Deutscher Gewerkschaftsbund

16.12.2017

Nach acht Jahren beendet Andreas Kossiski seine Arbeit beim DGB Köln-Bonn

Schwerpunkte 2009 bis 2017

Andreas Kossiski

Andreas Kossiski

Im März 2009 übernahm Andreas Kossiski (seit 1974 Mitglied der GdP) die Funktion des Ge­schäfts­führers der DGB-Region Köln-Bonn. Außer­dem wurde er zum Vor­sitzenden des DGB-Stadtverbandes Köln gewählt.

Parallel zur Übernahme beider Funktionen erfolgte eine Fusion der ehemals eigenständigen DGB-Regionen Köln-Leverkusen-Erft-Berg und Bonn/Rhein-Sieg/Oberberg zur gemeinsamen Region Köln-Bonn. Die Zusammenlegung war Bestandteil einer bundesweiten Strukturreform, die darauf abzielte, ehren­amt­liche Arbeit in den Landkreisen und kreisfreien Städten zu stärken.

Eine zentrale Aufgabe von Andreas Kossiski war es, das Zusammenwachsen der beiden ehemals eigenständigen Regionen zu gestalten, die unter­schied­lichen Arbeitsweisen zusammenführen und gemeinsame Arbeitsstrukturen auf­zubauen. Ein wichtiger Schritt hierzu war die Vereinbarung, die Geschäfts­stellenleitung des Bonner Büros an den ehemaligen Regionsvorsitzender aus Bonn/Rhein-Sieg/Oberberg, Ingo Degenhardt, zu übertragen und ihm die Mög­lichkeit zu geben, weiterhin „das Gesicht des DGB“ im Bereich Bonn/Rhein-Sieg zu sein.

Eine zweite Entscheidung prägte ebenfalls seine „Amtszeit“: Nach dem Motto „Frauen und Jugend sind die Zukunft“ stattete er den Frauenausschuss und den Jugendausschuss jeweils mit einem eigenen Budget aus, damit beide Aus­schüsse eigenständig arbeiten konnten. Ehrenamtliches Engagement braucht Anerkennung und verlässliche Rahmenbedingungen.

An dieser Stelle können nicht alle Initiativen oder Themen angesprochen werden, zu denen sich Andreas Kossiski in den acht Jahren engagiert hat. Hier lohnt ein Blick in die Geschäftsberichte, auf die Homepage der DGB-Region (www.Koeln-Bonn.DGB.de) oder auf die Facebook-Seite der Region (www.facebook.com/DGBKoelnBonn), da dort die Arbeit der vergangenen Jahre ausführlich dokumentiert ist.

An dieser Stelle sollen daher nur einige besondere Schwerpunkte skizziert werden:

Schwerpunkt „Europa“ und Städtepartnerschaften

Vor dem Hintergrund der Euro-Krise initiierte Andreas Kossiski mehrfach im Rahmen der traditionellen Maiveranstaltungen einen Austausch zwischen den Kölner Gewerkschaften und europäischen Gewerkschaftsvertreter/innen:

2013: Ramon Gorriz, CCOO, und Reiner Hoffmann, EGB
2014: Gewerkschaftsdelegationen aus europäischen Partnerstädten
2015: Bernadette Segol, EGB
2016: Peter Scherrer, EGB

Ein weiteres Anliegen war die Wiederbelebung gewerkschaftlicher Aktivitäten im Rahmen der Kölner Städtepartnerschaften. Hier machte er deutlich, dass ein Teil der Städtepartnerschaften auch auf gewerkschaftliche Initiative entstanden sind. Ein Schwerpunkt: Die Städtepartnerschaft mit Rio. Nach mehreren Vorbereitungsworkshops trat eine sehr heterogene Gruppe junger Menschen die Reise an. Das Projekt „Unidos contra o Racismo e a Desigualdade – Gemeinsam gegen Rassismus und Ungleichheit“ verfolgte das Ziel, durch interkulturellen Austausch und das Kennenlernen von Präventionsstrategien die Antirassismusarbeit, das Demokratieverständnis und die Integrations- und Inklusionsarbeit in den Betrieben zu stärken

