Deutscher Gewerkschaftsbund

01.05.2012

Rede von Fina Macula am 1. Mai 2012 in Köln

- Es gilt das gesprochene Wort -

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Mein Name ist Fina Macula . Ich bin die Vorsitzende der DGB-Jugend hier in Köln. Ich freue mich, dass ich so viele junge Menschen hier auf dem Platz sehe. Dort drüben steht die Kölner Gewerkschaftsjugend gemeinsam in einem Jugendblock. Lasst einmal hören, wie viele Ihr seid!

Der 1. Mai hat für die Gewerkschaftsjugend eine besondere Bedeutung. Heute wollen wir lautstark für die Zukunft von jungen Erwachsenen auf die Straße gehen. Wir wollen Perspektiven! Wir wollen die Perspektive auf einen Ausbildungsplatz! Wir wollen die Perspektive auf eine unbefristete Übernahme! Wir wollen Bildungsgerechtigkeit! Aber was verstehen wir eigentlich unter Bildungsgerechtigkeit? Wo sind denn unsere Perspektiven? Denn wenn wir mal ehrlich sind ist doch von Bildungsgerechtigkeit zurzeit nichts zu sehen! Wir haben kaum KITA Plätze, ein selektives Bildungssystem, das viele junge Leute ausgrenzt, und ein Hochschulsystem, indem das Geld der Eltern den Zugang regelt! „Hochschule ist ein gutes Stichwort! Dort drüben stehen einige Studierende, die heute mit uns gemeinsam am 1.Mai demonstrieren und auf ihre bundesweite Aktionswoche zum Thema Zivilklausel an Hochschulen aufmerksam machen wollen.“

Uns ist allen klar: nach der Ausbildung kommt die Arbeit! Alle sprechen von Fachkräftemangel. Aus unserer Sicht ist das nur eine Scheindiskussion: Wir sind hier! Aber wo sind die Ausbildungsstellen? Wo sind die unbefristeten Stellen nach der Ausbildung? Generation Warteschleife - Generation Praktikum – Generation Zeitarbeit – Generation Befristung das ist doch für viele junge Erwachsene nach Ausbildung oder Studium Realität! Wie sollen wir uns damit eine Zukunft – eine Familie – ein Leben aufbauen?

Liebe Arbeitgeber und Politiker: Fragt uns! Fragt die Kolleginnen und Kollegen dort im Jugendblock, wie sie ihre Zukunft sehen! Fragt sie, wie sie zum Fachkräftemangel stehen! Fragt sie, wie sie ihre Perspektiven nach der Ausbildung oder dem Studium einschätzen! Wir malen doch keine Plakate, weil das so viel Spaß macht! Wir engagieren uns nicht bei der Gewerkschaftsjugend, weil alles in Ordnung ist! Wir sind hier, um auf unsere Probleme hinzuweisen! Wir sind laut, weil wir Perspektiven für unser Leben brauchen! Und es geht dabei nicht nur um uns – den jungen Erwachsenen!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Zeitarbeit, prekäre Beschäftigung, befristete Verträge greifen immer mehr um sich und können mittlerweile alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer treffen – unabhängig vom Alter! Jeder 8. Beschäftigte in der Zeitarbeit ist, trotz Vollzeittätigkeit, bereits auf staatliche Transferleistungen angewiesen. In dem Maße, wie in den letzten Jahren die Arbeitslosigkeit gesunken ist, ist die Zahl der prekären Beschäftigung und der Aufstocker gestiegen. Ist das ein Jobwunder – oder Sozialabbau? Hat das was mit Gerechtigkeit zu tun – oder mit Lohndumping? War das alternativlos oder eher der Sieg des Kapitals vor der Arbeit?

Als Gewerkschaften setzten wir uns für GUTE ARBEIT ein:  Für einen gerechten Lohn, für sichere Arbeitsbedingungen, für Arbeit, die nicht krank macht und natürlich, das sage ich als junge Frau: für gleichen Lohn und Gleichberechtigung! 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, GUTE ARBEIT ist das, was uns hier alle am 1. Mai auf dem Hans-Böckler-Platz  zusammenhält – egal ob jung oder alt – egal ob Mann oder Frau – egal ob IG Metall, verdi, IG BCE oder eine andere Gewerkschaft! Lasst uns deshalb gemeinsam für GUTE ARBEIT und eine gute Ausbildung kämpfen! Der 1. Mai, der Tag der Arbeit, ist unser Tag!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, dies könnte eigentlich schon ein gutes Schlusswort sein! Erlaubt mir aber noch eine kurze – wirklich kurze – Anmerkung, die mir und meinen Kolleginnen und Kollegen der Gewerkschaftsjugend sehr wichtig ist: Es geht um den Marsch der „Autonomen Nationalisten“ heute in Bonn.  Nachdem die Neonazis in den letzten Jahren am 1. Mai Dortmund mit ihrer Anwesenheit belästigt haben, wollen sie heute mit ihrem Hass, mit ihrer Fremdenfeindlichkeit, mit ihren Vorurteilen und dumpfen Parolen durch Bonn marschieren. In Bonn hat sich breiter Widerstand gegen den Aufmarsch der Neonazis gebildet … und das ist gut so! Wir dürfen den Neonazis nicht widerspruchslos die Straße überlassen. Wir stehen deshalb in engem Kontakt mit der Bonner Gewerkschaftsjugend und werden Euch über die Vorgänge in Bonn über unseren Lautsprecherwagen informieren.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich denke, dass ich im Namen aller hier auf dem Platz spreche, wenn ich den Bonner Kolleginnen und Kollegen zurufe, dass wir in Gedanken bei ihnen sind und dass wir ihnen viel Erfolg bei ihrem Kampf gegen die neonazistische Hetze wünschen.

Glück auf


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