Deutscher Gewerkschaftsbund

24.11.2016

Tarifverhandlungen in der Leiharbeitsbranche

20.000 Menschen alleine in Köln betroffen

Seit Oktober finden die Tarifverhandlungen für die Leiharbeitsbranche statt. Die letzte Verhandlungsrunde (11.11.2016) brachte noch kein Ergebnis. Die Forderungen der Gewerkschaften und das Angebot der Arbeitgeber lagen zu weit auseinander. Ende November wird weiter verhandelt. Hierzu einige Fragen an den Kölner DGB-Vorsitzenden Andreas Kossiski.

Frage: Leiharbeit hat einen schlechten Ruf ...

Andreas Kossiski: ... den einige schwarze Schafe der Branche über Jahre aufgebaut haben. Natürlich hat es Auswirkungen auf den Ruf einer Branche, wenn Arbeitsverträge zu Lasten von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gestaltet und das unternehmerische Risiko auf die Beschäftigten abgewälzt werden. Befristungen und vertraglich vereinbarte Teilzeit in der entleihfreien Zeit sind Beispiele hierfür. Mich wundert es deswegen nicht, dass sich viele Menschen besseres vorstellen können, als in dieser Branche zu arbeiten.

Frage: Trotzdem arbeiten in Deutschland ca. 1,2 Mio. - in Köln rund 20.000 - Menschen in dieser Branche.

Andreas Kossiski: Richtig! Allerdings nicht immer freiwillig! Durch die sogenannten Hartz-Reformen wurden die Grenzen der Zumutbarkeit für arbeitslose Menschen gesenkt. Im Prinzip gilt: Je länger arbeitslos, desto eher ist Arbeit mit schlechten Arbeitsbedingungen - auch unterhalb der eigenen Qualifikation - zumutbar. Wenn arbeitslose Menschen Arbeitsangebote des Jobcenters nicht annehmen, drohen Sperrzeiten. Das bietet gerade den schwarzen Schafen unter den Arbeitgebern die Chance, ihren Personalbedarf zu decken.

Andreas Kossiski

Andreas Kossiski

Frage: Was wollen die Gewerkschaften?

Andreas Kossiski: Unsere Forderung nach Guter Arbeit gilt natürlich auch für die Leiharbeit. Menschen in Leiharbeit fühlen sich häufig als Beschäftigte zweiter Klasse, weil sie in der Regel nicht die gleichen Arbeitsbedingungen haben - vom Gehalt, über Arbeitszeiten und Urlaubsanspruch, bis hin zur Fortbildungen. Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer verdienen in etwa ein Drittel weniger als die Stammbelegschaft. Das muss sich ändern!

Frage: Wie kann sich das ändern?

Andreas Kossiski: Durch eine bessere gesetzliche Regulierung der Leiharbeit und durch gute Tarifverträge. Im Oktober hat der Bundestag im Bereich der Leiharbeit Verbesserungen auf den Weg gebracht und beispielsweise die Entleihdauer begrenzt, um einer Umwandlung von regulärer Beschäftigung in Leiharbeit zu begegnen. Allerdings kann diese Begrenzung durch Arbeitgeber leicht unterlaufen werden. Hier muss der Bundestag unbedingt nachbessern. Ich gehe aber nicht davon aus, dass sich bis zur Bundestagswahl im Herbst 2017 noch etwas verändern wird.

Frage: Und bei den Tarifverträgen?

Andreas Kossiski:  Bei den derzeitigen Tarifverhandlungen muss sich noch zeigen, was wir erreichen können. Die Vorstellungen von Arbeitgebern und Gewerkschaften liegen zurzeit weit voneinander entfernt. Wir fordern eine Entgelterhöhung um 6 Prozent, mindestens aber 70 Cent pro Stunde. Diese Forderung soll vor allem die unteren Entgeltgruppen unterstützen. Das alleine reicht nicht. Deswegen hat beispielsweise die IG Metall schon vor einiger Zeit mit den Zeitarbeitsverbänden Tarifverträge zu Branchenzuschlägen vereinbart. Danach erhalten Leihbeschäftigte, die in der Metall- und Elektroindustrie, Holz- und Kunststoffbranche sowie in der Textil- und Bekleidungsindustrie eingesetzt sind, Branchenzuschläge, die stufenweise in Richtung Equal Pay führen. Mit anderen Worten: Wir kümmern uns um die Kolleginnen und Kollegen in der Leiharbeit und lassen sie nicht im Regen stehen. Allerdings wäre es eine gute Unterstützung, wenn mehr Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer in eine DGB-Gewerkschaft eintreten. Nur so können wir den Druck auf die Arbeitgeber insgesamt erhöhen.


Informationen zur aktuellen Tarifrunde Leiharbeit unter: http://www.dgb.de/tarifrunde-leiharbeit


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