Deutscher Gewerkschaftsbund

PM GEW Köln - 18.05.2020

GEW Köln: Bildungspolitischer Lobbyismus ignoriert den Elternwillen

Am 14. Mai 2020 hat der Rat der Stadt Köln über die Stellungnahmen der Bezirksvertretungen zur Vorlage  der Schulverwaltung  zur „Fortschreibung der Schulentwicklungsplanung Köln 2020“  diskutiert.  Die Verwaltung hat eine umfangreiche Vorlage erarbeitet, die die Ergebnisse der 2019 veröffentlichten kleinräumigen städtischen Bevölkerungsberechnung berücksichtigen soll und „die Schulstruktur der Nachfrage entsprechend angepasst werden kann“. Diese Vorlage soll auf der nächsten Sitzung des Ausschusses Schule und Weiterbildung am 25.5.2020 diskutiert und auf der Ratssitzung am 18.6. verabschiedet werden.

Dazu erklärt Klaus Minartz im Namen des Arbeitskreises Schulentwicklung der GEW Köln: "Die GEW Köln sieht in den Vorschlägen zur Entwicklung der Gymnasial- und Gesamtschullandschaft in Köln eine klare Ignorierung des Elternwillens nach mehr Gesamtschulen in Köln. Unsere Analyse der Anmelde – und Aufnahmezahlen für die Gesamtschulen und Gymnasien für das Schuljahr 2020/21 lassen die gezogenen Schlussfolgerungen der Verwaltung unter dem Deckmantel der Gleichbehandlung von Gymnasien und Gesamtschulen als bildungspolitischen Lobbyismus erkennen. Die GEW schlägt zusammen mit der Initiative „Gesamtschule Rondorf“ für einen tatsächlich bedarfsgerechten Ausbau als ersten Schritt 4 neue Gesamtschulen (darunter eine Gesamtschule in Rondorf) und 2 neue Gymnasien vor."

Der Arbeitskreis Schulentwicklung der GEW sieht folgende Probleme:

Ein erstes Problem: In einem Antrag  der SPD , der Grünen, der Linken und einem Einzelvertreter Deine Freunde zur Sitzung der Bezirksvertretung  Ehrenfeld am 11.5.2020 wird darauf hingewiesen, dass „die Bevölkerungsprognose 2030 für den Stadtbezirk Ehrenfeld  … die erst für 2030 prognostizierten Zahlen bereits 2019 nahezu erreicht. “ 

Wie sieht die reale Bevölkerungsentwicklung in den anderen Stadtbezirken aus?

Ein zweites Problem: Die Schulverwaltung hatte nach der Elternbefragung 2012 zur Schulformwahl eine aktuelle Elternbefragung angekündigt, diese jedoch nicht durchgeführt mit Verweis auf die Bevölkerungsprognose 2030, obwohl Schulformwünsche bei Bevölkerungsprognosen nicht erhoben werden.

Ein drittes Problem: Bei der „Bilanzierung des Anmeldeverfahrens für die weiterführenden Schulen“ wird ignoriert, dass seit dem Schuljahr 2006/07 jedes Jahr im Durchschnitt ca. 800 Schüler*innen von Gesamtschulen abgelehnt werden mussten, da diese ausgelastet sind. Offensichtlich wird dies bei den Planungen nicht berücksichtigt. So wird im Kapitel 4.1 beschrieben, dass die „Übergänge auf eine Gesamtschule sukzessive von 15% auf nunmehr 25% angestiegen“ sind. Berücksichtigt man – was fachlich korrekt wäre – die Anzahl der Anmeldungen, so wären ca. 38% auf eine Gesamtschule gewechselt. Diese Verzerrung hat bei den Schulplanungen schon lange System. Jedes Schuljahr können alle Gymnasial-anmeldungen realisiert werden (wenn auch nicht immer am Wunschort), die Abweisungen an Gesamtschulen bleiben aber bestehen.

