Deutscher Gewerkschaftsbund

28.09.2015
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"1. Mai" in den 1960er Jahren in Köln

Die Arbeitszeitverkürzung ist in den 1950er und 1960er Jahren eine Kernforderung der Gewerkschaften. »Samstags gehört Vati mir« und »Wir fordern die 5-Tage-Woche« sind Motivplakate jender Zeit. Jedes Jahr wurde die Forderung nach der 5-Tage-Woche wiederholt, bis sie endlich 1964 durchgesetzt war.

Geschichte des 1. Mai in Köln

DGB

  • 1. Mai 1960 in Köln

    In langen Kolonnen waren 5.000 Teilnehmer zum Neumarkt marschiert, um 11.00 Uhr begann die Kundgebung, es waren 100 algerische Flüchtlinge mit grünem Halbmond und Stern auf ihrem Transparent und 200 holländische Bergarbeiter in ihren Bussen nach Köln gekommen, Der Kölner DGB-Vorsitzende Helmut Lehmann begrüßte die Teilnehmer, Grußwort des Oberbürgermeisters Burauen, Hauptredner war SPD-MdB Dr. Heinrich Deist. Am Rande gab es Auseinandersetzungen mit einem Transparent der Falken: »Wir waren in Auschwitz und ehrten die Opfer der Oberländer Globke und Co.«; Regierungspräsident Groggen hatte die Polizei angewiesen, über die DGB-Ordner das Plakat entfernen zu lassen, dieser Aufforderung kamen die Falken nicht nach, das Transparent blieb. (NRZ 103 vom 02.05.1960)

  • 1. Mai 1963 in Köln

    Zahlreiche Gruppen der in Köln lebenden ausländischen Gastarbeiter waren unter den mehr als 6.000 Besuchern der Maikundgebung auf dem Neumarkt. Der Vorsitzende des DGB-Kreises Köln, Helmut Lehmann, entbot ihnen den Gruß ihrer deutschen Arbeitskollegen, nachdem er unter den Ehrengästen Oberbürgermeister Burauen, Regierungspräsident Grobben, Bürgermeister Dr. Lemmens und Polizeipräsident Hochstein begrüßt hatte. Nach der Begrüßungsansprache von Helmut Lehmann folgte die Festansprache des Vorsitzenden der IG Bau, Steine, Erden; Georg Leber forderte ein vereinigtes Europa müsse ein soziales Europa werden. Der europäische Zusammenschluss müsse beschleunigt werden, und er konstatierte, es dürfe kein Europa der Konzerne, sondern müsse ein soziales Europa werden, in dem es sich lohne zu leben. (KR, vom 3.05.1963, Lokalteil Köln S.1)

  • 1. Mai 1964 in Köln

    8.000 Teilnehmer auf dem Neumarkt. Ehrengäste: Regierungspräsident Grobben und sein Stellvertreter Dr. Langensiepen, Oberbürgermeister Burauen, Bürgermeister Dr. Lemmens und Polizeipräsident Hochstein. Zahlreiche ausländische Arbeiter beteiligten sich. In wichtigen Fragen habe die Regierung Erhard »rasch und tief enttäuscht«. Dies erklärte Alois Wöhrle, stellvertretender Vorsitzender der IG Metall, auf der Kundgebung des DGB zum 1. Mai. Der Redner wandte sich energisch gegen die Auffassung, die Zielsetzungen des 1. Mai hätten sich überlebt. Man müsse sich weiterhin gegen die wirtschaftlichen und politischen Kräfte wenden, die den Einfluss der Gewerkschaften zurückdrängen möchten. »Wir vertreten die Interessen der Arbeitnehmer, wo es darum geht, die Demokratie zu festigen. Mögen die Interessen wirtschaftlicher oder politischer Art sein!« betonte der Redner. In seiner Abschlussrede mahnte H. Lehmann seine Zuhörer, sich nicht mit einem »Zuschauerplatz in der Demokratie« zu begnügen. Mit dem gemeinsamen Gesang von »Brüder, zur Sonne, zur Freiheit« klang die Kundgebung aus. (KSR vom 2.05.1964, Lokalteil Köln S.1)

