Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 36/20 - 16.11.2020

30. Mahnwache in Bergisch Gladbach - Botschaft von Walborg Schröder

DGB Köln-Bonn

DGB Köln-Bonn

Erinnern und Handeln!

Die Mahnwache „9. November – Gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus, für Toleranz und soziale Gerechtigkeit“ findet in diesem Jahr aus Coronagründen nicht wie seit nunmehr  29 Jahren an der 1990 in Bergisch Gladbach angebrachten Gedenktafel statt, deren Text lautet: „Auf dem Gelände des ehemaligen Stella-Werkes wurden 1933 durch die SA Kommunisten gefangen gehalten und misshandelt. Jüdische Bürger wurden 1941 hier zwangsinterniert und anschließend in Konzentrationslager deportiert.“ Unser Dank an Magda Gatter und Wolfgang Kondruß, Bergisch Gladbach, den Initiatoren  dieser Gedenktafel!

Ich möchte in einem Internetbeitrag, nächstes Jahr sehen und hören wir uns persönlich wieder, an die tapferen Frauen und Männer aus Bergisch Gladbach erinnern, die von den Nazis in Gefängnisse gesperrt, hingerichtet und in die Emigration getrieben wurden. Wir gedenken ihrer und aller Opfer der Nazigewaltherrschaft. Ihr Kampf darf nicht umsonst gewesen sein. In dem 1979 von Karl Heinz Schröder herausgegebenen Buch „Antifaschisten aus Bergisch Gladbach berichten“ schildern sie, die die Nazibarbarei überlebt haben, ihre schrecklichen immer mit Lebensgefahr verbundenen Erlebnisse in Gefängnissen, Konzentrationslagern und in der Emigration, wie der jüdische Journalist Ismar Heilborn, die Kommunisten Hans Kroll, Carl Schlieper und viele andere. Wir erinnern an den Sozialdemokraten Peter Walterscheidt, der von den Nazis durch die Stadt getrieben wurde, an Trautchen Hamacher, die  im Gefängnis hinter dem Rathaus in Dunkelhaft eingesperrt war, weil sie gegen die Nazis kämpfte und z.B. im Kinderwagen illegale Flugblätter  transportiert hatte. Das hat Heinrich Böll in einem Interview mit ihr dokumentiert. In unserer Stadt  gibt es viele Stolpersteine, die an unsere ermordeten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger erinnern. Halten Sie inne, wenn Sie an einem Stolperstein vorbeikommen. Sprechen Sie über die barbarische Judenvernichtung mit ihren Kindern und Enkeln und lassen Sie nicht zu, dass in unserem Lande wieder gegen Juden gehetzt und ihnen nach dem Leben getrachtet wird.

Ich bin 87 Jahre alt und habe am eigenen Leib erfahren, was Krieg und Faschismus bedeutet. Mein Vater war Lehrer und wurde 1933 von den Nazis aus dem Schuldienst entlassen, weil er in der SPD war und als jüdisch-bolschewistisch Kreatur in der Nazipresse dargestellt. Diesen Presseausschnitt habe ich noch. Das alles hat mich in meiner Lebenseinstellung: „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg! Für Völkerverständigung!“ geprägt. Gemeinsam gegen Nazis!

Bleiben Sie gesund!
Wir sehen uns bei der nächsten Mahnwache im Jahr 2021 wieder!

Walborg Schröder
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (VVN-BdA), Bergisch Gladbach, Mitorganisatorin der Mahnwache seit 1990


Nach oben
Suchbegriff eingeben
Datum eingrenzen
seit bis

Medienanfragen

DGB Köln-Bonn
DGB-Region Köln-Bonn Hans-Böckler-Platz 1 50672 Köln Tel. 0221 - 500032-0 Fax 0221 - 500032-20
weiterlesen …

Meinungen

DGB Köln-Bonn
DGB Köln-Bonn
DGB Köln-Bonn
DGB Köln-Bonn
Jörg Mährle