Deutscher Gewerkschaftsbund

Fakten statt Zerrbilder

17.03.2017

Steigende Beschäftigung Älterer durch demografische Entwicklung

Die uneingeschränkt positive Einschätzung der Arbeitsmarktsituation Älterer durch die BDA spiegelt die Realität nur in Ausschnitten wider.

Zwar ist es zutreffend, dass sich die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer/innen in den letzten Jahren deutlich erhöht hat. Die von der BDA hervorgehobene Verdreifachung der Zahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter 60- bis 64-Jähriger geht jedoch teilweise auf rein demografische Ursachen zurück. So erhöhte sich die Zahl der 55- bis 64-Jährigen in Deutschland allein zwischen 2008 und 2015 um 1,4 Mio. auf 11,1 Mio. Wenig überraschend, dass sich damit auch der Anteil Älterer an den Beschäftigten erhöht. Außerdem sind ältere Menschen heute deutlich besser qualifiziert als vor 15 Jahren. Da besser qualifizierte Beschäftigte ein deutlich niedrigeres Risiko von Arbeitsunfähigkeit infolge schwerer körperlicher Arbeit haben, trägt dies zur Erhöhung der Erwerbsquote bei.

Völlig ausgeblendet wird in dem BDA-Papier die Situation älterer Arbeitsloser. Diese hat sich in den letzten Jahren trotz zunehmender Beschäftigungsquote verschlechtert. Die Behauptung der BDA, die Zunahme der Arbeitslosigkeit unter Älteren würde ausschließlich auf einer Statistikänderung beruhen, geht an der Realität vorbei. Statistikänderungen hat es gegeben – und zwar gleich mehrere. So liefen Ende 2007 Sondervorschriften aus, die es Arbeitnehmer/innen ab 58 Jahren ermöglichten, unter erleichterten Bedingungen ALG I und II zu beziehen, ohne in der Statistik erwähnt zu werden. Auch im Jahr 2015 wurden aufgrund einer neuen Sonderregelung im Schnitt 165.000 ältere Arbeitslose, denen seit einem Jahr keine sozialversicherungspflichtige Arbeit angeboten wurde, aus der Statistik gestrichen. (Bundesagentur für Arbeit 2016d).

Ein Blick in Statistiken der Bundesagentur für Arbeit und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) verdeutlicht die schlechte Arbeitsmarktsituation Älterer: So hat sich die Übergangsrate von ALG I zu ALG II in der Gruppe der 58- bis 62-Jährigen zwischen 2005 und 2013 nahezu verdreifacht (IAB 2016a). Die Chance älterer Arbeitsloser (ab 55), eine Beschäftigung aufzunehmen, ist nach wie vor nur halb so hoch wie im Durchschnitt aller Altersgruppen (Bundesagentur für Arbeit 2016d). Zudem sind Ältere deutlich länger arbeitslos. 2015 waren 37 Prozent der Arbeitslosen langzeitarbeitslos, während es in der Gruppe der Älteren fast jeder zweite war (ebd.). Die Angst älterer Menschen, am Ende ihres Berufslebens in Hartz IV zur rutschen, ist also keinesfalls unbegründet.

Unseriös ist die Behauptung der BDA, die Rente mit 63 habe einen »Beschäftigungseinbruch« verursacht. Wie die Bundesagentur für Arbeit (2016d) feststellt, können die Effekte der »Rente mit 63« auf die Beschäftigung nicht genau quantifiziert werden, da nicht bekannt ist, wie viele Arbeitnehmer/innen auch ohne die Neuregelung mit Abschlägen in Rente gegangen wären. Zudem setzt die »Rente mit 63« 45 Beitragsjahre voraus, sodass nur ein beschränkter Personenkreis Zugang hat.


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