Deutscher Gewerkschaftsbund

09.01.2018

Gedenkstunde für Opfer des Nationalsozialismus

Das Gedenken an die Opfer der NS-Diktatur ist ein wichtiger Bestandteil unserer Demokratie.

Aber das Erinnern wird sich verändern, weil nur noch wenige Überlebende authentisch berichten können. Die Erinnerung an NS-Verbrechen und ihre Opfer wird aber auch durch rechtsextreme und rechtspopulistische Akteure massiv in Frage gestellt. Es wird eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ gefordert. Wir wollen uns deshalb am 28.1.2018 mit der Geschichte und der Bedeutung unserer Erinnerungskultur befassen.

Wie fing es an mit dem Gedenken in Köln nach 1945? Wenige Tage nach Kriegsende wurde am 3. Juni 1945 am Hansaplatz die erste Stätte des Erinnerns eingeweiht, nachdem auf dem Gelände des Gefängnisses Klingelpütz sieben Leichen gefunden worden waren. Auf der bald platzierten Grabplatte heißt es: „Hier ruhen sieben Opfer der Gestapo. Dieses Mal erinnere an Deutschlands schandvollste Zeit 1933 – 1945“. Im gleichen Jahr entstanden auf Initiative von ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern Ehrenmale zur Erinnerung an polnische und sowjetische NS-Opfer auf Kölner Friedhöfen. 1948 erinnerte die Kölner Synagogengemeinde auf dem Jüdischen Friedhof in Bocklemünd mit einem eindrucksvollen Denkmal an die „über 11.000 Schwestern und Brüder unserer Gemeinde“, die Opfer des „nationalsozialistischen Rassenwahns“ wurden.

Dieses frühe Gedenken an die NS-Opfer wurde in der Stadt bald von einem allgemeinen Totengedenken überlagert und verdrängt, das sich „allen Opfern“ zuwandte, in der Regel aber die deutschen Soldaten, die Vertriebenen und die Bombenopfer meinte. Beispiele dafür sind die Skulptur „Trauernde“ in St. Maria im Kapitol (1949), der „Schwebende Engel“ in der Antoniterkirche (1952) und das „Trauernde Elternpaar“ in St. Alban, dessen Ruine 1959 als zentrale Gedenkstätte der Stadt Köln eingeweiht wurde. Mit diesen Gedenkformen stilisierte sich der Großteil der deutschen Nachkriegsgesellschaft zu Opfern von Krieg und Nationalsozialismus. Ausgeblendet blieben Fragen von Schuld und Verantwortung, ausgeblendet blieben auch die Opfer der NS-Verbrechen.

Es waren immer wieder Einzelne oder Verfolgtengruppen, die sich besonders engagiert für eine andere Erinnerungskultur einsetzten. Einer von ihnen war Walter Kuchta, als Kommunist im Widerstand, in Haft genommen und nach 1945 Mitglied in VVN und der KPD. Er spürte als einer der ersten den NSVerbrechen im Kölner Raum nach, sammelte Berichte von Überlebenden und organisierte Gedenkveranstaltungen. Auch der Sozialdemokrat Sammy Maedge kämpfte bemerkenswert früh gegen das Vergessen und Verdrängen der Verbrechen an, etwa indem er auf den Handel mit verbotenen Nazi-Emblemen aufmerksam machte, gegen die Straffreiheit von NS-Verbrechern oder gegen Antisemitismus agitierte und die Einrichtung einer Gedenkstätte im ehemaligen Gestapogebäude forderte.

Viele Faktoren, etwa die bundesweite Debatte um eine drohende Verjährung von NS-Verbrechen, der Frankfurter „Auschwitz-Prozess“, die lokale Auseinandersetzung um die „Edelweißpiraten“ oder auch der Prozess gegen den ehemaligen Gestapoleiter Kurt Lischka, führten zu einem allmählichen erinnerungspolitischen Wandel. Die 1979 ausgestrahlte US-amerikanische Fernsehserie „Holocaust“ bewegte ein Millionenpublikum. Das Engagement für eine Gedenkstätte für die NS-Opfer sowie eine professionelle Aufarbeitung der NS-Zeit in Köln verdichtete sich und führte schließlich 1979 zu dem Beschluss des Stadtrats, den Keller des EL-DE-Hauses als Gedenkstätte herzurichten und ein NS-Dokumentationszentrum aufzubauen.

Seit den 1980er Jahren rückten immer stärker die bis dahin „vergessenen Verfolgten“ in den Blick: Die Opfer der NS-Krankenmorde oder der Zwangssterilisationen, die nicht entschädigten Opfer von Zwangsarbeit, die Opfer der NS-Militärjustiz. Nach und nach entstanden auch für diese Gruppen Denkmäler. Nach jahrelanger Kriminalisierung und Stigmatisierung der homosexuellen Opfer war es beispielsweise erst 1995 möglich, das Rosa-Winkel-Mahnmal am Rheinufer aufzustellen. Aber auch die Opfer der NS-Völkermorde – Juden sowie Sinti und Roma – wurden stärker beachtet. Hervorzuheben sind die Kunstaktionen von Gunter Demnig, der seit 1990 mehrfach an die verfolgten Sinti und Roma erinnerte und daraus sein Projekt „Stolpersteine“ entwickelte.

Auch wurde 1990 der Platz der jüdischen Schule Jawne nach ihrem früheren Direktor Erich Klibansky benannt. Auf Initiative des Ehepaars Dieter und Irene Corbach ermöglicht heute ein „Arbeitskreis Lern- und Gedenkort Jawne“ aufklärerische Arbeit vor Ort und bringt zahlreiche ZeitzeugInnen in Kontakt mit Schulen und anderen Einrichtungen.

Die Erinnerungskultur wurde insgesamt vielfältiger und dank der Arbeit des NS-DOK auch professioneller. Neue Formen des Erinnerns – etwa das alljährliche „Edelweißpiraten-Festival“ – traten hinzu.

DGB-Region Köln-Bonn

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Sonntag, 28. Januar 2018, 14:00 Uhr
Antoniterkirche, Schildergasse

Grußwort
Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes

Sprecher*innen
Maria Ammann
Klaus Nierhoff
Doris Plenert-Sieckmeyer
Stefan Preiss

Musik
Katharina Müther
Akkordeon und Gesang
Projektgruppe Gedenktag

Mahngang
Es spricht Tamar Dreifuss


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