Deutscher Gewerkschaftsbund

10.07.2018

Nachgefragt mit Nicole Ilbertz

Nicole Ilbertz ist Betriebsrätin bei Federal-Mogul Burscheid GmbH und seit dem 21. Juni 2018 stellvertretende Vorsitzende des DGB Stadtverband Leverkusen. Sie ist Mitglied der IG Metall und dort auch Mitglied im Vorstand der Geschäftsstelle IGM Köln-Leverkusen. Wir haben mit Nicole Ilbertz über ihr ehrenamtliches Engagement in der Gewerkschaft sowie über die Pläne und Aufgaben für die Zukunft gesprochen.


Frage: Nicole, was geschah in Deinem Leben, Dass Du den Weg zur Gewerkschaft gefunden hast?

Nicole Ilbertz: Ich hatte nie Bezug zu Gewerkschaften gehabt, bis ich bei Federal-Mogul (unter AE GOETZE seinerzeit) anfing. Als die Vertrauensleutewahlen anstanden, bin ich gefragt worden, ob ich mitmachen möchte? Und ich habe „ja“ gesagt, ohne eigentlich zu wissen, was man da machen muss. Ab da war ich „angefixt“. Ich habe begonnen, mich mit Gewerkschaften und deren Aufgaben intensiv zu beschäftigen. Ich bin dann den üblichen „Gewerkschaftsweg“ gegangen. Erst bin ich zur Vertrauensfrau gewählt worden, dann in die Vertrauenskörperleitung und zum Schluss zur Betriebsrätin. Ich war auch Mitglied im Ortsvorstand der IGM Geschäftsstelle Köln-Leverkusen, Mitglied in der Tarifkommission NRW und u. a. auch Revisorin der IGM Geschäftsstelle. Parallel war ich beim DGB Köln-Bonn sehr aktiv, allerdings zuerst im DGB Netzwerk Leverkusen, weil es leider lange Zeit keinen DGB Stadtverband in Leverkusen gegeben hat. Umso mehr freue ich mich jetzt, dass einer gegründet worden ist und ich mit einem tollen Team, in meiner Stadt arbeiten kann, wo ich stellvertretende Vorsitzende sein darf. 
 
Frage: Warum engagierst Du Dich gewerkschaftlich?

Nicole Ilbertz: Warum sollte ich nicht? Alleine kann man nicht wirklich was erreichen, wenn man Verbesserungen in der Arbeitswelt herbeiführen möchte. Abgesehen davon möchte ich mich nicht nur um mich kümmern, sondern eben auch um meine Kolleginnen und Kollegen. So abgedroschen der Spruch: „Nur Gemeinsam sind wir stark“ klingt, so wahr ist er nun mal auch.


„Ich werde mich besonders in die kommunalen Themen der Stadt Leverkusen einbringen! Da in meiner Stadt noch jede Menge zu tun ist.“

© Stephan Petrat

© Stephan Petrat


Frage: Welche betrieblichen Themen liegen Dir besonders am Herzen?

Nicole Ilbertz:
Priorität für mich ist den Erhalt und Schaffung von neuen Arbeitsplätzen. Es ist doch klar, dass die Arbeitswelt sich in den kommenden Jahrzehnten verändern wird. Digitalisierung sowie fortgeschrittene Automatisierung in der Automobilbranche werden eine Veränderung der Beschäftigungsstruktur verursachen. Wir werden diesen Fortschritt nicht aufhalten können. Die Aufgabe der Gewerkschaften ist jedoch, die Rahmenbedingungen für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mitzugestalten. Dafür zu sorgen, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer entsprechende Qualifikation erhalten sowie darauf zu achten, dass es nicht zu einer Arbeitsverdichtung kommt. Das wird eine große Herausforderung für Gewerkschaften und für Betriebsräte sein.Auch die Arbeitszeit ist ein wichtiges Thema für mich. Die jüngsten Tarifabschlüsse der IG Metall, der IG BCE oder der EVG sind wegweisend für eine moderne Arbeitszeitpolitik. Man forderte u. a. mehr Flexibilität im Sinne der Beschäftigten und eben nicht im Sinne der Unternehmen, sowie Arbeitszeiten, die zum alltäglichen Leben passen. Die kommenden Veränderungen in der Arbeitswelt dürfen nicht nur einseitig von Unternehmen und deren Verbänden vorgegeben werden, wir müssen immer dabei am Tisch sitzen und gemeinsam mitgestalten!

Frage: Was hast Du als erstes in Deinem neuen Amt als stellvertretende Vorsitzende des DGB Stadtverband Leverkusen vor?

Nicole Ilbertz:
Ein Arbeitsprogramm für uns zu erstellen, weil wir ja „Frischlinge“ in Leverkusen sind. Hier sind bereits viele Themen und Ideen vom Team auf den Tisch gekommen. Ich denke, gerade am Anfang wird es viel Arbeit werden, worauf ich mich aber freue.

Wir müssen die  gewerkschaftliche Präsenz in Leverkusen stärken sowie unsere Themen in die kommunale Politik einbringen. Hier nur mal ein Beispiel: Der Wohnungsmarktbericht 2017 der Stadt Leverkusen zeigt auf, dass sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt noch mal verschärft hat. Es ist immer schwieriger eine bezahlbare Wohnung zu finden. In dem Bericht selber wird von: „Angespannt bis sehr angespannt“ gesprochen. Und der Ausblick auf die nächsten Jahre sieht nicht besser aus. Nur wer genug Einkommen hat, wird sich eine Wohnung leisten und diese finden können. Preiswerte und öffentlich geförderte Wohnungen werden Mangelware. Die Bevölkerungszahl steigt, allerdings werden dafür zu wenig neue Wohnungen gebaut. Leverkusen gehört mittlerweile zu den vier teuersten Städten im Rheinland. Das kann und darf nicht so bleiben!


Wir danken Dir für das Gespräch und wünschen Dir viel Erfolg für Deine neue Aufgabe.


Hinweis: In der Reihe „Nachgefragt“ veröffentlichen wir in unregelmäßigen Abständen ausführliche Stellungnahmen und Positionen von gewerkschaftlichen Experten/innen aus der Region Köln-Bonn. „Nachgefragt“ bietet nicht nur ausführliche Hintergrundinformationen, sondern spiegelt immer auch die persönliche Sichtweise der jeweiligen Experten/innen wieder. Die Texte können für Medienberichterstattungen genutzt werden.

Weitere Veröffentlichungen aus der Reihe „Nachgefragt“ finden Sie auf unserer Internetseite www.koeln-bonn.dgb.de. Dort können Sie „Nachgefragt“ auch als RSS-Feed abonnieren.

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