Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 01/24 - 12.01.2024

"Ihr schuldet uns die Zukunft"

DGB-Region Köln-Bonn

Aykut Ünveren (oben links), Dennis Kleinn unten links), Alina Korte (mitte), Marvin Baumgarten (oben rechts), Till Nüsse (unten rechts)


In der Gewerkschaftsjugend brodelt es. Die abgehobenen mit juristischen Spitzfindigkeiten geführten Debatten über die Schuldenbremse nerven die Jugendlichen. Sie formulieren ihre Ängste, dass durch nicht getätigte Investitionen ihre Zukunft verbaut wird. Die jungen Menschen können das Märchen von der Generationengerechtigkeit, dass man der Jugend keine Schulden hinterlassen dürfe, nicht mehr hören. Sie fürchten sich nicht vor Schulden, sondern vor maroden Schulen, Zügen auf Abstellgleisen, einem kaputt gesparten Bildungssystem, fehlenden, bezahlbaren Wohnraum, De-Industrialisierung und Industriebrachen statt moderner, urbaner Produktion für neue Klimatechnologien. Nachdem die Kölner Gewerkschaften sich kürzlich deutlich dazu geäußert haben, welche weitreichen Konsequenzen durch das Karlsruher Urteil zur Schuldenbremse drohen könnten, melden sich nun Jugendvertreter zu Wort:

Aykut Ünveren, Ortsjugendleiter der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft Köln:
"Ihr schuldet uns die Zukunft. Wer glaubt mit dem Hinweis auf die Schuldenbremse nun die nötigen und überfälligen Investitionen in die Schieneninfrastruktur verhindern zu können, verhindert nicht nur die Verkehrswende. Mit dieser Finanzpolitik verhindert ihr Neueinstellungen und untergrabt die Forderung der EVG Jugend im Jahr 2024 5500 Azubi einzustellen. Das wären 500 mehr als in diesem Jahr. Wenn aber nun die Bahn erneut kaputtgespart wird, die Einstellungen zurückgefahren werden, ist niemandem geholfen am wenigsten der Jugend."

Dennis Klein, Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung der Ford Werke GmbH:
„Ein Berg Schulden ist uns lieber als ein Berg Probleme. Wir stecken noch mitten in der Transformation und haben damit riesige Herausforderungen vor uns. Wir bei Ford Köln wollen ab Sommer nächsten Jahres Elektroautos verkaufen. Damit die Nutzung von E-Autos in Deutschland flächendeckend überhaupt möglich ist, MUSS der Ausbau der Ladeinfrastruktur massiv vorangetrieben werden. Natürlich kostet das Geld, aber wenn wir an dieser Stelle weiterhin so auf der Bremse stehen, stehen nicht nur unsere Arbeitsplätze bei Ford auf dem Spiel, sondern alle Arbeitsplätze in der Automobilindustrie.“

Alina Korte, Vorsitzende der Gesamtjugend- und Auszubildendenvertretung der Stadt Köln:
„Ohne die dringend notwendigen Investitionen für eine nachhaltige Zukunft, bezahlbaren Wohnraum und gute Bildung sind es mal wieder die jungen Menschen, die die Versäumnisse der aktuellen Zeit in der Zukunft heftig zu spüren bekommen werden. Die Grundlage für eine gute Bildung fängt bereits in den Kitas an, wo mehr denn je dringender Handlungsbedarf besteht. Gerade in den sozialen Berufen und im öffentlichen Dienst müssen attraktive Arbeitsbedingungen geschaffen werden, um junge Kolleg*innen langfristig für die Arbeit zu begeistern und neue Fachkräfte zu gewinnen. Dafür braucht es unbedingt die erforderlichen finanziellen Mittel!“

Till Nüsse, BR-Vorsitzender Takeaway Express B.V. & Co. KG, junge NGG Köln:
„Fehlende Investitionen in günstigen Wohnraum erschweren den Übergang in ein selbstständiges Leben. Auch der Klimaschutz braucht starke finanzielle Unterstützung. Die Schuldenbremse gefährdet uns junge Menschen ganz besonders, jeden eingesparten Euro müssen wir in Zukunft doppelt und dreifach ausgeben.“

Marvin Baumgarten, Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung von Ineos Köln:
„Wir fordern von der Politik, dass sie jungen Menschen Sicherheit gibt und der Industrie eine Brücke in eine nachhaltige Zukunft baut. Das sind Investitionen in gut bezahlte Arbeitsplätze mit hohen Standards, die in Tarifverträgen verhandelt sind. Ohne diese Industriearbeitsplätze, ohne meine jungen Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben, setzen wir die Zukunftsfähigkeit des Landes aufs Spiel.“

Dass Nordrhein-Westfalen deutlich zu wenig investiert, um sich für die Zukunft gut aufzustellen hat auch eine Studie, die im Auftrag des DGB NRW erstellt wurde ergeben. Ergebnis der Studie ist: In den fünf untersuchten Bereichen Klimaschutz, Infrastruktur, Wohnen, Gesundheit und Bildung müssen in den nächsten 10 Jahren rund 156 Milliarden Euro öffentlich investiert werden.
Der gewaltige Investitionsstau geht zu Lasten der regionalen Wettbewerbsfähigkeit und der Ansiedlung neuer Arbeitsplätze. Aber nicht nur das: Auch das Vertrauen in unsere Demokratie ist gefährdet, wenn der Staat und seine Institutionen nicht mehr als voll handlungsfähig wahrgenommen werden.

Judith Gövert, Regionsgeschäftsführerin des DGB Köln-Bonn pflichtet den Jugendvertretern bei: „Ich teile die Sorgen der jungen Kollegin und der Kollegen. Wir sehen dringenden Handlungsbedarf. Investitionen dürfen nicht länger als Kosten und Schulden betrachtet werden, sondern als Finanzierung einer guten und gerechten Zukunft. Das sind wir den nachfolgenden Generationen schuldig.“

Zur Investitionsstudie des DGB NRW: https://nrw.dgb.de/-/UNj
Zur Position des DGB Stadtverbands Köln vom 28.11.2023: https://koeln-bonn.dgb.de/-/UMZ


Fotos:
Aykut Ünveren, Foto: EVG Köln
Dennis Klein, Foto: IG Metall Jugend Köln
Till Nüsse, Foto: DGB/Thomas Range
Marvin Baumgarten, Foto: IG BCE Köln-Bonn
Alina Korte, Foto: privat


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