Deutscher Gewerkschaftsbund

02.05.2019
1. Mai 2019 in Siegburg

Rede von Gesa Steinseifer und Phillip Jochmann

+++ Es gilt das gesprochene Wort +++


Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste. Wir möchten euch alle herzlich begrüßen.

Wir vom Ortsjugendausschuss sind Auszubildende, junge ArbeitnehmerInnen und Studierende, manche von uns sind Jugend- und AuszubildendenvertreterInnen oder Vertrauensleute im Betrieb. Vor allem aber haben wir Lust uns zu engagieren und politisch und gewerkschaftlich aktiv zu sein. Es gibt bei uns einen überbetrieblichen Austausch, wir planen eigene Aktionen und nehmen auch an bundesweiten großen Veranstaltungen teil.

Ich bin Gesa Steinseifer, 23 Jahre, Studentin und Teil des Leitungskollektivs des Ortjungendausschusses.

Und ich bin Phillip Jochmann, 25 Jahre, auch Student im OJA aktiv und ehemaliger BR eines münsterländlichen Unternehmens.

Europa wählt, am 26.05. Eine Wahl die unsere Zukunft stark beeinflussen wird. Denn Europa steht am Scheideweg, rücken wir zusammen als Europa oder weiter auseinander.

Europa bedeutet Frieden und Sicherheit, für 27 Länder. In Deutschland haben wir das Glück mittlerweile mehrere Generationen, die keinen Krieg erlebt haben und genau das ist eine der größten Errungenschaften der EU aber auch der Menschheit.

Aber auch wirtschaftliche Sicherheit kommt durch die EU bei uns an. Menschen können ihr Leben planen und starke Einschnitte werden, zu mindestens meistens, planbar.

Für uns als Jugend ist aber auch die Freizügigkeit wichtig. Wir können reisen. Wir kennen keine Mauer in Deutschland und auch nicht an den Ländergrenzen und das ist verdammt nochmal GUT so.

Aber es gibt Menschen in unserem schönen Europa und unserer Welt, die wieder Mauern aufbauen wollen, Zäune ziehen und Grenzen aufbauen wollen, und der Brexit ist nur die Spitze des Eisberges.

Auch andere Länder und Rechte Vollidioten rufen nach einem Exit aus der EU oder wollen die EU stark abschaffen.

Auch wenn diese stimmen nicht die Mehrheit sind, werden diese Lauter und wollen uns auseinandertreiben.

Aber die Gewerkschaften lassen sich nicht treiben, wir dürfen uns nicht treiben lassen.

Wir müssen gestalten.

Natürlich ist an der EU nicht alles gut, aber wir müssen die positiven Punkte nehmen und die schlechten verbessern, reformieren statt zertrümmern ist unser Mittel der Wahl.

Soziales Europa statt Wirtschaftseuropa ist unsere Antwort!

Und wir wollen keine Festung Europa. Wir stehen für einen sozialen Weg für einen guten Weg! Für faire Arbeit und faire Entgelte. Eben ein soziales Europa! Ein lebenswertes Europa. Ein Arbeitnehmerinnen Europa und kein Kapital Europa!

Was aber passiert, wenn Gewerkschaften sich treiben lassen, haben wir in der Geschichte gelernt. Im Haus hinter uns ist ein Bild was zeigt, wenn Rechte an der Macht sind. Wir Gewerkschafterinnen werden abgeführt und werden als Bedrohung angesehen und ich sage wir sind eine Bedrohung eben für diese Rechten. Denn wir lassen uns nicht treiben. Genau deswegen müssen wir den rechten Hetzern KLARE KANTE zeigen und mit Herz und Verstand handeln.

Denn, auch wenn sich die Rechten „Alternativen“ sich den „Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern nah zeigt. So handeln sie doch gegen uns!

Sie handeln für das Kapital und nicht für die Menschen. Wie das aussieht sehen wir doch in Österreich 12 Stunden Tage, die Jugend- und Ausbildungsvertretungen wurden versucht abzuschaffen, zum Glück konnten das aber unsere Kolleginnen und Kollegen verhindern.

