Deutscher Gewerkschaftsbund

16.04.2018

Grußwort von Witich Roßmann zur Eröffnung der Agentur für Arbeit Köln (13.04.2018)

Es gilt das gesprochene Wort

 

Eröffnung des neuen Hauses der Kölner Agentur für Arbeit in Köln-Ossendorf
Verabschiedung Roswitha Stock als Vorsitzende der Geschäftsführung der AA Köln

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Reker, Sehr geehrte Frau Schönefeld,  Sehr geehrter Herr Dr. Scheele,
Sehr geehrte Frau Stock, liebe Roswitha,

als erstes mein herzlicher Glückwunsch im Namen des Verwaltungsausschusses der Kölner Agentur für Arbeit zu dem neuen Haus. Die Grundsteinlegung haben wir noch im Zelt gefeiert, jetzt sieht doch alles schon sehr stabil aus.
Woanders mag das selbstverständlich sein, in Köln gratulieren wir zur termin- und kostengerechten Errichtung und Eröffnung. Das muss nicht sein in Köln, ist aber auch nicht verboten.

Es hat natürlich viel Diskussionen um den neuen Standort gegeben:
Aber mit der Renovierung bestehender Gebäude hat Köln nicht die besten Erfahrungen gemacht. Insofern war die Entscheidung für einen Neubau nicht sehr strittig.

Der Verwaltungsausschuss hat die Pläne trotz mancher Kritik unterstützt, weil:

Die Arbeitsagentur bleibt zentral in der Kölner Innenstadt, mit öffentlichen Verkehrsmitteln hervorragend angebunden.

Viele Anregungen der Beschäftigten sind in die Planungen eingeflossen.
Es bleibt der Unmut über fehlende Parkplätze:
Da kann noch dran gearbeitet werden….
Ökologische Mobilität über verknappte Parkplätze ist keine Strategie – dazu sind die Wohnverhältnisse der Beschäftigten doch zu differenziert – nicht zuletzt wegen des großen fehlenden bezahlbaren Wohnraums in der Kölner Innenstadt.

Gleichwohl wünsche ich den Beschäftigten, dass sie sich im neuen Haus, in neuen Räumen wohlfühlen, neue Motivation für ihre überaus herausfordernde Arbeit finden.

Die Beschäftigten einer Agentur, insbesondere die vielen mit Kundenkontakten, stehen im Brennpunkt vieler Zumutungen:
Sie sind konfrontiert mit Menschen in zumeist existenziellen Krisensituationen. Für viele ist es das erste Mal im Leben: Sie bringen nicht nur ihre Sachprobleme mit, sondern auch ihre Frustrationen, Enttäuschungen, Demütigungen, die mit Kündigungen und Arbeitslosigkeit einhergehen. Und nicht selten werden die MitarbeiterInnen in Ermangelung der wirklichen Ursachen zum Opfer dieser gesellschaftlichen Probleme. Und das hat sich ja in den letzten Jahren durchaus massiv verschärft – Beleidigungen, Provokationen, ja sogar gewalttätige Übergriffe.

Dass fordert den MitarbeiterInnen neben Sach- und Fachkenntnissen auch viel emotionales Engagement ab. Möge das neue Haus, die neuen Arbeitsräume auch mit neuer Energie für ihre anspruchsvolle Arbeit einhergehen:
Die Betroffenen und die Gesellschaft werden es hoffentlich danken und würdigen. Ich möchte dies hier und heute im Namen des Verwaltungsausschusses, aber auch des Deutschen Gewerkschaftsbundes tun.

Wie eine Behörde arbeitet, die keine Behörde mehr sein will, aber auch kein privatwirtschaftliches Unternehmen mit Gewinnzielen sein soll und sein kann, wie also eine der wichtigsten sozialen Institutionen des Landes arbeitet, das hängt nicht nur von Sach- und Fachkenntnissen, Motivation und Energie der MitarbeiterInnen ab, sondern natürlich auch von deren sozialen Situation.
Lieber Herr Scheele, liebe Frau Schönefeld, leisten sie ihren Beitrag, dass die Mitarbeiterinnen nicht nur in schönen und stabilen Gebäuden arbeiten, sondern auch mit stabilen, langfristigen, sicheren Arbeitsverträgen.

Und wie gearbeitet wird, das ist immer auch eine Frage der Führung.  Nun ist bekannt, das der Agentur für Arbeit in Deutschland jeglicher Zentralismus fremd ist und alles von der Eigeninitiative der regionalen Arbeitszentren abhängt?...

Nun jeder hier weiß, das war als Scherz gemeint. Gleichwohl bleibt genügend Spielraum für eine eigenständige Führungsarbeit in einer der größten Arbeitsagenturen der Republik, die schon häufiger auch Experimentierfeld und Labor für neue Entwicklungen war:
Ich erinnere daran, dass hier in Köln unter dem damaligen Arbeitsamt Direktor Peter Fuß das Konzept von Fordern und Fördern entwickelt und in der Praxis mit guten Erfolgen umgesetzt wurde – ohne Hartz-Gesetze im übrigen!
Unter den Hartz-Gesetzen blieb davon nur der Kölner Titel „Fordern und Fördern“.
Es ist gut, dass die gesellschaftliche Diskussion über die Gesetze wieder aufgebrochen ist.

