Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 057/14 - 27.11.2014

Ausbildungsreport der DGB Jugend NRW:Ein Drittel der Auszubildenden klagt über schlechte Bedingungen

In Düsseldorf wurde heute der siebte Ausbildungsreport der DGB Jugend NRW vorgestellt. An der Befragung haben sich auch Auszubildende aus der DGB-Region Köln-Bonn beteiligt. „Über 32 Prozent der Auszubildenden geben an, mit der Qualität ihrer Ausbildung nicht zufrieden zu sein“, erklärt Judith Gövert Jugendbildungsreferentin der DGB-Region Köln-Bonn: „Es ist alarmierend, dass sich der Wert im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht verschlechtert hat.“ Viele Auszubildende litten unter einer unzureichenden Anleitung und regelmäßigen Überstunden. Zudem hätten so viele Jugendliche wie noch nie angegeben, häufig ausbildungsfremde Tätigkeiten leisten zu müssen. „Wenn wir einen Blick auf die Auszubildenden werfen, die über große Mängel in ihrer Ausbildung  klagen, fällt auf, dass ganz bestimmte Berufe besonders schlecht abschneiden“, ergänzt Gövert. „Diese Berufe sind es dann meist auch, die sehr geringe Ausbildungsvergütungen zahlen und die am häufigsten abgebrochen werden.“ 

So erhielten angehende Friseurinnen und Friseure gerade einmal rund 469 Euro Ausbildungsvergütung und landeten beim Qualitätsranking im DGB-Ausbildungsreport auf Platz 19 von 25. Gleichzeitig läge die Vertragslösungsquote mit 44,6 Prozent sehr hoch. „Es gibt also einen engen Zusammenhang zwischen schlechter Ausbildungsqualität, niedriger Vergütung und hoher Auflösungsquote“, so Gövert weiter: „Das heißt aber umgekehrt: Bietet ein Unternehmen gute Ausbildungsbedingungen und eine faire Bezahlung, kann es davon ausgehen, dass es genügend geeignete Bewerberinnen und Bewerber findet und diese ihre Ausbildung mit Erfolg abschließen.“ Ein Beispiel dafür seien angehende Bankkaufleute. Sie bekämen eine Ausbildungsvergütung von 935 Euro, führten das Qualitätsranking im Ausbildungsreport an und hätten gerade einmal eine Abbrecherquote von 6 Prozent. 

„In den schlecht bewerteten Branchen muss die Qualität der Ausbildung nachhaltig verbessert werden“, bilanziert Gövert: „Hier sind neben den einzelnen Unternehmen auch die Kammern gefragt. Sie haben die gesetzliche Aufgabe, die Berufsausbildung zu fördern, zu überwachen und für eine gute Qualität zu sorgen. Wir fordern die Kammern daher auf, ihrer Pflicht stärker nachzukommen und sich intensiver um Qualitätsfragen zu kümmern. Informationen über Ausbildungsabbrüche und Durchfallquoten müssen systematischer ausgewertet und die betroffenen Branchen enger betreut werden.“ Zudem müsse gerade bei den Berufen mit sehr niedrigen Ausbildungsvergütungen auf eine Erhöhung hingearbeitet werden. „Hier sind die Tarifpartner gefragt“, so die Jugendbildungsreferentin Gövert: „Die Gewerkschaften machen sich seit einiger Zeit erfolgreich für eine Verbesserungen der Ausbildungsvergütungen stark. Dieser Trend muss weitergehen und auch die Arbeitgeber sollten einsehen, dass gute Auszubildende auch gute Ausbildungsbedingungen und eine faire Bezahlung brauchen.“ 

Bereits in der vergangenen Woche erschien die Jugendauswertung des Index Gute Arbeit 2014. Sie zeigt, dass die Arbeitsbedingungen für junge Menschen auch nach der Ausbildung oder dem Studium oftmals alarmierend sind. So gaben in der Befragung nur 8% der Jugendlichen an, dass sie unter guten Bedingungen arbeiten, 24% hingegen, dass sie unter schlechten bis sehr schlechten Bedingungen arbeiten würden. 66% der Jugendlichen verdienen weniger als 2500€ Brutto im Monat und das Durchschnittseinkommen beträgt 1.986€ 

 

Hintergrund: Die DGB Jugend NRW hat in diesem Jahr 7.000 Auszubildende in Nordrhein-Westfalen nach der Qualität ihrer Lehrstelle befragt. Wie zufrieden sind die Jugendlichen mit ihrer Ausbildung? Gibt es Mängel? Werden sie angemessen betreut? Und fallen regelmäßig Überstunden an? In den Blick genommen wurden dabei die 25 häufigsten Ausbildungsberufe.

 


Die Jugendauswertung findet sich hier:

https://www.dgb-bestellservice.de/besys_dgb/auswahl.php?volltext=&rubrik%5b%5d=Jugend&suchen.x=6&suchen.y=9

 

Andreas Kossiski
Regionsgeschäftsführer DGB Region Köln-Bonn 

Ansprechpartner:
Karin Bernhardt, DGB Köln-Bonn, Hans-Böckler-Platz 1, 50672 Köln, 0221/ 500032-0,

Karin.Bernhardt@dgb.de


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