  • 1. Mai 1965 in Köln

    Die Teilnehmerzahl schwankt zwischen 10.000 und 5.000. Viele Fahnen wurden zur Kundgebung getragen – bundesdeutsche, spanische, italienische, griechische, türkische, die Fahne der IG Metall. Die Mai-Demonstranten konnten nicht nur zu Fuß teilnehmen, sondern auch mit dem Auto. Mit Transparenten geschmückt, poliert und mit der Familie bis auf den letzten Platz besetzt. In zwei Zügen, aus Deutz und über den Theodor-Heuss-Ring, wurde zum Neumarkt marschiert und gefahren. Auf den Transparenten wurde in fünf Sprachen gegen Atomwaffen und für allgemeine Abrüstung demonstriert, gegen die Notstandsgesetze und für die Ausdehnung der Mitbestimmung. Hauptredner Kollege Eichhorn bedauerte, dass sich riesige Vermögen in Händen einer dünnen Oberschicht angesammelt hätten. Dies sei ein Skandal. Er betonte, 80% aller Preise kämen ohne Einfluss der Käufer als gebundene Preise zustande. Der Profit der Arbeitgeber gehöre zu ihrer Intimsphäre, Löhne und Gehälter aber können kontrolliert werden. (KR vom 2.05.1965)

  • 1. Mai 1966 in Köln

    Unter dem Motto »Dabeisein, mitbestimmen, Erfolg haben« versammelten sich wieder Tausende auf dem Neumarkt unter großer Beteiligung ausländischer Arbeiter. Begrüßung durch Helmut Lehman (Kölner DGB Vorsitzender). Repräsentanten des öffentlichen Lebens: Regierungspräsident Groben, Oberbürgermeister Burauen, Bürgermeister Dr. Lemmens, mehrere Bundestagsabgeordnete und Landtagsabgeordnete, zahlreiche Ratsmitglieder. Auf den Plakaten war zu lesen: »Wo bleibt ein stabiles Preisniveau?«, »Notstandsrecht: Zerschlagung der Gewerkschaften «, »Schluss mit Vietnam-Krieg – Keine Legion Condor nach Vietnam«. Türkische Arbeiter betonen: »Auch wir sind für die Wiedervereinigung«. Die Mairede hielt der stellvertretende DGB Vorsitzende Hermann Beermann (Düsseldorf). Er mahnte die damalige Bundesregierung: »Hände weg von den Sozialleistungen!« und forderte die Fortführung der jährlichen Rentenanpassung an die steigenden Löhne und Gehälter. Eine Rentenanpassung an die Entwicklung der (sinkenden) Produktivität müsse entschieden abgelehnt werden. Besorgniserregend sei der Anstieg der Lebenshaltungskosten, die Gewerkschaften könnten darauf nur mit höheren Lohnforderungen reagieren. Der Politik stünden andere Maßnahmen zu Gebote. (KR vom 2.Mai 1966, S.6)

  • 1. Mai 1969 in Köln

    Es war »einer der längsten und buntesten Demonstrationszüge, den Köln je gesehen hat, mit einer Themenvielfalt, die kein nationales Problem ausließ«. Oberbürgermeister Burauen eröffnete mit seinen Grußworten die Veranstaltung, danach redeten Abgesandte aus Griechenland, Italien, Spanien und aus der Türkei in ihrer Landessprache und bekundeten ihre Verbundenheit mit den deutschen Arbeitnehmern. Sie berichteten auch über Probleme in ihren Ländern und riefen zu internationaler Solidarität auf. Waldemar Reuter vom DGB-Bundesvorstand kritisierte in seiner Festrede die Reaktion in Bonn auf die NPD und äußerte sein Unverständnis darüber, dass kein Verbotsantrag gestellt wurde. Auch die Mitbestimmung und die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall müsse ausgebaut werden. Dazu bedürfe es einer besseren demokratischen Erziehung und Ausbildung, wenn die Demokratie lebendig bleiben solle. (KR vom 3.05.1969, S. 15)


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Dieser Artikel gehört zum Dossier:

Der Kölner "1. Mai" im Wandel der Zeit

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