Deutscher Gewerkschaftsbund

18.02.2022

Nachgefragt: Die neuen Vorsitzenden der DGB-Jugend Köln stellen sich vor

DGB-Jugend Köln

Marc van Oirschot und Sercan Karaagac DGB-Jugend Köln

Die DGB-Jugend Köln hat einen neuen Vorsitz gewählt. Sercan Karaagac (GEW) wurde zum Vorsitzenden und Marc van Oirschot (IG BCE) zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Wir haben mit den beiden über ihr ehrenamtliches Engagement in der Gewerkschaft sowie über die Pläne und Aufgaben für die Zukunft gesprochen.

Frage: Was sind Eure bisherigen Lebenswege?

Sercan:
Ich bin `ne waschechte Kölsche Jung mit Migrationshintergrund. Ursprünglich kommt meine Familie aus dem kurdischen Teil der Türkei. Ich bin in Köln geboren und aufgewachsen. Nach meinen Realschulabschluss habe ich mein Fachabitur und ein FSJ gemacht, aktuell bin ich an meinem letzten Abi-Jahr dran.

Marc: Geboren wurde ich in Kempen am Niederrhein. In der Realschule habe ich meine Liebe für die Fächer Mathematik, Naturwissenschaften und Technik entdeckt. Ganz besonders hat mich dabei die Chemie begeistert, weshalb für mich in der Realschule schnell feststand, dass ich später mal in der Chemie arbeiten werde. Entsprechend habe ich nach dem Realschulabschluss eine Ausbildung zum Chemielaboranten begonnen, welche ich 2017 erfolgreich abgeschlossen habe. Neben der Ausbildung habe ich am Berufskolleg Stadtmitte in Mühlheim an der Ruhr mein Fachabitur erworben.

Frage: Wie bist Du zur Gewerkschaft gekommen?

Sercan:
Das war für mich selbstverständlich! Meine Eltern haben mich schon als Kind immer zu Demos oder Mitgliederversammlungen mitgenommen. Ob es eine Demo von Ver.di zur Situation der Erzieher_innen oder eine Mitgliederversammlung der IG Metall war, wenn meine Eltern gingen, war ich auch dabei. Deshalb war der Schritt Gewerkschaftsmitglied zu werden, wirklich kein großer.

Marc: Im ersten Ausbildungsmonat hat mein damaliger Betriebsratsvorsitzender alle neuen Auszubildenden eingeladen. Bei diesem Treffen hat er uns kurz die Vorteile der Gewerkschaft erklärt. Die Tatsache, mit meiner Mitgliedschaft in der Gewerkschaft dafür zu sorgen, dass die Arbeitswelt solidarischer wird, ist eine hervorragende Sache, wovon nicht nur ich, sondern auch meine Kolleg_innen profitieren. Zusammen mit den Leistungen war ich direkt davon überzeugt, die Gewerkschaft ist ein Mehrwert und spiegelt meine Werte wider, da trete ich gerne ein.

Frage: Warum engagiert Ihr Euch in der Gewerkschaft?

Sercan:
Weil gewerkschaftliche Arbeit wichtig ist! Unsere Gewerkschaften streiten für die Rechte von Arbeitnehmer_innen und sorgen dadurch für mehr Gerechtigkeit. Ohne den massiven Druck der Gewerkschaften hätte es z.B. den Mindestlohn nie gegeben. Dieser Druck auf die Politik ist superwichtig! Auch jetzt noch, wenn es um die Umsetzung des elternunabhängigen BAföG oder der umlagefinanzierten Ausbildungsplatzgarantie geht.

Marc: Leider musste ich auch schon in Betrieben erleben, dass nicht vom jedem unsere Werte Solidarität und Antirassismus gelebt werden. Ebenso berichten mir Kolleg_innen immer wieder davon, dass gute Arbeitsbedingungen auch in Deutschland nicht gelebter Standard sind. Zudem beschäftigt viele Kolleg_innen die Transformation der chemischen Industrie und die Industrie 4.0. Nur gemeinsam können wir diese Herausforderungen im Sinne der Arbeitnehmer_innen meistern.

Frage: Warum engagiert Ihr Euch beim DGB?

Sercan:
Der DGB war meine erste gewerkschaftliche Anlaufstelle. Es macht viel Spaß mich mit Kolleg_innen aus anderen Betrieben und Fachrichtungen auszutauschen und Lösungen für gemeinsame Probleme zu suchen. Der DGB ist das große Zusammenkommen vieler Gleichgesinnter.

Marc: Gegenüber der Politik sind wir als großer Gewerkschaftsbund viel stärker, als würden wir nur als Einzelgewerkschaft auftreten. Während die allgemeinpolitische Arbeit in den Einzelgewerkschaften schnell einmal zu kurz kommen kann, ist im DGB hierfür Raum und Platz, um unsere Ideen für ein gerechteres Deutschland wachsen zu lassen. Auch der Austausch mit anderen Gewerkschaften liegt mir sehr am Herzen.

Frage: Was sind Eure zukünftigen Ziele mit dem Stadtjugendausschuss?

Sercan:
In diesem Jahr haben wir uns viel vorgenommen. Die Landtagswahl steht an und wir wollen einen klaren Kurswechsel der Landesregierung. Mehr Wohnungsbau für Azubis, Studis und Schüler_innen, mehr Bildungsgerechtigkeit und mehr Teilhabe für marginalisierte Gruppen. Aber natürlich gibt es auch die Zeit nach der Wahl und in dieser möchte ich mich stark mit der Mitgliedergewinnung beschäftigen.

Marc: In diesem Jahr werden wir uns auch mit der Landtagswahl beschäftigen. Dazu werden wir klare Ziele formulieren, und diese dann an junge Politiker_innen aus unserer Region herantragen. Bei dem Austausch, aber auch allgemein, werden wir uns dieses Jahr vor allen um günstigen Wohnraum für Azubis und Studierende, Chancengleichheit im Bildungssystem, Gleichberechtigung für alle Menschen egal welche Abstammung oder sexuellen Orientierung diese haben, die Transformation der Wirtschaft und ein bezahlbares und attraktiveres Angebot von Bus & Bahn.

Wir danken Euch für das Gespräch und wünschen Euch viel Erfolg für die neue Aufgabe.

Ansprechpartnerin: Laura Knöchel, laura.knoechel@dgb.de, 0221-500032-11


Hinweis: In der Reihe „Nachgefragt“ veröffentlichen wir in unregelmäßigen Abständen ausführliche Stellungnahmen und Positionen von gewerkschaftlichen Expert*innen aus der Region Köln-Bonn. „Nachgefragt“ bietet nicht nur ausführliche Hintergrundinformationen, sondern spiegelt immer auch die persönliche Sichtweise der jeweiligen Expert*innen wider. Die Texte können für Medienberichterstattungen genutzt werden. Weitere Veröffentlichungen aus der Reihe „Nachgefragt“ finden Sie auf unserer Internetseite www.koeln-bonn.dgb.de/nachgefragt. Dort können Sie „Nachgefragt“ auch als RSS-Feed abonnieren.

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