Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 28/20 - 11.09.2020

Arm trotz Arbeit - das Ergebnis langjähriger Niedriglohnpolitik

DGB fordert endlich faire Löhne für alle Beschäftigten

In der Region Köln-Bonn und Umland mussten im letzten Jahr 24.006 Menschen trotz einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zusätzlich aufstockende Leistungen vom Jobcenter in Anspruch nehmen, weil ihr Einkommen nicht ihre Existenz gesichert hat. Das geht aus einer DGB-Auswertung der Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervor.

„Jeder vierte bis fünfte, der zusätzliche Leistungen erhielt, hatte sogar einen Vollzeitjob. Vollzeit zu arbeiten und trotzdem zum Amt zu müssen, ist entwürdigend“, erklärt Jörg Mährle, Regions-geschäftsführer vom DGB Köln-Bonn: „Betriebe, die so mit ihren Beschäftigten umgehen, missbrauchen den Staat als Lückenbüßer für ihre niedrigen Löhne“, so Mährle weiter.

Zunehmend gehen Arbeitgeber dazu über, Arbeitsplätze nur noch in Form von atypischer Beschäftigung anzubieten, also zum Beispiel in Teilzeit, Minijobs oder Leiharbeit. Dies erhöht für die Arbeitgeber die betriebliche Flexibilität, führt aber dazu, dass noch mehr Beschäftigte nicht von ihrem Einkommen leben können. So ist in der Region Köln-Bonn die Zahl der Beschäftigten um 13.900 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Allerdings war dieser Anstieg überwiegend auf einen Zuwachs bei der Teilzeitbeschäftigung zurückzuführen. Das führt parallel zu einem Anstieg derer, die auf Grund des Teilzeitjobs Hilfe durch das Jobcenter beantragen mussten. 15.578 Beschäftigte in Teilzeitjobs waren in der DGB Region Köln-Bonn am Ende des vergangenen Jahres davon betroffen. „Vor allem bei unfreiwilliger Teilzeit ist das für die Betroffenen bitter: Sie wollen mehr arbeiten, dürfen aber nicht. Dieser Trend muss gestoppt werden“, sagte Mährle“.

„Besonders hoch ist die Aufstockungsquote bei Minijobs als Hauptbeschäftigung. Es ist inzwischen nachgewiesen, dass Minijobs nicht geeignet sind als Brücke in existenzsichernde Vollzeitbeschäftigung. Sie bieten viele Fehlanreize, die verhindern, dass Betroffene dauerhaft aus dem Hartz-IV-System herauskommen.  16.266 Minijobber*innen mussten in der Region aufstockende Leistungen in Anspruch nehmen. Das überholte Minijobmodell muss deswegen beendet werden. Spätestens in der nächsten Legislaturperiode muss dies auf die Agenda der Bundesregierung“, fordert Mährle.

Der DGB fordert deshalb: „Wer arbeitet, soll sich und seine Familie davon versorgen können, und zwar jetzt und später bei der Rente. Die Bundesregierung muss alles dafür tun, den Niedriglohnsumpf trocken zu legen. Das heißt, der Mindestlohn muss endlich rauf auf 12 Euro“, so Mährle.

Die DGB Region Köln-Bonn umfasst die Städte Bonn, Köln und Leverkusen, sowie den Rhein-Erft-Kreis, den Oberbergischen Kreis, den Rheinisch Bergischen Kreis und den Rhein-Sieg-Kreis.


V.i.S.d.P.: DGB-Region Köln-Bonn, Hans-Böckler-Platz 1, 50672 Köln, 0221/ 500032-0, koeln@dgb.de

 

 


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