Deutscher Gewerkschaftsbund

Fakten statt Zerrbilder

17.03.2017

Nachwuchs wird dringend gesucht, aber schlecht behandelt

Richtig ist, dass im europäischen Vergleich in Deutschland wenig Jugendliche arbeitslos sind. Aber: Gerade bei jungen Menschen ist der Berufseinstieg durch prekäre Beschäftigung geprägt. Bei jungen Menschen können die Arbeitgeber atypische Arbeitsverhältnisse durchsetzen, weil sie noch keine Schutzansprüche erworben haben. Oft mit gravierenden Folgen für die Betroffenen und die Gesellschaft.

Der Berufsalltag junger Menschen ist geprägt von Überstunden, geringeren Einkommen und höheren Belastungen im Vergleich zu älteren Beschäftigten. Hinzu kommen Stress und atypische Beschäftigung wie Befristung oder Leiharbeit. Das sind nur einige Befunde des letzten DGB-Index »Gute Arbeit« (DGB 2015) der Gewerkschaftsjugend.

Die Studie basiert auf einer repräsentativen Befragung von 5709 Beschäftigten, davon 27 Prozent junge Arbeitnehmer/innen unter 35 Jahren. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.

Die Ergebnisse im Einzelnen (für Beschäftigte unter 35 Jahren)

  • 31 Prozent haben ein monatliches Bruttoeinkommen von weniger als 1.500 Euro
  • 25 Prozent arbeiten in unbefristeter Vollzeit (ohne Leiharbeit) und verdienen mehr als 2.500 Euro (verglichen mit 40 Prozent bei den über 35-Jährigen)
  • 60,9 Prozent machen regelmäßig Überstunden, durchschnittlich 4,1 Überstunden pro Woche
  • über ein Viertel (27,8 Prozent) arbeitetin atypischen Beschäftigungsverhältnissen
  • fast jeder zweite (46,4 Prozent) der unter 25-Jährigen arbeitet in atypischen Beschäftigungsverhältnissen
  • junge Menschen unter 35 Jahren sind mehr als drei Mal so oft befristet beschäftigt (16,2 Prozent) wie ältere Beschäftigte (fünf Prozent)
  • auch Leiharbeit ist jung; während fünf Prozent der Beschäftigten unter 35 Jahren in Leiharbeitsverhältnissen sind, sind es bei Beschäftigten über 35 Jahren mit 1,5 Prozent mehr als 70 Prozent weniger
  • atypisch Beschäftigte verdienen im Durchschnitt ein Viertel (23,9 Prozent) weniger als normal Beschäftigte (1.734 Euro zu 2.277 Euro)

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