Die Anrechnung von Vermögen war schon immer ein Thema, das heftigste Empörungen unter denen ausgelöst hat, die auf Basis eigener harter Arbeit ein Haus, ein kleines Sparvermögen für das Alter sich zurückgelegt haben, dann unverschuldet durch Pleite in Arbeitslosigkeit geraten. Sie haben für diesen Fall über Jahrzehnte in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt, und trotzdem wird das Vermögen zuerst herangezogen werden gleichzeitig in der Gesellschaft reiche Erben ohne eigene Leistung von Erbschafts- und Vermögenssteuern weitgehend freigestellt werden.

Aber das Thema möchte ich heute nicht vertiefen…. 

Sondern der Rückblick auf „Fordern und Fördern“ diente daran zu erinnern, dass Roswitha Stock, mit den Erfahrungen des schon großen Amtes in Brühl  in Köln in besonders große Fußstapfen getreten ist. Das ist nicht immer leicht.

Aber aus der Perspektive des Verwaltungsausschusses möchte ich sagen, wir haben es immer geschätzt, das wir mit Roswitha Stock eine Vorsitzende der Geschäftsführung hatten, die respektvoll mit ihrem Verwaltungsausschuss umgegangen ist, all seine Bitten, Anregungen, Initiativen nicht nur aufgenommen und umgesetzt hat, sondern vielfach sogar solche kritische Begleitung ihrer Arbeit eingefordert hat.

Respektvoller Umgang mit dem eigenen Aufsichtsorgan, ist das nicht selbstverständlich: Nein, denn der Verwaltungsausschuss auf örtlicher Ebene hat mit den Hartz Gesetzen seine effektiven Mitentscheidungsrechte – z.B. über den großen Eingliederungstitel – verloren, ist zum Informations- und Beratungsgremium geworden.

Aus der Perspektive des ehemaligen IG Metall Vorsitzenden kann ich nur sagen, wenn wir die Agentur gebraucht haben, schnell, unbürokratisch als Hilfe für Beschäftigte z.B in Insolvenz Fällen, bei komplizierten Kurzarbeitsthemen – dann hat Roswitha Stock niemals den Eindruck vermittelt, hier versteckt sich jemand hinter Paragraphen, Anweisungen aus Nürnberg – dann gab es immer eine lösungsorientierte Zusammenarbeit.
Um umgekehrt konnte Frau Stock sich darauf verlassen, das aus den Reihen der VA die Mitglieder viele Initiativen z.B. zur Qualifizierung von Flüchtlingen von den Institutionen und Firmen aufgegriffen und umgesetzt wurden. (Ludwig)

Aus der Perspektiven des DGB Vorsitzenden erlebe ich Roswitha Stock nicht als eine Behördenleiterin, die ihren Arbeitstag bis Feierabend gewissenhaft und pflichtgemäß abarbeitet,  sondern als eine engagierte Persönlichkeit dieser lebhaften Kölner Stadtgesellschaft, die die Netzwerke dieser Stadt, ihrer Verbände, ihrer Firmen nutzt und auch befeuert, damit den vielen Zehntausenden in Arbeitslosigkeit in Köln zielgerichtet geholfen werden, wie es mit Programmen der Agentur beispielhaft der Vingster Treff macht, der sich um alleinerziehende Mütter ohne Schulabschluss kümmert – und immer wieder gute Erfolge erzielt.

Die vielen Gäste heute stehen für die zahllosen Initiativen engagierter Menschen in dieser Stadt, die sich um Eingliederung, Qualifizierung, Betreuung und Beratung kümmern, die das aber ohne die vielfältige – nicht zuletzt finanzielle Unterstützung der Agentur auch nicht tun könnten.
Davon profitieren beide Seiten. Wieviel Engagement unter Roswitha Stocks Leitung darin eingeflossen ist, kann man nur schwer quantifizieren. Vielleicht ist ja irgendjemand in der Lage, auszurechnen, wieviel Geld Köln aus anderen Agenturen eingeworben hat – die eher initiativlos Gelder liegen ließen - , und für Kölner Arbeitslose ausgegeben wurden.

Im Namen des Verwaltungsausschusses und auch der Kölner Gewerkschaften, ganz herzlichen Dank dir Roswitha Stock für deine engagierte Arbeit in den zurückliegenden Jahren.
Verbunden natürlich mit der Erwartung, dass dies Engagement für die Stadtgesellschaft uns erhalten bleibt, befreit von bürokratischen Alltagsroutinen einer so großen Agentur für Arbeit.
Bei unseren Hobbys haben wir viele Schnittmengen, ich denke die werden wir auch weiterhin bei unserem Engagement für diese Stadt und ihre Menschen behalten – insbesondere für die, die nicht im Licht stehen, die Schattenseiten unserer Gesellschaft leidvoll erfahren.

Herrn Scheele als Vertreter der Bundesagentur den respektvollen Dank, das dieser Umzug so unkompliziert und gut finanziert über die Bühne laufen konnte. 


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