Und genau den Gewerkschafterinnen, die sich einsetzen wird verboten das Land zu verlassen. Wir haben es erlebt, früher wurden unsere Kolleginnen und Kollegen ins KZ gebracht. Bisher wird nur die Ausreise in andere Länder verboten, und das innereuropäisch. So etwas darf es nicht geben!

Wir dürfen das nicht zu lassen und wir müssen uns europäisch organisieren und dagegenhalten und solidarisieren. Das auch die Rechten Regierungen, die wir schon in Europa haben, wieder zurück drängen.

Daher geht wählen, organisiert euch und lasst uns europäisch zusammenrücken. Denn sonst sind wir Schuld, wenn Europa zerbricht und unsere hart erkämpften Errungenschaften der Geschichte und der Menschlichkeit zerstört werden.

Lasst uns Europa besser machen!

Gesa: Zukunft Europa für die Jugend, Gleichberechtigung (equal pay-day teiltzeit, care jobs) (Verweis FRAUENWAHLRECHT, Frauenkampftag (Berlin), arbeitserlaubnis des mannes (70er)

Die EU hat viel dazu beigetragen, dass Frauen und Männer die gleichen Rechte bekommen.

Und trotzdem sind wir in den einzelnen EU-ländern noch immer weit von einer echten Geschlechtergerechtigkeit entfernt.

Schauen wir uns nur mal Deutschland an:

Die unbereinigte Lohnlücke zwischen Frauen und Männern liegt bei 21 Prozent. Und diese Lücke ist seit Jahrzenten konstant und eine der größten in Europa. Das ist ein Skandal!

Arbeitgeber reden diese 21 Prozent gerne klein, mit den typischen Argumenten wie: Frauen wählen doch selbst die schlechter bezahlten Jobs; Oder: Frauen arbeiten doch freiwillig in Teilzeit, natürlich verdienen sie dann weniger, das ist aber Quatsch.

Warum werden typische Frauenberufe so viel schlechter bezahlt, als die typischen Männerberufe, obwohl Pflege, Soziales und Erziehung solche wichtigen Themen für die ganze Gesellschaft sind.

Und warum arbeiten so viele Frauen in Teilzeit? Viele Frauen kümmern sich nach ihrem Job noch um Kinder und pflegebedürftige Verwandte, machen den Haushalt, das ist auch Arbeit! aber komplett unbezahlte.
Viele Frauen arbeiten auch unfreiwillig in Teilzeit, weil sie entweder keine Vollzeitstelle bekommen. Und weil das deutsche Steuersystem es auch nicht attraktiv für sie macht. Unser Steuersystem belohnt es, wenn der weniger verdienende Partner – und das sind meistens Frauen – nur wenige Stunden die Woche arbeiten geht. Doch auch Frauen müssen an ihre Zukunft denken, denn ein niedriges Gehalt ergibt eine kleine Rente und das ist der Grund warum vor allem Frauen Altersarmut droht.

Deshalb wird es dringend nötig, dass die Teilzeitfalle wegfällt und es ein richtiges Rückerrecht auf Vollzeit gibt.

Neben den 21 Prozent der Lohnlücke hört man oft noch etwas von 6 Prozent. Das ist die bereinigte Lohnlücke. Das heißt das eine Frau mit derselben Qualifikation, in derselben Position wie ein Mann, trotzdem im Schnitt 6 Prozent weniger Geld verdient. Also keine gleiche Bezahlung für die gleiche Arbeit.

Wir müssen dafür kämpfen, dass sich die Entgeltlücke schließt. Wir müssen für eine faire Bezahlung kämpfen.

Auch in diesem Jahr haben Frauen deutschlandweit am 18. März wieder für gleichen Lohn demonstriert, das ist der „Equal Pay Day“. Dieser Tag wurde ausgewählt, da umgerechnet Frauen in Deutschland erst ab diesem Tag des Jahres für ihre Arbeit bezahlt werden. Das sind 2,5 Monate!!

