Deutscher Gewerkschaftsbund

03.05.2018

1. Mai 2018 in Köln: Rede von Mohamed Al Kadi

Es gilt das gesprochene Wort

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

dieses kleine Theaterstück sollte zeigen in welcher Situation sich junge Menschen zu Beginn ihres Berufsweges befinden. Sie müssen alles geben, alles leisten und es wird ihnen meist mehr zur Last gelegt, als sie tragen können. Und was sie dafür kriegen ist eine mehr oder minder gute Ausbildung. Der Leistungsdruck steigt stetig und der entgegengebrachte Respekt gegenüber dieser Leistung sinkt.

Wer in Köln wohnt und täglich zu seiner Ausbildungsstelle pendelt zahlt rund 120 Euro monatlich. Studierende haben – zu Recht – heute schon ein Semesterticket für ganz NRW! Erfreulicherweise hat die Schwarz-gelbe Landesregierung – auf Drängen der Gewerkschaftsjugend - ein solches Ticket für Auszubildende zum Thema gemacht.

Nur ist der Landesregierung allein nicht zuzumuten ein vernünftiges Ergebnis bei dieser Thematik zu erzielen. Wir fordern die Landesregierung auf, mit den Kammern, den Verkehrsverbünden und UNS gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten, um der Zukunft dieses Landes einen Weg zu ebnen, auf dem sie sicher gehen kann und sagen kann: „Die vor uns haben doch was auf die Beine gestellt.“

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

nur die Hälfte der Auszubildenden kommt mit ihrer Vergütung über die Runden. Fulltime in der Ausbildung – und dann noch einen Wochenendjob? Das kann nicht unser Maß sein! Auszubildende haben das Recht auf ein Einkommen, von dem sie gut leben können!

Wir fordern eine Mindestausbildungsvergütung. Diese Untergrenze soll bei 80 Prozent vom Durchschnitt aller Tarifverträge aller Ausbildungsberufe liegen. Das wären im ersten Ausbildungsjahr 635 Euro. Zurzeit bekommen Auszubildende in vielen Berufen nicht ansatzweise so viel.

Angehende Fleischerinnen etwa im ersten Jahr 303 Euro, Friseurinnen 406 Euro. Davon kann und will niemand leben.

Die neue Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag stehen, dass sie eine gesetzliche Mindestausbildungsvergütung schaffen will. Das ist schon mal ok, aber es steht nicht drin, wie hoch sie sein soll und wer sie bekommt.

Als Gewerkschaftsjugend werden wir der GroKo nicht dabei zuschauen wie sie nichts oder zu wenig unternimmt.

Wir fordern bessere Ausbildungsbedingungen. Und wir werden die Bundesregierung in die Verantwortung nehmen.

Das Auszubildende von 406 Euro ihre Lernmittel, ihr Bus- und Bahnticket und nebenbei bei noch was zum Leben haben sollen, können wir uns bei bestem Willen nicht vorstellen. Es geht vorne und hinten nicht auf. Egal an welcher Ecke man spart!

Nach einem Gespräch mit einem Auszubildenden bei mir im Unternehmen, hat er mir versichert, dass er darauf verzichtet, sich die Lehrbücher zu kaufen und lieber damit lebt es schwieriger zu haben zu lernen, da er sonst nicht mehr genug Geld übrig hat, um ein halbwegs vernünftiges Leben zu führen. Die Lernmittel sind Teil der Ausbildung und somit in komplettem Maße vom Ausbildungsbetrieb zu zahlen!

Eine Kollegin wies mich darauf hin die berühmte Passage „richtig und wichtig“ in die Rede einzubauen!

Dazu kann ich sagen:

Ich finde es richtig und wichtig, dass sich heute so viele junge Menschen auf die Straße begeben haben, um zu zeigen, dass es an der Zeit ist, mehr in die Bildung zu investieren, als in Waffen und Kriege. Dass es an der Zeit ist, in die Jugend zu investieren, statt sie auszubeuten! Dass es an der Zeit ist, die Grenzen zu öffnen und nicht sie zu verschließen!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

unser Regionsmotto lautet:
Ich zahle nix´ für meine Ausbildung!

Ich zahle kein überteuertes Azubiticket! Ich zahle keine Lernmittel! Und ich möchte eine menschenwürdige Vergütung!

Vielen Dank


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Dieser Artikel gehört zum Dossier:

1. Mai 2018 in der Region Köln-Bonn

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