Deutscher Gewerkschaftsbund

17.06.2010

Nachgefragt: Abiturientin hatte Einblick in den DGB-Alltag

Welche Bedeutung hat die DGB-Jugend für dich?

Eine sehr große Bedeutung, denn das politische Interesse von Jugendlichen muss gefördert werden, wenn möglich unabhängig von einzelnen Parteiinteressen. Das Gute an Gewerkschaften ist, dass sie keinen Wahlkampf führen müssen. Deshalb können sie  längerfristig und unabhängiger ihre Ziele verfolgen. Es sollte Orte geben, wo junge Menschen ihre Ideen für ein solidarisches, friedliches und soziales Miteinander in der Gesellschaft  einbringen und sich auch dafür einsetzen können. Die DGB- Jugend bietet dafür meiner Meinung nach eine sehr wichtige und geeignete Anlaufstelle.

Ist die Jugend aus deiner Sicht in der Krise?

Ja und Nein. Einerseits sind Jugendliche momentan von großen Zukunftsängsten geplagt, wie Klimawandel, Wirtschaftskrise, die darauf folgenden Sparmaßnahmen der Bundesregierung, die „Generation  Praktikum“ sowie die Bildungspolitik und Berufsaussichten.
Aber andererseits hat - wenn man die geschichtliche Vergangenheit Deutschlands betrachtet - jede Generation  große Herausforderungen gehabt,. Ich wäre zum Beispiel nicht gerne während der Weltkriege groß geworden. Die Jugend wäre erst dann wirklich in der Krise, wenn es keine positiven Kräfte mehr in der Gesellschaft gäbe, die sich wie die DGB-Jugend aktiv für die Interessen der Jugend einsetzen und deren Ängste und Sorgen ernst nehmen ohne das Sündenbockprinzip anzuwenden, wie es Rechte Strömungen versuchen.

Du beginnst in Kürze ein Studium. Sind Studiengebühren für dich OK?

Ich habe das große Glück, dass meine Eltern und Verwandten finanziell für mein Studium aufkommen können. Aber dieses Glück hat nicht jeder. Das Studium an sich stellt schon eine große Herausforderung dar. Ich könnte mir nicht vorstellen, es zeitlich und psychisch zu schaffen, auch  noch zu arbeiten. Bei der Ausbildung ist das ja etwas anderes, da ist der schulische Teil mit dem „Arbeiten“ verknüpft. In der Uni aber nimmt niemand Rücksicht auf jobbende Studenten. Außerdem kann auch ich natürlich nur begrenzt finanziell unterstützt werden und das „zu Hause ausziehen“ verzögert sich stark, bzw. gestaltet sich schwieriger.

Also Studiengebühren abschaffen?

Falls möglich: ja natürlich! Falls nicht, (d.h. wenn Politiker beschließen, alles solle so bleiben wie bisher!) muss mindestens ein solidarisches System eingeführt werden, also ähnlich dem Prinzip des Steuersystems. Jeder sollte nur so hohe Studiengebühren zahlen müssen, wie er finanziell in der Lage ist unter dem Motto:  „Starke Schultern tragen mehr“.

Bist du beim Bildungsstreik dabei gewesen? Wieso bist du mitgegangen?
Viele Studierende haben in den jüngsten Bildungsstreiks nicht am Protest teil genommen, hast du darauf eine Antwort? Ist die Protestform falsch?

Ich bin mitgegangen, weil „Bildung für alle“ für mich ein wichtiges Thema ist. Dies muss von der Politik ernst genommen werden.. Es stimmt, dass die Mehrheit der Demonstranten Schüler waren. Ich glaube, dass liegt zum Teil  daran, weil diese jungen Menschen im Vergleich zu den Studenten noch eine sehr lange Zeit in den deutschen „Bildungshäusern“ vor sich haben. Sie sind entsprechend motiviert und wollen etwas bewegen. Studenten neigen meiner Meinung nach schneller dazu, sich mit der Realität zufrieden zu geben und ganz egoistisch das Bestmöglichste aus ihrer Situation zu machen. Einige scheinen dieses Lebensmotto verinnerlicht zu haben: „Ich kann doch eh` nix ändern und es bleibt ja doch immer so, wie es von oben beschlossen wurde“. Vielleicht stoßen ja zum Beispiel Podiumsdiskussionen, zu denen die Presse eingeladen wird, zumindest bei den Studenten auf mehr Interesse. Aber der zurückhaltende Einsatz der Studenten in NRW liegt sicherlich auch daran, dass viele erst einmal den neuen Kurs der Bildungspolitik abwarten möchten, bevor sie protestieren. Es kann dann aber zu spät sein.

