Deutscher Gewerkschaftsbund

12.04.2011
Gewerkschaften haben viele Gesichter

Renate Bonow

RB

DGB-Region Köln-Bonn

Renate Bonow (1955), Köln
Lehrerin
Mitglied der GEW seit 1974
NRW Landeskoordinatorin "Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage"

Warum bist du in die Gewerkschaft eingetreten?

Aus meiner Sicht ist der DGB eine wichtige gesellschaftspolitische Kraft zum Schutz der Arbeitnehmerrechte und gerade im Bildungsbereich auch zur Demokratisierung der Schulen und Durchsetzung von mehr Chancengleichheit. Außerdem finde ich es wichtig, dass Lehrer und Lehrerinnen sich in der GEW organisierten, weil dort Kolleginnen und Kollegen aller Schulformen vertreten sind.

Wie bist du auf die Gewerkschaft aufmerksam geworden?

Ich war schon als Schülerin bei dem 1.Bafög Sternmarsch in Bonn dabei und dann als Studentin aktiv in der Hochschulpolitik. In diesen Auseinandersetzungen war auch die GEW sichtbar.
 
Warum sind Gewerkschaften für deine Arbeit wichtig?

Ein zentrales Anliegen unseres Schulnetzwerkes ist die Auseinandersetzung mit allen Formen von Diskriminierung. Damit meinen wir die Herabwürdigung von Lesben und Schwulen ebenso wie die von Menschen mit Behinderungen. Und insbesondere wenden wir uns gegen jede Form rassistischer Diskriminierung. Dabei geht es um Alltagsrassismus, aber eben auch um den Rassismus, wie ihn die Rechtspopulisten von Pro NRW oder offen neonazistische Kräfte vertreten. In diesen Zielen sind wir mit den DGB Gewerkschaften einig. 

Bei unserer Netzwerkarbeit sind wir auf KooperationspartnerInnen angewiesen, die unsere Schulen in ihren Aktionen unterstützen. Die DGB-KollegInnen, die an den Schulen antifaschistische Aufklärungsarbeit leisten können, sind dabei eine wichtige Hilfe. Außerdem arbeiten über die Bezirksschülervertretungen (BSV) SchülerInnen unserer Netzwerkschulen gemeinsam mit den Gewerkschaften in antifaschistischen Bündnissen zusammen. Und schließlich führen wir einmal im Jahr gemeinsam mit der DGB Jugend ein  LandesschülerInnentreffen in der DGB Jugendbildungsstätte in Hattingen durch, das wir ohne diese Kooperation nicht stemmen könnten.

Warum engagierst du dich bei "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage"?

Ich bin Lehrerin am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Pulheim. Vor 5 Jahren tauchten in der Stadt Autonome Nationalisten und "Pro NRW" direkt vor meiner Schule auf. Nach einer Vielzahl von Aktionen zur Auseinandersetzung mit diesen Kräften wollten die SchülerInnen Kontinuität in ihre Arbeit bringen und sind dabei auf das „Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage“ gestoßen.

Ich war sofort begeistert davon, dass SoR-SmC ein Projekt von SchülerInnen für SchülerInnen sein soll, bei dem LehrerInnen Unterstützung leisten, aber nicht das Sagen haben. Seit 2008 bin ich nur noch mit einer halben Stelle an der Schule und mit der anderen Hälfte als Landeskoordinatorin für Netzwerk bei der "Regionalen Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien" (RAA) Hauptstelle in Essen abgeordnet.
Seither erlebe ich, wie viel Power und Kreativität Kinder und Jugendliche entwickeln, wenn man ihnen Verantwortung überträgt. Das begeistert mich immer wieder.
Außerdem ist es mir als Lehrerin und als Gewerkschafterin ein wichtiges Anliegen, dass Kinder und Jugendliche „Anderssein“ als Bereicherung und nicht als  „Abzuwertendes“ begreifen.

Was wünschst du dir von den Gewerkschaften und was sind deine Ziele bei SmC-SoR?

Das Netzwerk von „Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage“ wächst rasant. Alleine 2010 sind 52 Schulen in NRW dazugekommen und der Trend scheint ungebrochen. Mein Ziel ist es, flächendeckend regionale Netzwerkstrukturen für die mittlerweile 215 Schulen in NRW anbieten zu können. Hierbei geht es um die Organisierung örtlicher oder regionaler Treffen, auf denen sich die SchülerInnen und KollegInnen austauschen können über ihre Projekte und ggfs. auch gemeinsame Aktionen planen können.
Ich wünsche mir, dass sich die Gewerkschaften noch mehr als bisher in die Organisierung solcher Treffen einschalten.


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