Schwerpunkt Mobilität & Infrastruktur

Andreas Kossiski hat immer die Bedeutung der Industrie für die wirtschaftliche Entwicklung der Region betont und deutlich gemacht, dass Mobilität und Verkehrsinfrastruktur zentrale Standortfaktoren sind. Besonders zu erwähnen sind:

2010: Veranstaltung der Kölner Gewerkschaften zur Zukunft der Automotive-Region.
2011: Veranstaltung zur Zukunft der Automotive-Region zusammen mit Kammern und Wirtschaftsförderung.
2011: Kampagne zum Ausbau des Godorfer Hafens zusammen mit Kammern und Betrieben (Standortsicherung für die Industrie im Kölner Süden sowie Vermeidung von LKW-Verkehr aus dem Kölner Norden).
2015: Veranstaltung zur Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur mit dem NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans.
2015: Positionspapier der Kölner Gewerkschaften zur Zukunft der Mobilität aus Sicht von Arbeitnehmer/innen.
2017: Delegiertenkonferenz in Köln mit dem Schwerpunktthema Mobilität.

Schwerpunkt Kommunalpolitik

Natürlich haben kommunalpolitische Themen einen besonderen Schwerpunkt eingenommen. Andreas Kossiski hat hierzu die „Kommunalpolitischen Kon­fe­ren­zen“ weitergeführt und dabei immer auf die soziale Funktion der Angebote der Daseinsvorsorge hingewiesen. Gleiches gilt für die Entwicklung von „Kom­mu­nalpolitischen Forderungen“ im Vorfeld der Kommunalwahlen. Das letzte Forderungspapier hatte mit 46 Seiten einen größeren Umfang als manches Wahlprogramm von Parteien und dokumentiert den Gestaltungsanspruch der Kölner Gewerkschaften.

Auf der Basis der „Kommunalpolitischen Forderungen“ hat sich Andreas Kossiski immer zu aktuellen Themen – z.B. der Struktur der Wirt­schafts­förderung, U-Bahn-Bau, Fragen der Stadtentwicklung usw. – geäußert. Die „Kommunalpolitischen Forderungen“ waren auch Basis für die regelmäßigen Stellungnahmen zu den Kommunalhaushalten, für Positionspapiere, Wahl­auf­rufe und Diskussionsveranstaltungen.

Besonders zu erwähnen ist auch die Kooperation mit dem Mieterverein zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum bei der Umgestaltung des Deutzer Hafens Anfang 2017. Das Ziel: Sozialer und bezahlbarer Wohnungsbau gehört in das Herz der Stadt. Deswegen forderten Mieterverein und DGB gemeinsam von der Stadt Köln, neben den geplanten 30% für den sozialen Wohnungsbau weitere 40% für bezahlbare Wohnungen in öffentlich-rechtlicher oder genossenschaftlicher Trägerschaft, beispielsweise durch die GAG oder das Studentenwerk, zu reservieren.

Schwerpunkt Bündnisarbeit

DGB und Gewerkschaften haben einen gesellschaftlichen Gestaltungs­anspruch, der über eine reine Interessenvertretung von Gewerkschafts­mitglieder hinaus geht. Um diesen Anspruch einzulösen, sind gesellschaftliche Mehr­heiten notwendig. Hierfür müssen Dialog- und Abstimmungsprozesse zwischen unterschiedlichen Interessengruppen organisiert und öffentlich­keitswirksam transportiert werden. Aus diesem Grund nimmt die Bündnis- und Netzwerkarbeit beim DGB einen wichtigen Stellenwert ein.

Zu nennen sind hier vor allem das Bündnis „Köln stellt sich quer“ gegen Natio­nalismus, Rechtsextremismus und Rassismus, die „Kölner Allianz für den freien Sonntag“ gegen eine Ausuferung der Sonntagsarbeit, der Zusammen­schluss „Suchet der Stadt Bestes“ oder der „Runde Tisch für Integration“.
Daneben gab es verschiedene thematische Kooperationen, z.B. bei einer Kampagne zum Ausbau des Godorfer Hafens (mit Kammern, Arbeit­geber­verband Köln sowie Industriebetrieben) oder bei einer Kampagne zur Reform der Kommunalfinanzen zusammen mit Wohlfahrts- und Sozialverbänden.

