Deutscher Gewerkschaftsbund

20.03.2012
Nachgefragt

Fred Balsam: Der Wettbewerbung um junge Menschen hat im Handwerk begonnen

"Der Wettbewerb um junge Menschen hat begonnen!" meint der Vizepräsident der Handwerkskammer zu Köln, Fred Balsam. Der gelernte Kfz-Elektriker und langjährige Betriebsratsvorsitzende eines Kölner Kfz-Betriebs engagiert sich seit Jahren für eine gute Ausbildung im Handwerk.

Frage: Wie war die wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2011 für das Handwerk im Kammerbezirk Köln?

Fred Balsam: Eine aktuelle Befragung der Betriebe im Kammerbezirk Köln bestätigt: die rund 33.000 Betriebe mit 220.000 Beschäftigten sind krisenfest aufgestellt. Die Betriebe haben während der Krise von den Konjunkturpaketen der Bundesregierung profitiert. Die meisten Betriebe haben sich nach der Wirtschafts- und Finanzkrise sehr gut erholt. Die Auftragslage ist gut.

HWK Köln / Fred Balsam

HWK Köln / Fred Balsam

Frage: Welche Zukunftsaufgaben hat das Handwerk zu bewältigen?

Fred Balsam: Der wirtschaftliche Stellenwert des Handwerkes in der deutschen Wirtschaft ist äußerst gut. Jedoch muss dringend das Image des Handwerks in der Gesellschaft verbessert werden. „Pfusch am Bau“ und andere Negativbeispiele sorgen dafür, dass Kunden wenig Vertrauen in Handwerker haben. Deshalb werden 50 Mio. € in den nächsten 5 Jahren in eine Imagekampagne finanziert. Für das Handwerk sind ausgehandelte Tarifverträge zwischen den Sozialpartnern bedeutend. Leider sind in den vergangenen 5-6 Jahren seitens der Arbeitgeber keine Tarifverträge in den Handwerksberufen des Metall- und Elektrohandwerks zu Stande gekommen. Dort wo Tarifverträge fehlen, müssen Mindestlöhne von mindestens 8,50 € Standard sein. Für das Handwerk ist auch die Tariftreue bei Vergabe öffentlicher Aufträge wichtig. Seitens der Arbeitnehmervertretung wünschen wir uns eine paritätische Selbstverwaltung. Die große Bedeutung der ehrenamtlichen Tätigkeit in den Prüfungsausschüssen muss mehr hervorgehoben werden.

Frage: Welche Bedeutung hat Aus- und Weiterbildung für das Handwerk?

Fred Balsam: Die Anforderungen haben sich verändert. Betriebswirtschaftliches Wissen und der Umgang mit neuen Techniken haben an Bedeutung gewonnen. Den demografischen Wandel müssen wir begleiten und verstärkt Schulabgängerrinnen und -abgänger von Realschulen und Gymnasien ansprechen. Der Wettbewerb um junge Menschen hat begonnen. Handwerksberufe müssen attraktiver für junge Menschen ausgestaltet werden. Das umfasst nicht nur gute Löhne. Junge Menschen brauchen Perspektiven. Dazu gehören Karrieremöglichkeiten, Sonderzahlungen, Urlaubsregelungen und Angebote der Fort- und Weiterqualifizierung. Zukunftsaufgabe bei der Förderung von Nachwuchs ist auch die Erhöhung des Frauenanteils und junger Menschen mit einem Zuwanderungshintergrund. Nur über gute Arbeitsbedingungen und Perspektiven können wir junge Menschen binden.


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