Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 46/21 - 24.11.2021

DGB-Frauen Köln: Häusliche Gewalt hat durch die Folgen der Pandemie zugenommen

DGB-Region Köln-Bonn

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Am 25. November 2021 wird weltweit der Frauen gedacht, die Opfer von Gewalt wurden. Sexualisierte Gewalt gegen Frauen findet jeden Tag statt. In Deutschland wurde jede vierte Frau schon einmal Opfer von Gewalt. Jeden Tag versucht ein (Ex) Partner seine (Ex) Lebensgefährtin zu töten. An jedem dritten Tag wird die Tat vollendet.

Janine Pollex, Vorsitzende des DGB-Stadtfrauenausschusses Köln: „Das ist die Spitze des Eisbergs. Frauen und Mädchen erleben körperliche, psychische und ökonomische Gewalt. Frauen und Mädchen sind von Zwangsheirat bedroht, Mädchen sind von Genitalverstümmelung betroffen. Und die Pandemie hat die Situation noch verschärft. 2020 wurden 158.477 Opfer von häuslicher Gewalt registriert. Im Vorjahr waren die Zahlen um 6% niedriger. Etwa zwei Drittel der von Gewalt betroffenen Personen sind weiblich. Man muss davon ausgehen, dass die Dunkelziffer noch viel höher ist. In Zeiten von Kontaktreduktion, Homeoffice, Kurzarbeit, geschlossenen Kitas und Schulen stehen von Gewalt betroffenen Menschen zum einen unter stärkerer häuslichen Beobachtung, zum anderen sind die Möglichkeiten der Suche nach Unterstützung reduziert. Es fehlt zudem an Interventionsmöglichkeiten von außen.“

Nach Ansicht der DGB-Frauen Köln ist der Zugang zum Hilfesystem während der Pandemie erschwert. Beratungsstellen und Frauenhäuser sind überlastet und zudem nicht ausreichend finanziert.

Kerstin Packert, stellvertretende Vorsitzende der DGB-Frauen Köln: „Gewalt gegen Frauen ist ein strukturelles Problem und kann als solches nur gesamtgesellschaftlich bekämpft werden. Es stehen bereits verschiedene Maßnahmen zur Verfügung, die konsequent umgesetzt werden müssen. Die EU, der Bund, die Länder und auch die Kommunen sind hier gleichermaßen in der Pflicht. Die Istanbul-Konvention des Europarates verpflichtet z.B. die Unterzeichnerstaaten, Frauen vor Gewalt zu schützen. Die Bundesrepublik hat sie längst ratifiziert, hinkt allerdings bei der Umsetzung der Maßnahmen stark hinterher. Es müssen Schutz- und Hilfsmöglichkeiten für von Gewalt betroffenen Frauen bereitgestellt werden. Diese müssen bedarfsgerecht zur Verfügung stehen und sicher finanziert sein. Die Konvention verpflichtet auch zur Prävention. Hierzu müssen geeignete Maßnahmen getroffen werden, welche Frauen wirksam schützen.“

Janine Pollex ergänzt: „Schutz vor Gewalt muss vor allem auf kommunaler Ebene beginnen. Köln verfügt über ein vielfältiges Angebot für von Gewalt betroffenen Frauen – auch dank vielfältigen ehrenamtlichen Engagements. Hier muss sichergestellt werden, dass die Finanzierung auf sicheren Beinen steht und nicht mit jedem Haushalt neu verhandelt werden. Schutz vor Gewalt ist keine sogenannte freiwillige Leistung, sondern reguläre Aufgabe der Kommune. Es ist sicherzustellen, dass jede von Gewalt betroffene Frau die Unterstützung und Hilfe erhält, die sie braucht.“

Kerstin Packert: „Um Gewalt gegen Frauen wirksam zu bekämpfen, ist die tatsächliche Gleichstellung der Geschlechter und die Bekämpfung von Geschlechterstereotypen erforderlich. Wir brauchen eine umfassende soziale Gerechtigkeit mit einer gerechten Aufteilung von Finanzmitteln und der Beseitigung der Geschlechter-Gaps.“


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Jörg Mährle