedoch am Morgen der Prüfung krank ist. Es gibt aber keine rechtliche Handhabe gegen das dreimalige Nichtbestehen zu klagen. An der WiSo Fakultät haben wir den Fall der „Maluspunkte“. Das erkläre ich Mal eben genauer: Da ist es so, dass man im Bachelor Studiengang eine gewisse Anzahl an Leistungspunkten erwerben muss, so zählt z.B.  eine Klausur acht Punkte. Falls man diese Klausur nicht besteht, erhält man acht „Maluspunkte“. Der Studierende hat also ein Plus-, und Minuskonto und wenn dieses Minuskonto sechzig Punkte hat, wird man automatisch raus geschmissen. Dies kann unter Umständen schnell gehen, denn gerade im ersten Semester ist man noch nicht so stark im wissenschaftlichen Arbeiten drin. Da kann es sich schon einmal schnell summieren, so dass in den ersten drei Semestern vierzig „Maluspunkte“ zusammen kommen. Dann muss man allerdings noch drei Semester weiter studieren und hat im Prinzip nur noch drei Klausuren, die man nicht bestehen kann. Wenn man dann erst einmal bei fünfundfünfzig Punkten ist, wird jede Klausur zur Abschlussklausur.  Also, ein immenser Druck, der in einem solchen Fall auf dem Studierenden liegt. Hier könnte man theoretisch klagen, wir suchen auch immer wieder Leute, die von diesem Problem betroffen sind. Leider ist es nicht so einfach.
Generell ist es so, dass man ein Recht hat, Prüfungen zu wiederholen. Nur in diesem Fall ist die Wiederholbarkeit der Prü-fung nicht gegeben. Dementsprechend könnte man juristisch dagegen vorgehen. Der AStA würde sich einem konkreten Fall eines/r Betroffenen anschließen.

Stephan Otten: Wie sieht denn derzeit die Wohnungsmarktsituation für Studierende in Köln aus?

Jonas Thiele: Der Wohnungsmarkt in Köln ist sehr überladen und sehr teuer, so dass es schwierig ist, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Dies ist durch die vielen zusätzlichen Studierenden noch schwieriger geworden. Mich haben jetzt in der ersten Uni-Woche sehr viele Leute angesprochen, die noch keine Wohnung oder Zimmer in Köln gefunden haben. In diesen Fällen kann der ASTA leider nur an das Studentenwerk verweisen, die sich darum kümmern. Allerdings sind die Studentenwohnheime in Köln ausgebucht.
Das Problem ist, dass die Studentenwohnheime nur begrenzten Wohnraum anbieten können. Was mehrere Gründe hat, zum einen die Finanzierung der Studentenwerke oder die Ausfinanzierung für Neubauten durch das Land NRW. Dadurch entsteht ein angespannter Wohnungsmarkt in Köln (hohe Preise). Mittlerweile werden nur noch wenige Baugrundstücke (einfach so) an das Studentenwerk gegeben, was früher noch der Fall war, so dass Wohnheime gebaut werden konnten.
Das Studentenwerk hat einige Projekte, wo Neubauten entstehen sollen, bis die doppelten Abiturjahrgänge in NRW angekommen sind. Hierbei handelt es sich jedoch nur um wenige hundert Plätze. Locker aus der Hüfte raus behaupte ich, dass zusätzlich ca. 5.000 Wohnungsplätze gebraucht werden, damit es genügend bezahlbaren Wohnraum gibt. Es bleibt sehr schwierig für Studierende, dass sie etwas Geeignetes finden.

Stephan Otten: Seit ihr hierzu in Gesprächen mit der Stadt Köln?

Jonas Thiele: Das Studentenwerk ist permanent in Gesprächen mit der Stadt Köln, teilweise wurden wir mit zu den Gesprächen eingeladen. Ansonsten sind wir natürlich mit den Ratsmitgliedern im Gespräch. Hier weisen wir darauf hin, dass es zu wenig sozialen Wohnungsraum in Köln gibt. Zudem ist die Stadtkasse auch sehr „klamm“ und an allen Enden fehlt das Geld. Es wird sich zeigen, ob sich da etwas tut.

b

DGB-Region Köln-Bonn

Stephan Otten: Welche Forderung möchtest du als AStA Vorsitzender beim Bildungsstreik besonders betonen?

Jonas Thiele: Ich freue mich bereits auf die große Demonstration am 17.11.2011 in Köln. Die regelmäßige Arbeit im Bildungsstreik-Bündnis gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern, Auszubildenden und Studierenden läuft seit Monaten sehr gut. Mir ist es wichtig, in dem Bündnis keine Einzelforderungen der Studierenden hoch zu halten.

Natürlich ist unsere Forderungen: die Ausfinanzierung des Bildungssystems. Das fängt natürlich nicht erst in den Hochschulen an, sondern schon in den KITAS bzw. noch früher. Als Weiteres fordern wir mehr Studienplätze an den Unis sowie eine Masterplatz-Garantie für alle Bachelor-Absolventen/innen. Ich persönlich, als Lehramtsstudierender, wünsche mir, dass das Projekt „Eine Schule für Alle“ weiter kommt. Es gibt sehr viele offene Themen in der Bildungspolitik, die leider viel zu wenig bearbeitet werden und das gesamte Bildungssystem betreffen. So auch das Thema der fehlenden Ausbildungsplätze.

Stephan Otten: Was sagst du zu den Stichworten „Demokratisierung der Hochschule“?

Jonas Thiele: Die Demokratisierung der Hochschule ist eine generelle Forderung der Studentenschaft. Es ist häufig so, dass der Studentenschaft die Hände gebunden sind. Wir als AStA können in unserem Rahmen beratend tätig sein, und die zur Verfügung stehenden Mittel so einsetzen, wie wir sie für sinnvoll halten. Durch eine BAföG- und Sozialberatung, durch eine kostenlose Rechtsberatung, durch Kultur und politische, inhaltliche Angebote können wir Akzente setzen. Oft ist es so, dass wir nur angehört werden. Im Ministerium für Wissenschaft und Forschung wird das  Thema „Beschwerdemanagement“ favorisiert. Das ist aber überhaupt nicht, was wir fordern. Wir wollen Mitbestimmung, dann können wir selbst bestimmte Dinge gestalten. Beispielsweise wie wird das Geld ausgegeben, was findet an der Uni statt und wie ist die Forschung und Lehre ausgerichtet. Wir brauchen eine Demokratisierung der Hochschule. Unter dem Motto „Es gibt viel zu tun – packen wir es an!“


Nach oben

Dieser Artikel gehört zum Dossier:

Gewerkschaft und Hochschule

Zum Dossier

DGB-Region Köln-Bonn

Zuletzt besuchte Seiten