Schwerpunkt Geschichte / Tradition

Geschichte und Tradition sind wichtige Bestandteile des gewerk­schaftlichen Selbstverständnisses. Andreas Kossiski hat dieses Selbstverständnis gepflegt. Besonders zu nennen sind:

2009: Matinee „60 Jahre DGB in Köln“.
2012: Feierstunde 60 Jahre Betriebsverfassungsgesetz.
2015: Gedenkveranstaltung zum 200. Todestag von Andreas Gottschalk zu­sam­men mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Sowie jährliche Unterstützung Auschwitz-Gedenktag 27.01.
Aufbau eines digitalen Archives zur Dokumentation der Kölner Maiveran­stal­tungen.

Neues ausprobieren: Kölner Festival des politischen Kabaretts

Im Mai 2017 fand das mittlerweile „7. Kölner Festival des politischen Ka­ba­retts“ statt. Gegründet von DGB, VHS Köln und Robert Griess, hat es sich über die Jahre einen Namen in der Kölner Kulturszene erarbeitet und zeigt, dass politische Inhalte auch unterhaltsam und kurzweilig transportiert werden können. Mit der Volksbühne Köln hat das Festival, das mittlerweile nur noch vom DGB veranstaltet wird, eine feste Spielstätte gewonnen. Über diese Ko­operation konnte zudem die Beziehung zwischen Gewerkschaften und Volks­bühne neu gefestigt werden.

Klare Kante

Andreas Kossiski stand (und steht) für klare Worte und klare Positionen. Dies war auch vor allem in 2016 vor dem Hintergrund einer zunehmenden gesellschaftlichen Polarisierung dringend notwendig. Hier einige Beispiele:

Positionspapier „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ (2016).
Positionspapier zur Lage in der Türkei nach dem Putschversuch (2016).
Klare Worte gegen die starke Polarisierung und Empörungsspirale im Umfeld von BIRLIKTE (2016).
Antikriegstag 2016: Fluchtursachen liegen auch bei uns!
Klare Worte gegen die Bedrohung von Maritim-Beschäftigten im Vorfeld des AfD-Parteitags in Köln (2017).

Schwerpunkt Öffentlichkeitsarbeit

Aktivitäten und Veranstaltungen sind nur wirksam, wenn sie von Ge­werk­schafts­mitgliedern und Öffentlichkeit wahrgenommen und diskutiert werden. Aus diesem Grund spielte die Presse- und Öffent­lichkeitsarbeit sowie die Nut­zung von Internet und sozialen Medien eine zentrale Rolle.

Mit jährlich 60 bis 90 Pressemitteilungen, monatlich durch­schnitt­lich 20 neuen Beiträgen auf der Homepage www.koeln-bonn.dgb.de und fast täglichen Facebook-Posts (www.facebook.com/DGBKoelnBonn/) wurde das Infor­ma­tions­angebot kontinuierlich ausgebaut, um die Vielfalt gewerkschaftlicher Arbeit transparent und nachvollziehbar zu do­ku­men­tieren.

Seit 2012 MdL

Neben dem Vorsitz des DGB-Stadtverbandes Köln und dem Amt als DGB-Regionsgeschäftsführer hat Andreas Kossiski in 2012 eine weitere Funktion über­nommen: Als Abgeordneter der SPD vertritt er den Kölner Norden im NRW-Landtag. Mit der Annahme des Landtagsmandates hat er seine Stunden­zahl beim DGB deutlich reduziert.

Nach der Landtagswahl im Mai 2017 hat er mit Blick auf die dreifache Belastung und zusätzliche Aufgaben in der verkleinerten SPD-Land­tagsfraktion entschieden, nicht erneut als Kölner DGB-Vorsitzender und Regions­ge­schäfts­führer zu kandidieren.

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