Deutscher Gewerkschaftsbund

17.11.2010
Gewerkschaften haben viele Gesichter

Karl-Heinz Breuer

Karl-Heinz Breuer

Warum sind Gewerkschaften aus deiner Sicht wichtig?
Nur mit einer starken Organisation kann man etwas bewirken, können Dinge bewegt werden, können mangelhafte Zustände geändert werden.

Warum engagierst du dich im Betriebsrat?
Einst aus der Not geboren (Zerschlagung des Hoechst Konzerns), jetzt mit  voller Sicht der Notwendigkeit. Heute denke ich: „Schade, dass sich nicht mehr Kolleginnen und Kollegen darum bemühen, aktiv als Arbeitnehmer mitzumachen“.

Kannst du aus deiner Praxis Beispiele nennen, die den Sinn von betrieblicher Mitbestimmung verdeutlichen?
Wenn Probleme da sind, werden Sie angepackt. Wenn man mit den Arbeitnehmervertretern offen umgeht, werden, gerade durch die deutsche Mitbestimmung, pragmatische Lösungen gesucht und gefunden. Zeitlich begrenzter Lohnverzicht, Arbeitszeitverlängerungen, Arbeitszeitverkürzungen, also flexible Arbeitszeiten, sind Maßnahmen der Standortsicherung, die Beschäftigung sichern und Betriebe nach vorne bringen.  Nicht immer ist es einfach! Hin und wieder sind Verhandlungen schwierig. Aber wenn eine win-win-Situation geschaffen wird, dann gibt es auch keine Diskussionen über die „Kröten“, die dabei zu schlucken sind. 

Wie ist das Verhältnis zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber? Konfrontation oder Kooperation?
In verschiedenen Belangen lagen die Ansichten so weit auseinander, dass eine Einigung nicht möglich war. In den meisten Fällen ist aber eine Einigung gelungen.

Es gibt das Vorurteil von Arbeitgebern, dass Betriebsräte nur Geld kosten und nichts bringen. Stimmt das?
Nein, das stimmt definitiv nicht! Erstens haben wir als Betriebsräte meist einen besseren, unmittelbaren Draht zu den Belegschaften. Wir können verschiedene Probleme erkennen, bevor sie von Unternehmensseite wahrgenommen werden und dann „richtig Geld“ kosten. Zweitens gibt betriebliche Mitbestimmung allen Seiten mehr Sicherheit – auch den Arbeitgebern. Ich arbeite in einem weltweit agierenden Unternehmen, das Standorte in Ländern mit anderen Arbeitnehmerrechten hat. In einigen dieser Länder wird bei jeder Krise der offene Konflikt ausgetragen, z.B. durch Streik, was einen aber nicht unbedingt weiterbringt, da man nicht mehr über das eigentliche Thema spricht. Hier in Deutschland gilt hingegen, dass Themen, die mit den Betriebsräten vereinbart wurden, vom Tisch sind.

Warum engagierst du dich als ehrenamtlicher Richter?
Ich wollte nach meinen Erfahrungen als Betriebsrat mehr Demokratie leben.  Demokratie heißt: mitmachen, Dinge anpacken, Dinge, die einen stören,  positiv zu verändern. Wer nur meckert, verändert gar nichts.


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