Deutscher Gewerkschaftsbund

10.11.2014
Mahnwache 8.11.2014 in Bergisch Gladbach

Rede von Reimund Smollen (DGB Rhein-Berg)

Es gilt das gesprochene Wort!

Guten Tag, danke, dass Sie gekommen sind. Mein Name ist Reimund Smollen. Ich nehme als Mitglied der Gewerkschaft Verdi im DGB-Netzwerk vom Rheinisch-Bergischen Kreis in Bergisch Gladbach an dieser Veranstaltung teil und werde Sie heute durchs Programm führen. Heute wollen wir zum 24. Mal in Bergisch Gladbach an die Reichspogromnacht im November 1938 gedenken. Leider kann unsere Mitstreiterin Walborg Schröder, die diese Veranstaltung vor 24 Jahren mit begründet hat, das erste Mal aus gesundheitlichen Gründen nicht mit dabei sein. Aber sie ist auf dem Weg der Besserung und hat für nächstes Jahr, für die 25. Veranstaltung bereits tolle Ideen. Ich soll Sie von ihr herzlichst Grüßen.

Auch sind einige Leute entschuldigt, die regelmäßig an dieser Mahnwache teilgenommen haben, die aber aus wichtigem Grund heute nicht hier sein können, weil die SPD-Fraktion von Bergisch Gladbach heute eine Klausurtagung durchführt und bei der Gewerkschaft Verdi eine Bezirkskonferenz mit Wahlen stattfindet. Leider konnten wir diesmal niemanden finden, die oder der für die Bezirksschüler|nnenvertretung ein Wort beitragen könnte.

Schön ist aber, dass Sie heute alle hier sind und mit uns gemeinsam an den 9. November gedenken. Schön ist auch, dass mit Josef Willnecker wieder ein offizieller Vertreter der Stadt Bergisch Gladbach ein Grußwort halten wird und damit deutlich macht, dass diese Mahnwache ein fester Bestandteil in dieser Stadt ist. Ich freue mich sehr, dass der Vorsitzende des Integrationsrates heute hier sprechen wird, denn mit der Mahnwache wollen wir nicht nur an die Vergangenheit erinnern, sondern auch Brücken in die Zukunft bauen. Der Titel der Mahnwache – Gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus, für Toleranz und soziale Gerechtigkeit“ macht das sehr deutlich. Und ich freue mich, dass Helene Hammelrath ein Grußwort hält. Helene Hammelrath ist der Mahnwache seit Jahren sehr verbunden und hat in der Vergangenheit mehrfach als Vertreterin der Stadt hier gesprochen.

Ich möchte kein Vorwort halten, weil Sie mich auch nochmal zum Ende hören werden und alles weitere in den vorgesehenen Redebeiträgen zu hören ist.

DGB-Region Köln-Bonn

DGB-Region Köln-Bonn

Reimund Smollen, DGB Rhein-Berg: "Schön ist, dass Sie heute alle hier sind und mit uns gemeinsam an den 9. November gedenken. Schön ist auch, dass mit Josef Willnecker wieder ein offizieller Vertreter der Stadt Bergisch Gladbach ein Grußwort halten wird und damit deutlich macht, dass diese Mahnwache ein fester Bestandteil in dieser Stadt ist."

Abschlussrede von Reimund Smollen:

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, Bürgerinnen und Bürger, wir haben heute einige Gedenkreden zu den Verbrechen gehört, die zur Zeit der Diktatur der NSDAP in Deutschland und auch hier in Bergisch Gladbach passierten. Wir gedenken heute wieder als Mahnung daran, dass derartiges nicht wieder passieren soll! Nur nicht in Deutschland? Mahnende Gedenkreden sind gut! Aber was bewirken sie eigentlich in unserem Verhalten?  Wie verhalten wir uns tatsächlich heute gegenüber Bürgerinnen und Bürgern, die nicht aus Deutschland stammen?

Wir brauchen sie oft zum billigen Arbeiten. Zum Beispiel in den Schlachthöfen werden von Fleischkonzernen selbständige Subunternehmer aus den ärmsten Ländern unseres gemeinsamen Europas beschäftigt zu einem Preis, der weit unter den Löhnen liegt, den unsere bundesdeutschen Beschäftigten im selben Betrieb erhalten. Der Arbeitsschutz wird dabei wohlweislich übersehen. Es erfolgt keine Anmeldung in unserer gesetzlichen Sozialversicherung. Lohnfortzahlung bei Krankheit und Arbeitsunfall wird nicht gezahlt. Dafür werden diese Leute auch noch zum Wohnen in Behausungen untergebracht, wo unsereiner sich schon nicht traut hinzugehen, geschweige denn wohnen würde, weil dies nicht mehr als Wohnen bezeichnet werden kann. Nur damit wir billigeres Fleisch essen können und sich die Unternehmer die Taschen vollstopfen und bei Fussballvereinen, weil es ja Volkssport ist, als gönnerhafte Sponsoren aufspielen können.

Wer macht dagegen den Mund auf? Wer leistet dagegen legalen tatkrätigen Widerstand? In einer Fernsehsendung wurde letzte Woche gezeigt, dass es doch noch Leute in Deutschland gibt, die aufstehen und sich dafür einsetzen, dass diese Arbeiter wie Menschen behandelt werden. In Rheda-Wiedenbrück haben drei Frauen ein Jahr dafür mit allen ihnen zur Verfügung stehen legalen Möglichkeiten gekämpft, dass die bulgarischen Arbeiter der dortigen Fleischfabrik bei Lohn, Versicherung, Arbeitsrecht und Unterkunft behandelt werden, wie deutsche Arbeiter dort auch. Was ihnen dabei für Hindernisse in den Weg gelegt und für Unwillen seitens einiger ehrenwerter Ortspolitiker und Bürger entgegengebracht wurde, ist menschenverachtend und diskriminierend und damit letztlich der Anfang von Fremdenfeindlichkeit! Schon hier gilt: Wehret den Anfängen! Die drei Frauen haben NICHT aufgegeben. Sie haben mit ihrer unermüdlichen Informationsarbeit in der Öffentlichkeit Mitstreiter gefunden und die betreffende Firmenleitung und Politiker zu einem Umdenken gezwungen. Die betreffenden Arbeiter sind zwar noch nicht in allen Punkten gleichgestellt, aber sie werden in fast allen Angelegenheiten jetzt so behandelt, dass von einem menschenwürdigen Leben gesprochen werden kann. Und sie sind echt zufrieden damit.

So eine Courage zeigt Mut. Mut brauchen wir, um gegen Unterdrückung und Diktatur vorzugehen. Und den Mut, zum gerechten Handeln, sollten wir aus den widerwärtigen Vorkommnissen der vergangenen Diktatur in unserem Land und an dieser Stelle hier mitnehmen für unser weiteres Leben. Mut sollen auch unsere ausländischen Bürger in ihr jeweiliges Heimatland tragen, damit sie sich dort gegen diktatorische oder ausbeutende Regime einsetzen. Wichtig ist dabei: Das Handeln eines Menschen darf nicht zum Schaden eines anderen Menschen sein. Wir sollen unser Vermögen und Wissen auch zum Wohle unserer Mitmenschen einsetzen. Wenn dies von allen Menschen hier berücksichtigt wird, können wir alle ein gutes Gedenken von diesem Mahnmal hier mit nach Hause nehmen. Ich wünsche ihnen jetzt noch ein angenehmes Wochenende.


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