Deutscher Gewerkschaftsbund

30.07.2013

Jugend macht Ansagen - für mehr Lohngerechtigkeit - mit Bart oder ohne


Ein paar Fakten für NRW: Frauen verdienen Brutto durchschnittlich 25 % weniger als Männer. Jede dritte Frau arbeitet im Niedriglohnsektor, bei den Männern ist es „nur“ jeder siebte. Mehr als 2/3 der Frauen arbeiten in Minijobs, die nicht sozialversicherungspflichtig sind. In den sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen arbeiten über 35 % der Frauen, oft unfreiwillig, nur in Teilzeit. Bei den Männern sind es gerade einmal 6 %. Auch verdienen männliche Führungskräfte gut 20.000 € mehr im Jahr als weibliche.

Gleicher Lohn und Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt und auf der Karriereleiter sind nicht gegeben. Frauen sind in der Arbeitswelt nach wie vor benachteiligt. Zu dem niedrigen Verdienst kommt hinzu, dass Frauen ein weit aus höheres Risiko tragen, in Altersarmut zu geraten. In NRW erhalten Frauen im Durchschnitt gerade einmal 491 € Altersrente, der Durchschnitt bei den Männern liegt bei 975 €.

Um auf diese Missstände aufmerksam zu machen, hat die DGB Jugend Köln am Samstag den 20. Juli 2013 eine Flyeraktion in der Kölner Innenstadt durchgeführt. Die Aktion lief unter dem Titel: „Muss ich einen Bart tragen, um gerecht bezahlt zu werden?“

Mit aufgeklebten Bärten mischten sich die Gewerkschafter*innen unter die einkaufsfreudigen Menschen. „Als wir den FrauenDatenReport 2013 des DGB NRW im Stadtjugendausschuss auf die Tagesordnung gesetzt haben, waren sich weibliche und männliche Delegierte schnell einig, dass die Zahlen in die Öffentlichkeit getragen werden müssen.“ berichtet Judith Gövert, die Jugendbildungsreferentin des DGB Köln-Bonn. So entstand die Idee der Bärte-Aktion.

Auf jeden Fall haben die jungen Frauen mit den falschen Bärten Aufmerksamkeit und Interesse an dem Anliegen geweckt. „Mit unserer Aktion konnten wir uns direkt mit den Passantinnen und Passanten unterhalten und gemeinsam in Diskussion treten“ berichtet Fina Macula, die Vorsitzende der DGB Jugend Köln. „Interessant war zu erkennen, dass vor allem junge Menschen für das Thema sehr empfänglich waren und wissen wollten was sie aktiv zur Unterstützung beitragen können“.

Wir fordern einen Lohn von mindestens 8,50 € die Stunde. Minijobs müssen grundlegend reformiert werden. Sozialversicherungen müssen ab dem ersten Euro gezahlt werden. Job und Familie müssen besser vereinbar sein, das heißt auch, dass die Betreuungsinfrastruktur ausgebaut werden muss. Abgeschafft gehört das Betreuungsgeld, es fördert die konservative Rollenverteilung und gibt Anreize die Berufstätigkeit, gerade von Frauen zu verhindern. Hier sind sich Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände einig. Die Betriebe und Unternehmen müssen stärken in die Verantwortung für geschlechtergerechte Lohn- und Arbeitsstruktur genommen werden. Zudem muss es einen Anspruch auf die Rückkehr aus der Teilzeit- in die Vollbeschäftigung geben, z.B. bei der Wahrnehmung von Elternzeit. Wir fordern zudem eine Frauenquote in Führungspositionen.

Knapp auf der Hälfte des geplanten Weges vom Hauptbahnhof über die Hohe Straße auf die Schildergasse zum Neumarkt haben wir die über 1000 Flyer an die Passant*innen gebracht. Für die DGB Jugend Köln zeigt die Flyeraktion, dass es für das Thema Geschlechtergerechtigkeit in der Arbeitswelt eine hohe Sensibilität und auch ein großes Interesse gibt. Jedoch besteht immer noch Gesprächs- und Aufklärungsbedarf.

Für Fina lautet das Fazit zu dem Samstag „Ein erster Anfang ist getan! Jetzt heißt es dran bleiben.“

Antonia Rabente, stellvertretende Vorsitzende der DGB Jugend Köln


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