Deutscher Gewerkschaftsbund

04.11.2016
DGB Köln & Mieterverein Köln

Deutzer Hafen - Mehr als ein städtebauliches Projekt

Bezahlbaren Wohnraum in den Mittelpunkt rücken

Die Umgestaltung des Deutzer Hafens wird das ‚Gesicht‘ von Köln maß­ge­b­lich ver­ändern. Rat und Verwaltung erhoffen sich eine städtebauliche Auf­­wertung, mit der Wohnraum für 4.500 Menschen und dienstleistungs­nahe Gewerbefläche mit 5.000 Arbeitsplätzen ge­schaf­fen werden soll. Das Ziel: Der Deutzer Hafen als neuer urbaner Stadtteil, der Wohnen und Ar­­beiten ver­bindet.

Rat und Verwaltung wollen über das sogenannte Baulandmodell sicherstellen, dass 30 Pro­zent der Woh­nungen im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus er­richtet werden. Dies ist ein Schritt in die richtige Rich­tung. Er reicht aber noch nicht aus.

Der Wohnraum in Köln ist knapp. Bezahlbarer Wohnraum ist noch knapper:

  • Insgesamt 62.000 Bedarfsgemeinschaften leben von HARTZ IV;
  • Rund 111.000 Menschen werden von der Agentur für Arbeit Köln als geringfügig entlohne Be­schäf­tig­te geführt;
  • Über 100.000 Menschen arbeiten in Teilzeit;
  • 62.000 arbeiten in Helfer-Tätigkeiten;
  • Über 100.000 Studierende, meist mit wenig Geld, studieren in Köln und sind auf bezahlbaren Wohn­raum angewiesen. Sie stehen in Konkurrenz mit Aus­zu­bildenden, die vom vielfältigen Aus­bildungs­an­ge­bot in Köln angezogen werden;
  • Über 46 Prozent der Kölnerinnen und Kölner haben Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein;
  • Über 40 Prozent des verfügbaren Einkommens müssen Menschen in unteren Einkommensgruppen für ihre Wohnung aufbringen;
  • Der Anteil öffentlich geförderter Mietwohnungen liegt bei knapp 7 Prozent (Stand Dezember 2015).

Vor diesem Hintergrund bietet die Umgestaltung des Deutzer Hafens die Chance für eine neue – primär sozial ausgerichtete - städtebauliche Ent­wicklung.

Voraussetzung ist, dass die Fläche mehrheitlich nicht zu Höchstpreisen an private In­vestoren veräußert wird, deren Geschäftsmodell auf eine möglichst hohe Rendite zielt.

Rat und Verwaltung sollten viel­mehr alle Anstrengungen daran setzen, dass neben den ge­planten 30 Prozent Sozial­wohnungen weitere 40 Prozent des Wohnraums in öf­fent­lich-rechtlicher Trägerschaft - z.B. durch die städtische Tochter GAG oder das Stu­den­ten­werk - beziehungsweise in ge­nos­sen­schaftlicher Trägerschaft er­richtet werden. So kann sicher­gestellt werden, dass 70 Prozent des neuen Wohn­raums langfristig für die Bevölkerungs­grup­pen zur Verfügung stehen, die besonders auf bezahlbare Mieten angewiesen sind.

Die derzeitige Niedrig­zinsphase bietet den öffentlich-rechtlichen Trägern bzw. Ge­nos­­sen­schaften die Mög­lichkeit, die notwendige Bautätigkeit zu finanzieren. Die un­ge­brochen hohe Nachfrage an bezahlbarem Wohnraum sichert lang­fristig die not­wen­di­gen Ein­nahmen, damit sich die Investitionen amortisieren.

Von dieser sozial ausgerichteten städtebaulichen Entwicklung wird die Stadt mittel- und lang­fristig profitieren, da sich eine deutliche Ausweitung des so­zia­len - und be­zahl­baren - Wohnungsmarktes mäßigend auf das Mietniveau in Köln auswirkt. Dies wird sich auch positiv auf die öffentlichen Ausgaben für Wohn­geld auswirken.

Gerade in Zeiten einer zunehmenden gesellschaftlichen Polarisierung und so­zia­len Spal­­tung ist es wichtig, dass Rat und Verwaltung durch wegweisende Be­schlüs­se do­ku­men­tieren, dass sie ALLE Möglichkeiten ausschöpfen, die drängen­den Probleme der Stadt zu lösen. Die Wohnraumfrage gehört zu diesen Proble­men.

Eine primär soziale städte­bau­liche Entwicklung des Deutzer Hafens wäre - mit Blick auf die zentrale und exponierte Lage - ein bundesweites Signal: Sozialer Woh­nungs­bau und bezahlbare Wohnungen gehören nicht nur in Stadtrand­lagen, sondern in das Herz der Stadt.

Köln, den 04.11.2016

Andreas Kossiski                    Franz-Xaver Corneth
DGB Stadtverband Köln                Mieterverein Köln

Kontakt:
DGB Stadtverband Köln, Hans-Böckler-Platz 1, 50672 Köln, Koeln@DGB.de
Mieterverein Köln, Mühlenbach 49, 50676 Köln, email@mieterverein-koeln.de


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