Deutscher Gewerkschaftsbund

Fakten statt Zerrbilder

17.03.2017

Blinder Fleck: Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Menschen

Schwerbehinderte Menschen werden am Arbeitsmarkt benachteiligt. Darüber verliert die BDA kein Wort. Wer sich ein realistisches Bild vom Arbeitsmarkt machen will, muss aber auch die Situation schwerbehinderter Menschen berücksichtigen.
 
Am 13. Dezember 2006 haben die Vereinten Nationen die Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) verabschiedet. Artikel 27 der UN-Behindertenrechtskonvention sieht ein gleiches Recht auf Arbeit für Menschen mit Behinderung vor. Deutschland hat die UN-BRK 2009 unterzeichnet und sich damit zur schrittweisen Umsetzung der Forderungen verpflichtet. Allerdings ist die Situation von Menschen mit Behinderung am deutschen Arbeitsmarkt zehn Jahre danach immer noch durch starke Benachteiligung geprägt. Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit (2015) erfasst die Arbeitslosenquote schwerbehinderter Menschen. Sie lag 2015 bei 13,4 Prozent, die vergleichbare allgemeine Arbeitslosenquote betrug 8,2 Prozent. Abweichend von den bekannten Veröffentlichungen wird die Arbeitslosenquote schwerbehinderter Menschen nur auf der Basis der abhängigen zivilen Erwerbspersonen erfasst.

Fakten statt Zerrbilder

Fakten statt Zerrbilder

Seit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention durch die Bundesregierung 2009 erfolgten überwiegend bewusstseinsbildende Maßnahmen zur besseren Integration von Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt. Sie haben jedoch hinsichtlich des Abbaus der Arbeitslosigkeit keine nennenswerten Erfolge gebracht. Im Gegenteil, die Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Menschen ist langsamer gesunken als die allgemeine Arbeitslosigkeit. Der Abstand zwischen beiden Gruppen hat sich seit 2009 sogar deutlich vergrößert.

Die Unternehmen haben eigentlich die gesetzliche Pflicht, fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Beschäftigten zu besetzten. Allerdings wird diese Quote seit Jahren nicht erfüllt. In 2014 betrug sie 4,7 Prozent (DGB 2016a).

Wobei die Quote vom öffentlichen Dienst mit 6,6 Prozent übererfüllt wurde und in der privaten Wirtschaft nur 4,1 Prozent betrug. 26 Prozent der beschäftigungspflichtigen Unternehmen haben keinen einzigen schwerbehinderten Beschäftigten. Dieser Anteil ist seit Jahren gleich hoch (ebd.).


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