So setzt sich bildungspolitischer Lobbyismus durch, der sich in einem „vorgezogenen Fazit der folgenden Analyse der Herausforderungen der Gesamtschul – und Gymnasiallandschaft in Köln (…) nach Einschätzung der Verwaltung …“  manifestiert:

„Es werden in Köln sowohl mehr Gesamtschulplätze als auch mehr Gymnasialplätze benötigt, [was stimmt, so Minartz] und zwar gleich dringlich und gleichberechtigt in der zeitlichen Perspektive. [was nach GEW- Einschätzung nicht stimmt, so Minartz] Das Ziel sollte sein, in einem ersten Schritt 3 neue Gesamtschulen und 3 neue Gymnasien – wenn irgend möglich – bis zum Schuljahr 2023/24 vorgezogen an den (Interims-) Start zu bringen, und in einem zweiten Schritt, in Idealfall bis zum Schuljahr 2025/26 weitere 3 neue Gesamtschulen und 3 neue Gymnasien. Im dann folgenden dritten Schritt sollte die weiteren erforderlichen 5 Gesamtschulen (vor allem in den großen neuen Wohnbaugebieten) folgen.“

Ein viertes Problem: Unter ideal verlaufenden Bedingungen  „… könnten im Schuljahr 2029/30 Angebot und Nachfrage von bzw. nach Gesamtschulplätzen in den Eingangsklassen ausgeglichen, also alle Anmeldungen auch angenommen werden und es müssten keine Kinder mehr abgewiesen werden. Dies gilt allerdings nur unter der einschränkenden Bedingung, dass der prozentuale Anteil der Kinder und Eltern im Übergang von Grundschulen auf weiterführende Schulen zukünftig konstant bliebe. In der Abschätzung der zukünftigen Anmeldezahlen wird hier zunächst angenommen, dass unter Berücksichtigung der in den Schuljahren prognostizierten Zahl der 10-jährigen zukünftig anteilig für genauso viele Kinder Anmeldungen an den Kölner Gesamtschulen vorgenommen werden, wie zuletzt.“

Dazu Klaus Minartz vom Arbeitskreis Schulentwicklung der GEW:

„Im Schuljahr 2029/30 (!), also erst in ca. 10 Jahren, würden die Anmeldungen bei den Gesamtschulen dann so behandelt werden wie schon immer ganz selbstverständlich bei den Gymnasien – wo Rat und  Verwaltung dafür sorgen, dass alle angemeldeten Schüler*innen auch tatsächlich ein Gymnasium besuchen können. Und wenn dann 160 Schüler*innen nicht an einem Gymnasium ihrer ersten oder zweiten Wahl angenommen werden können, sondern auf ein anderes wechseln müssen, dann beauftragt der Schulausschuss des Stadtrates Presseberichten von Ende April 2020 zufolge die Verwaltung sich noch einmal um das Anliegen der betroffenen Familien zu kümmern und mit der Bezirksregierung nach Lösungen zu suchen.“

„Gut so,“ bewertet dies Klaus Minartz, „aber warum nicht dieselbe Fürsorge für die abgelehnten Gesamtschüler*innen, die auf eine andere, von ihnen nicht gewollte Schulform wechseln mussten? Und warum nicht eine Abstimmung für einen bedarfsgerechten schnelleren Ausbau der Gesamtschullandschaft?  Etwa: 4 neue Gesamtschulen (eine davon in Rondorf) und 2 neue Gymnasien im ersten Schritt.“

Anmerkung: Alle kursiv gedruckten Zitate sind aus der Beschlussvorlage der Oberbürgermeisterin vom 9.3.2020 für den Ausschuss Schule und Weiterbildung (ASW) (25.5.2020) und den Rat (18.6.2020)  und den Anlagen dazu: Betreff „Fortschreibung der Schulentwicklungsplanung Köln 2020“, Vorlagennummer 0418/2020

Quelle: GEW Köln


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