 

Was fällt dir zum Thema Mitbestimmung ein?

 

Mitbestimmung in der Schule gibt es viel zu wenig, das hängt aber wahrscheinlich an der SchülerInnen Vertretung (SV) an den jeweiligen Schulen ab. Die SVen müsste viel mehr Werbung für ihre wichtige Arbeit machen und gezielt Schüler in ihre Projekte einbinden und zu Versammlungen einladen. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass Mitbestimmung in der Gesellschaft zu kurz kommt und die Demokratie darunter deutlich leidet. Es gibt zu wenig reale (im Vergleich zum virtuellen Internet) Anlaufstellen, wo der normale Bürger regelmäßig mit anderen Menschen politisch oder einfach nur gesellschaftlich interessierten Bürgern diskutieren kann. Allein das Wahlkreuzchen kann die komplexe Demokratie nicht aufrecht erhalten.

 

Was erwartest du nun von den neu gewählten Landtagsabgeordneten in NRW?

 

Ich hoffe, dass es keine Neuwahlen geben wird! Die Auswirkungen könnten katastrophal ausfallen. Ich erwarte von den neu gewählten Landtagsabgeordneten, dass sie sich an ihre Wahlversprechen halten und die „Schere zwischen Arm und Reich“ nicht vergrößern sondern verkleinern.

 

Wie stellst du dir die Jugendkulturszene in Köln vor?

 

Ehrlich gesagt, bekomme ich zum Teil gar nicht mit, welche  Angebote von der Kommune für mein Alter vorhanden sind. Ich werde auf jeden Fall weiterhin die Augen offen halten, denn entsprechende Freizeit- und Bildungsangebote würde ich gerne wahrnehmen. Zum größten Teil nutze ich private Angebote. Man erkennt auch oft nicht, wo öffentliche oder wo private Mittel hinterstehen. Als Kind haben mir öffentliche Freizeitangebote und attraktive Jugendtreffs in meinem Stadtteil gefehlt. Ich musste zum Teil weit bis in die Innenstadt fahren.


Wenn in Köln die „Kürzungen bei Kurzen“ los gehen, was geht dir dann durch den Kopf?

Ich sorge mich, wie es in Zukunft in Köln weiter geht, Stichwort Verschuldung. Bisher gab es schon eine sehr starke Ungleichheit zwischen den verschiedenen Stadtteilen. Zum Beispiel weisen die Arbeitslosenzahlen und damit der Wohlstand in den jeweiligen Stadtteilen große Unterschiede auf. Soll das noch schlimmer werden? Es gibt sozialverträglichere Wege zu Sparen. Es hätte natürlich erst gar nicht dazu kommen dürfen, dass in einem solchen Umfang gespart werden muss.


Was fällt dir zum CSD in Köln ein?

 

Ich bin bis jetzt noch nicht dort gewesen, finde es aber toll, dass es den CSD in Köln gibt und möchte auch gerne mal dabei sein. Das Prinzip „Party auf der Straße“ gefällt mir. Natürlich darf der politische Anspruch nicht in den Hintergrund geraten.

 

Wenn du Bundeskanzlerin wärst oder besser noch: wenn du alle Macht dieser Welt hättest  - was würdest du tun?

 

Erst einmal würde ich sicher merken, wie schwierig es ist, als Bundeskanzlerin alle Interessen unter einen Hut zu bekommen. Ehrlich gesagt, wüsste ich nicht, wo ich anfangen soll. Ich würde meinen Ministern auf jeden Fall versuchen klar zu machen, dass politische Machtkämpfe gefährlich für die Demokratie sind. Ich bin der Ansicht, dass Politik dem allgemeinem Wohl der Gesellschaft und Wirtschaft dienen muss und dass Bürger, Unternehmen und Politiker bereit dazu sein sollten, von Einzelinteressen abzusehen. Das weiß jeder, es muss nur wirklich umgesetzt werden. Wenn ich alle Macht der Welt hätte, dann würde ich den Atomausstieg vollenden, Mindestlöhne einführen, jedem eine gut bezahlte und abwechslungsreiche Arbeit garantieren und die Finanzbranche wieder ausschließlich für die Realwirtschaft arbeiten lassen. In diesem Sinne, die Zukunft wird spannend und bringt für alle große Herausforderungen, die es zu meistern gilt. 


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