Deutscher Gewerkschaftsbund

28.07.2011

Nachgefragt: ein Jahr DGB-Kreisverband Bonn/Rhein-Sieg

Vor einem Jahr, am 13. Juli 2010, hat sich im Bonner Gewerkschaftshaus der DGB-Kreisverband Bonn/Rhein-Sieg gegründet. Dieses ehrenamtliche Gremium bietet eine Plattform des gewerkschaftlichen Informationsaustausches vor Ort und bündelt die gewerkschaftlichen Interessen zu kommunalen und gesellschaftspolitischen Themen. Nachgefragt beim ehrenamtlichen Vorsitzenden des DGB-Kreisverbandes Bonn/Rhein-Sieg, Ingo Degenhardt.

Frage: Im Oktober 2009 fusionierten die beiden  DGB-Regionen Köln und Bonn zur neuen Großregion Köln-Bonn. Welche Rolle spielen nach dieser Fusion die ehrenamtlichen Kreisvorstände?

Ingo Degenhardt:  Mit dem Zusammenschluss von Köln und Bonn ist zuerst einmal eine der größten DGB-Regionen in NRW entstanden. Die Fusion 2009 war der erste Schritt einer bundesweiten Strukturveränderung innerhalb des DGB. Im Mai 2010 hat der DGB-Bundeskongress mit großer Mehrheit eine Satzungsänderung beschlossen, um ehrenamtliche Arbeit vor Ort zu stärken. Über ehrenamtliche Stadt- und Kreisverbände sowie Wahlmandate wollen wir künftig noch näher an der Basis und an kommunalen Fragestellungen mitarbeiten. Dies ist möglich, weil die ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder und Vorsitzenden in den Teilregionen zu Hause sind, dort leben und arbeiten, die regionalen Themen kennen und in die örtlichen Netzwerke eingebunden sind. Der Weg führt uns nun wieder zurück zu örtlichen Strukturen, wie wir sie vor vielen Jahren hatten.

DGB-Region Köln-Bonn

DGB-Region Köln-Bonn

Frage: Sie sind als Gewerkschaftssekretär zuständig für den Bereich der Arbeitsmarktpolitik in der gesamten DGB-Region Köln-Bonn, sind Leiter der Bonner Geschäftsstelle und seit einem Jahr ehrenamtlicher Vorsitzender des Kreisverbandes Bonn/Rhein-Sieg. Wie ist das alles unter einen Hut zu bekommen?

Ingo Degenhardt:  Alle Kolleginnen und Kollegen in der DGB-Region Köln-Bonn haben ein vielfältiges Aufgabengebiet und betreuen neben thematischen Schwerpunkten auch Teilregionen. Wir sind aber bisher die einzige DGB-Region, in der hauptamtliche Gewerkschaftssekretärinnen und -sekretäre als ehrenamtliche Vorsitzende eines Kreis- bzw. Stadtverbandes gewählt wurden. Diese Organisationsstruktur ist mit den Gewerkschaften vor Ort abgestimmt und hat sich aus meiner Sicht auch sehr bewährt, da wir Beruf und Ehrenamt in besonderer Weise miteinander verknüpfen können. Wir geben mit unserem Wahlmandat dem DGB vor Ort ein Gesicht, sind bekannter Ansprechpartner und besetzen neben den repräsentativen Aufgaben auch die inhaltlichen Themen. Die vielfältigen Aktivitäten vor Ort werden somit aus einer Hand gestaltet und die Absprache mit den örtlich zuständigen Gewerkschaften geschieht auf kurzem Weg.

Frage: Was sind die Themen, mit denen sich der DGB-Kreisverband Bonn/Rhein-Sieg vorrangig beschäftigt?

Ingo Degenhardt: Arbeit und Ausbildung stehen bei uns an vorderster Stelle. Hier arbeiten wir in regionalen Netzwerken mit anderen arbeitsmarktpolitischen Akteuren zusammen, sind Kooperationspartner, wenn es um die Umsetzung von Landesprojekten geht und engagieren uns in den Beiräten der Jobcenter in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis. Im Rahmen der aktuellen Debatte um den aktuellen und künftigen Fachkräftebedarf sehen wir auch Chancen für diejenigen, die sich im Leistungsbezug des SGB II (Hartz IV) befinden. Besonderes Augenmerk legen wir auf die Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt. Seit vielen Jahren weisen wir darauf hin, dass es neben der jeweils veröffentlichten Ausbildungsmarktstatistik auch andere Zahlen gibt, die für die Arbeit in den Gremien und für die Öffentlichkeit von großer Bedeutung sind. Gemeint sind hier unter anderem die Zahlen derer, die sich in den sogenannten Warteschleifen befinden und die in keiner offiziellen Statistik ausgewiesen werden. Hier besteht Handlungsbedarf im Sinne der betroffenen Jugendlichen, wie auch im Hinblick auf den Fachkräftebedarf. Auf dieser Grundlage hat, Ende letzten Jahres, unser Kreisvorstand einstimmig eine Resolution verabschiedet, in der wir einen regionalen Ausbildungsreport einfordern. Diese Initiative ist in der Region von vielen sehr positiv aufgenommen worden.

