Deutscher Gewerkschaftsbund

Bezahlbarer Wohnraum für Bonn/Rhein-Sieg

23.05.2017

DGB-Kreisvorstand Bonn/Rhein-Sieg zur Initiative „Viktoria bleibt Viertel!“

In einer gemeinsamen Erklärung zum Viktoriaviertel beschreiben Bonner Initiativen den bisherigen Verlauf um die Planungen im Viktoriaviertel und fordert mehr Partizipationsmöglichkeiten. Die Initiativen stellen in ihrer Erklärung selbst entwickelte Grundsätze für das Viertel vor. So wird neben der Sicherstellung des vielfältigen Nutzungsmix, verkehrsberuhigender Maßnahmen und dem Erhalt des Innenhofes auch die Stärkung des nachbarschaftlichen Wohnens unter Berücksichtigung bezahlbarer und gemeinschaftlicher Wohnformen, sowie der Schaffung eines Ortes des gemeinsamen Kulturschaffens, Arbeitens und der Begegnung vorgeschlagen.

Der DGB-Kreisvorstand Bonn/Rhein-Sieg stimmt der Initiative „Viktoria bleibt Viertel!“ in weiten Teilen zu: Quartiere müssen nach den Bedarfen der dort wohnenden, arbeitenden und lebenden Bürger/innen gestaltet werden. Die Gewerkschaften teilen außerdem die Einschätzung, dass die Förderung von großflächigem Einzelhandel in der Stadtplanung nicht immer sinnvoll ist. Viele Innenstädte haben erheblich an Attraktivität eingebüßt. Individualität schwindet: Die Cities werden immer uniformer, überall gibt es die gleichen globalen Ankermieter.

Mit einer Steigerung der Verkaufsfläche um 35.000 qm will die Stadt Bonn der wachsenden Konkurrenz aus dem Umland begegnen. Dies ist eine Gefahr: Wenn alle Städte so denken und handeln, dann entsteht eine Ausbauspirale, die dafür sorgt, dass zwischen den Kommunen bzw. Stadtteilen eine noch stärkere Konkurrenz entsteht. Zusätzlich wird der Druck auf die Arbeitsbedingungen steigen. Standortsicherheit über Quantität zu erreichen, ist der falsche Weg. Entscheidend ist vielmehr, die Einzelhandelsstandorte über Qualität und Profilbildung zu sichern. Ein wesentliches Hindernis sind die hohen Gewerbemieten in zentralen Lagen, die dafür sorgen, dass sich eher große Handelsketten ansiedeln und der kleine Facheinzelhandel mehr und mehr verdrängt wird. Die Mietkosten übersteigen beim kleinen Einzelhandel mittlerweile die Personalkosten. Auch die Konkurrenz aus dem Netz zwingt den stationären Handel zum Handeln. Eine  Strategie des stationären Handels könnte der „Erlebniseinkauf“ sein, den der Onlinehandel nicht bietet. Neue Konzepte, die Shopping, Freizeit und Gastronomie verknüpfen, sind gefragt um die Attraktivität zu steigern. Viele Kundinnen und Kunden suchen Einkaufsatmosphäre. Ein Konzept für das Viktoriaviertel, das unter Beteiligung der vor Ort handelnden und lebendenden Personen entsteht, könnte eine Profilbildung begünstigen.

Des Weiteren begrüßt der DGB Kreisvorstand den Vorschlag des nachbarschaftlichen Wohnens im innerstädtischen Viktoriaviertel. Wohnraum darf nicht weiter aus der Innenstadt verdrängt werden. Wohnraum wird in Bonn immer teurer. Die Nachfrage ist höher als das Angebot, was auch daran liegt, dass in Bonn weniger Wohnungen gebaut werden als benötigt. Der Wohnraum ist so knapp, dass sich viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Mieten kaum noch leisten können und in weiter entfernte Gebiete ausweichen müssen. Die Stadt benötigt dringend bezahlbaren Wohnraum. Gemeinschaftliche Wohnformen können, besonders in Zeiten des demographischen Wandels und explodierender Mieten, eine mögliche Antwort auf das Problem sein.

Webseite „Viktoria bleibt Viertel!“ mit weiteren Informationen zur Erklärung der Initiative: http://viktoriableibt.de/

V.i.S.d.P. DGB Kreisverband Bonn/Rhein-Sieg, Endenicher Str. 127, 53115 Bonn


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