Deutscher Gewerkschaftsbund

Fakten statt Zerrbilder

20.03.2017

98 Prozent hätten lieber einen unbefristeten Vertrag

Es ist sehr fraglich – wie die BDA behauptet – ob befristete Beschäftigung für Berufsanfänger/innen oder Berufsrückkehrer/innen ein wichtiges und akzeptiertes Modell ist. Vielmehr ist es so, dass gerade diese Gruppen keine andere Wahl haben. Sie müssen befristete Beschäftigung akzeptieren. Die Zahl der befristeten Arbeitsverhältnisse hat sich seit 2001 um 1 Mio. erhöht auf jetzt 2,7 Mio. Davon sind fast 50 Prozent Befristungen, ohne dass es einen sachlichen Grund geben würde.

Die Nachteile befristeter Beschäftigung liegen klar auf der Hand und werden durch Studien gestützt: Geringere Löhne, schlechtere Arbeitsbedingungen, ein erhöhtes Risiko, arbeitslos zu werden sowie geringere Karriere- und Aufstiegschancen als unbefristet Beschäftigte führen dazu, dass 98 Prozent der befristet Beschäftigten in Deutschland einen unbefristeten Arbeitsvertrag bevorzugen würden (vgl. Stuth 2017).

Vor allem junge Beschäftigte sind besonders häufig von Befristungen betroffen. In der Altersgruppe der Beschäftigten unter 25 Jahren sind 29 Prozent befristet beschäftigt.

Auch die Dauer der Befristung zeigt, dass diese Beschäftigungsform für viele keinesfalls eine Übergangsphase ist, sondern zum Teil jahrelang ausgeübt wird. Mehr als 40 Prozent der Befristungen haben Laufzeiten von über einem Jahr, elf Prozent sind sogar für mehr als drei Jahre festgelegt. Im Vergleich zur Europäischen Union befindet sich Deutschland damit weit über dem Durchschnitt (Statistisches Bundesamt 2016b).

Auch das Risiko von Einkommensverlusten wächst mit einer befristeten Beschäftigung. Die Verdienststrukturerhebung des Statistischen Bundesamtes zeigt, dass 10,8 Prozent der Beschäftigten im Normalarbeitsverhältnis im Niedriglohnbereich arbeiten, befristet Beschäftigte dagegen einen Anteil von 33,5 Prozent im Niedriglohnbereich haben (Leiharbeitnehmer/innen 67,7 Prozent, geringfügig Beschäftigte und ausschließlich und im Nebenjob 84,3 Prozent) (BMAS 2013: 338).

Beschäftigte in befristeten Arbeitsverhältnissen haben ein hohes Risiko, arbeitslos zu werden. Sie müssen sich immer wieder bewerben, profitieren nicht von betrieblichen Aufstiegsmöglichkeiten und bleiben oft im Niedriglohnsektor hängen.

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