Deutscher Gewerkschaftsbund

Fakten statt Zerrbilder

21.03.2017

Teilzeitquote der Frauen bei fast 58 Prozent

Die BDA erklärt, das Arbeitsvolumen in Deutschland sei auf dem höchsten Stand seit 1992. Dies sei ein Beleg dafür, dass »es immer besser gelungen ist, breite Bevölkerungsteile in den Arbeitsmarkt zu integrieren«.

Fakt ist, dass wir aufgrund der stabilen ökonomischen Situation eine erfreuliche Entwicklung bei der Zahl der erwerbstätigen Arbeitnehmer/innen verzeichnen können.

Fakt ist aber auch,

  • dass sich das Arbeitsvolumen der Arbeitnehmer/innen (Voll- und Teilzeit inkl. Nebenjobs) von 51,6 Mrd. Stunden im Jahr 1992 auf 50,5 Mrd. Stunden pro Jahr im Jahr 2016 auf einem relativ konstanten Niveau bewegt. Bei Vollzeit-Beschäftigten ist das Arbeitszeitvolumen im Vergleich zu 1992 stark zurückgegangen: von 47,5 Mrd. auf 39,6 Mrd. Stunden im Jahr 2015. Dagegen ist das Arbeitsvolumen von Arbeitnehmer/innen in Teilzeit von 4,5 Mrd. (1992) auf 10,25 Mrd. im Jahr 2015 stark gestiegen.

Die Teilzeitquote hat sich von 19,3 Prozent (1992) auf 38,3 Prozent im Jahr 2015 nahezu verdoppelt. Bei Frauen liegt sie sogar bei 57,8 Prozent (IAB 2016d). Viele Menschen sind freiwillig in Teilzeit, viele aber nur deswegen, weil sie keinen anderen Arbeitsplatz fi nden oder der/ die Arbeitgeber/in an ihrem Arbeitsplatz nur Teilzeit anbietet. Diese Menschen können oft von ihrem Einkommen nicht leben oder sind auf einen Zweitjob angewiesen. Außerdem besteht ein hohes Risiko nicht existenzsichernder Absicherung im Falle von Arbeitslosigkeit sowie niedriger Renten im Alter.

Fakt ist,

  • dass die durchschnittliche – vereinbarte – Wochenarbeitszeit von 1992 bis 2015 zwar von 38,1 Stunden auf 35,3 Stunden abgenommen hat (StBA 2016), aber die tatsächliche durchschnittliche Vollzeitarbeit seit einigen Jahren relativ konstant bei 43,5 Stunden liegt (Wöhrmann et al. 2016) und damit knapp fünf Stunden über der durchschnittlichen tarifl ich vereinbarten Wochenarbeitszeit.

Fakt ist,

  • dass 59 Prozent der Beschäftigten angeben, länger zu arbeiten als vertraglich festgelegt worden ist. (DGB 2014)

Fakt ist,

  • dass 16 Prozent mehr als zehn Überstunden pro Woche leisten (Initiative Neue Qualität der Arbeit 2015).

Fakt ist,

  • dass im Jahr 2016 997,1 Mio. – also fast 1 Mrd. – unbezahlte Überstunden geleistet worden sind (IAB, s.o.).

Fakt ist,

  • dass 47 Prozent der Beschäftigten insgesamt und 55 Prozent der Vollzeit-Beschäftigen ihre Arbeitszeit reduzieren möchten; 35 Prozent der Teilzeitbeschäftigten (unter ihnen 84 Prozent Frauen) würden gerne länger arbeiten (BAuA Arbeitszeitreport Deutschland 2016 (Wöhrmann et al. 2016)).

Das Arbeitsvolumen hat also erst heute wieder den Stand erreicht, den wir 1992 bereits hatten. Wenn dennoch mehr Menschen am Arbeitsmarkt aktiv sind, ist dies nur möglich, wenn sich die Arbeitszeit auf mehr Köpfe verteilt. Genau das ist in den letzten Jahren geschehen. Die höhere Erwerbsbeteiligung ist erfreulich, doch viele Menschen wünschen sich andere Arbeitszeiten als heute





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