Frage: Und was steht für die kommende Zeit auf der Agenda?

Ingo Degenhardt: Aktuell planen wir unsere Beteiligung an den Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit und dem NRW-Tag vom 1. - 3. Oktober 2011. Das diesjährige Deutschlandfest findet in Bonn statt, Hier werden sich der DGB und die örtlichen Gewerkschaften mit einem eigenen Informationsstand und Aktivitäten präsentieren. Im Rhein-Sieg-Kreis haben wir die Initiative zur Gründung einer Allianz für den freien Sonntag ergriffen und sind gerade mit unseren Partnern in der Abstimmung des Textes der Gründungserklärung. Im Bereich der regionalen Netzwerkarbeit möchte ich noch unsere Beteiligung an der Initiative „Für Bonn“ nennen. Hier haben Kirchen und Wohlfahrtsverbände, IHK und DGB in einem gemeinsamen Aufruf ihre Sorge um die Zukunft der Stadt zum Ausdruck gebracht. In unserer Einschätzung gibt es derzeit in der Bundesstadt Bonn einen politischen Stillstand, der unter anderem der desolaten Haushaltslage und dem WCCB-Skandal geschuldet ist. Wir setzten uns dafür ein, dass alle Verantwortlichen in Bonn wieder zu der gemeinsamen Motivation zurückfinden, die das Gelingen des Strukturwandels möglich gemacht hat. Gemeinsam müssen wir eine Vision von der Zukunft der Bundesstadt Bonn entwickeln und auf den Weg bringen.

Frage: In welchen regionalen Gremien sind DGB und Gewerkschaften vertreten?

Ingo Degenhardt: Zum einen arbeiten wir in den Gremien der Selbstverwaltung mit, zu nennen sind da der Verwaltungsausschuss der Agentur für Arbeit sowie die Regionalbeiräte der Krankenkassen. Nach dem Berufsbildungsgesetz sind wir im Berufsbildungsausschuss der IHK Bonn/Rhein-Sieg aktiv und stellen hier den alternierenden Vorsitzenden. Weiter sind wir vertreten im regionalen Ausbildungskonsens, in den Beiräten der Job-Center, im Lenkungskreis der Regionalagentur, in den Gremien des regionalen Übergangsmanagements, im kriminalpräventiven Rat der Stadt Bonn, in der Veranstaltergemeinschaft von Radio Bonn/Rhein-Sieg, sowie in den Schulkonferenzen unserer ortsansässigen Berufskollegs. Viele unserer Kolleginnen und Kollegen engagieren sich als ehrenamtliche Richterinnen und Richter an den Arbeits- und Sozialgerichten, als ehrenamtliche Prüferinnen und Prüfer bei der Industrie- und Handelskammer und der Handwerkskammer und natürlich in unserem Kreisvorstand.

Frage: Ein Thema ,was Bonn und die Region seit geraumer Zeit und ganz aktuell besonders beschäftigt, ist die erneute Umzugsdebatte und hier die bevorstehenden Veränderungen im Bundesverteidigungsministerium im Rahmen der Bundeswehrreform. Wie schätzen Sie die momentane Situation ein?

Ingo Degenhardt:  Ich glaube, das Thema geht an niemandem vorüber, der sich mit Arbeitsmarkt- und Strukturpolitik beschäftigt. Die einen positionieren sich öffentlich, das hat der DGB in der Vergangenheit auch getan, die anderen bewerten die Situation im nicht-öffentlichen Raum. Das, was wir aber brauchen, ist eine gemeinsam abgestimmte Strategie aller Akteure in der Region und dazu zählen neben Politik, Verwaltung, Arbeitgeber, Gewerkschaften, Verbände und Organisationen, auch alle Bonnerinnen und Bonner und vor allem die Menschen mit ihren Familien, die von einem Umzug betroffen wären. Hier müssen wir Solidarität herstellen und leben. Der bisher erfolgreiche Strukturwandel hat ein starkes Fundament und das basiert auf dem Berlin/Bonn-Gesetz. Wer nun Hand anlegt und Eckpfeiler dieses Fundamentes herausnehmen will, bringt die gesamte Statik ins Wanken. Das müssen wir unter allen Umständen verhindern. Alle Handlungsvorschläge sind auf ihre Auswirkungen hin zu überprüfen. Alle Prozesse sind an den persönlichen und familiären Bedürfnissen der Beschäftigten auszurichten. Für uns steht der Erhalt der Arbeitsplätze ganz klar im Vordergrund. Ich plädiere für eine völlige Transparenz gegenüber den Beschäftigten und den regionalen Akteuren. Wir sind in der Vergangenheit einen gemeinsamen Weg gegangen und den sollten wir auch jetzt und in der Zukunft weiter beschreiten.


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