Deutscher Gewerkschaftsbund

Fakten statt Zerrbilder

20.03.2017

Leiharbeit ist kein Sprungbrett in reguläre Beschäftigung

Im Dezember 2016 wurde erstmals die Zahl von 1 Mio. Leiharbeiter/innen überschritten. Leiharbeit ist seit den 80er Jahren deutlich gestiegen und hat einen Anteil von 2,8 Prozent an allen Erwerbstätigen. Der Trend, vormals »normale« Arbeitsplätze durch Leiharbeit zu ersetzen, hält weiter an. Zum Teil gründen die Unternehmen sogar eigene Leiharbeitsfirmen, um die Tarifverträge der jeweiligen Branche zu unterlaufen. In diese neu gegründeten Unternehmen werden Arbeitsplätze »transferiert«, die vormals im Stammbetrieb angesiedelt waren.

Leiharbeit ist vor allem unsicher. Mehr als die Hälfte der Leiharbeitsverhältnisse dauern weniger als drei Monate. Den 678.000 im ersten Halbjahr 2016 abgeschlossenen Leiharbeitsverhältnissen stehen 616.000 beendete Leiharbeitsverhältnisse gegenüber (vgl. BA 2017b). Auf jedes neue Leiharbeitsverhältnis kommt also ein beendetes Verhältnis. Leiharbeit ist folglich kein Jobmotor.

Das Risiko, aus der Leiharbeit heraus arbeitslos zu werden, war – im Zeitraum Dezember 2015 bis November 2016 – fünfmal höher als im Durchschnitt (BA 2017b). Das Versprechen, dass Leiharbeit ein Sprungbrett in reguläre Beschäftigung sei, erfüllt sich für die meisten Leiharbeiter/innen nicht. Studien zeigen, dass Leiharbeit höchstens ein schmaler Steg in Beschäftigung ist (IAB 2016b).

Beim Einsatz in den Betrieben werden Leiharbeitsbeschäftigte oft wie Beschäftigte zweiter Klasse behandelt. Für sie gelten schlechtere Bedingungen als für die Stammbelegschaften, beispielsweise bei Pausen und Urlaubsgewährung. Sie arbeiten häufiger unter schlechteren Bedingungen als regulär Beschäftigte, die letztlich die Gesundheit gefährden. Besonders dramatisch sind die Einkommensunterschiede zwischen Leiharbeiter/innen und Beschäftigten in Normalarbeitsverhältnissen. Auf allen Qualifikationsstufen zeigen sich erhebliche Nachteile. Hinzu kommt, dass Leiharbeitsbeschäftigte in der Regel zu niedrig eingruppiert werden und das Qualifikationsniveau oft unberücksichtigt bleibt (vgl. Absenger et al. 2016).

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