Deutscher Gewerkschaftsbund

06.08.2019

Erwerbslosenberatungsstellen

Die Förderung der rund 80 Arbeitslosenzentren in NRW läuft zum 31.12.2020 aus. Minister Laumann will eine Entscheidung zur Weiterförderung bis zum 31.12.2019 bekannt geben. Ob es mit der unabhängigen Beratung weiter geht, ist bisher unklar. Minister Laumann hat in den letzten Monaten mehrfach erklärt, dass eine verstärkte Beratung gegen ausbeuterischer Arbeit und prekäre Beschäftigung in NRW notwendig ist. Die Erwerbslosenberatungsstellen sollen diese Beratungen übernehmen. Damit besteht die Gefahr, dass die bestehenden Beratungsangebote für Langzeitarbeitslose reduziert oder ganz abgeschafft werden. Wenn es wirklich so kommt, wäre es eine fatale Entscheidung:

  1. Trotz positiver Entwicklungen auf dem Arbeitsmarktes in NRW erhalten über 1.1 Mio. Menschen in NRW Hartz-IV-Leistungen. Der Bedarf an unabhängiger Beratung ist also weiterhin hoch. 
  2. Die Beschäftigten der Beratungsstellen sind kompetent, qualifizierte gut vernetzt. Sie leisten eine professionelle Arbeit im Sinne der Langzeitarbeitslosen. Wenn die Berater/innen sich jetzt um eine neue Zielgruppe kümmern, müssen sie sich neue Kompetenzen und Netzwerke aufbauen.
  3. Die unabhängigen Beratungsstellen sind Kooperationspartner der Jobcenter und ergänzen deren Beratungsangebote. Im Konfliktfall tragen sie zur äußergerichtlichen Klärung und Vermittlung zwischen Langzeitarbeitslosen und Jobcenter bei.

Arbeitsminister Laumann hat vollkommen Recht, wenn er auf die Zunahme von prekären Arbeitsbedingungen hinweist und unabhängige Beratungsstrukturen für Betroffene fördern will. Dies darf aber nicht zu Lasten von Langzeitarbeitslosen gehen sondern muss zusätzlich sein. Alternativ könnte er auch über eine Bundesratsinitiative dazu beitragen, dass der Gesetzgeber schärfere Regeln gegen Ausbeutung beschließt. Und er könnte für mehr Kontrollen sorgen, d.h. er könnte sich für mehr Personal beim Zoll oder der Gewerbeaufsicht einsetzten.


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Jörg Mährle

Jörg Mährle

Jörg Mährle

 

Jörg Mährle arbeitet seit 2000 beim DGB in verschiedenen Funktionen. Seit 12/2017 ist er Geschäftsführer der DGB-Region Köln-Bonn. Vorher hat er erfolgreich eine kaufmännische Ausbildung in einem Handwerksbetrieb sowie ein Magisterstudium (Politikwissenschaften, Erziehungswissenschaften und Geografie) abgeschlossen. Er wurde 1966 in Kiel geboren.


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