Durch Tarifverträge wurde die unbereinigte Lohnlücke auf von 21 Prozent auf 15 Prozent runtergeschraubt.

Das ist einer der Punkte warum wir mehr Tarifverträge brauchen, um für gleiche Arbeit auch gleichen Lohn zu bekommen. Wir müssen die Arbeiter organisieren und die Arbeitgeber in die Tarifverträge zwingen, sodass wir immer weiter ungleiche und unfaire Arbeitsbedingungen auflösen können.

Und als ob das nicht reichen würde:

Rechtspopulisten wollen uns Frauen die hart erkämpften Rechte wieder nehmen.

In anderen europäischen Ländern passiert das schon: Wie in Ungarn, wo Geschlechterforschung an den Universitäten verboten wurde oder in Polen wo die Regierung Frauen vor allem als Mütter und Ehefrauen betrachtet.
Viele Rechte die für Frauen selbstverständlich sind, werden plötzlich wieder in Frage gestellt. Gerade die AFD die immer so tut, als ob sie sich für die kleinen Leute einsetzten würde, möchte unsere Rechte wieder beschneiden und arbeitet nur gegen uns.

Dabei sind wir keine kleinen Leute, wir sind die Hälfte der Gesellschaft und wir lassen uns nicht von der AFD die Butter vom Brot nehmen. Wir sind 50 Prozent der Gesellschaft und haben daher die gleichen Rechte und gleichen Pflichten. Und müssen uns auch nicht unter Wert verkaufen.

Wir feiern 100 Jahre Frauenwahlrecht und 70 Jahre Grundgesetz und trotzdem haben wir immer noch keine tatsächliche Gleichstellung zwischen Frauen und Männern. Und müssen jetzt mal wieder aufs neue unsere erkämpften Rechte verteidigen.

Ohne die Europäische Union hätte es viele Fortschritte nicht gegeben. Frauen profitieren von Europa. Die EU ist seit 1957 ein Vorreiter für Chancengleichheit mit Beschlüssen wie Teilzeit-Befristungsgesetz; Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz; Elterngeldgesetz; Entgelttransparenzgesetz; und der neuen Vereinbarkeitsrichtlinie von Beruf und Privatleben. Doch auch scheinbar selbstverständliche Dinge hat die EU umgesetzt, wie einen gleichen Krankenkassenbeitrag für Frauen und Männer.
Es gibt auch eine EU Frauenförderung, die unterstützt Frauen bei Wiedereinstieg in den Beruf, Weiterbildung, und Firmen Gründung.

Deshalb stand auch der Internationale Frauentag am 8. März ganz im Zeichen Europas und der anstehenden Europawahl. Denn ohne die Gesetze der EU hätte es in Deutschland gerade für Frauen viel weniger Fortschritt gegeben.

Deshalb fordern wir eine bessere Balance zwischen Beruf und Familie, und damit einhergehend mehr Gelder für Kinderbetreuung und Pflege.

Egal ob Arbeiter oder Arbeiterin, zusammen profitieren wir von der EU, für die Familie, für die Arbeit und für die Zukunft!

Wir fordern mehr Frauen in Führungspositionen und die absolute Gleichstellung von Frau und Mann.

Also geht am 26. Mai wählen und stärkt die demokratischen Parteien.


Phillip:

Eines der zukünftigen Themen, welches uns beschäftigt ist die Transformation.

Dieses Wort befasst sich mit vielen Punkten. So haben wir den Klimawandel, die fortschreitende Digitalisierung, andere Bedingungen auf dem Arbeitsmärkten Veränderungen der globalen wirtschaftlichen Machtverhältnisse. Und daher ist es umso wichtiger bei der zukunftsweisenden Europawahl wählen zu gehen.

Was aber bedeutet Transformation? Transformation bedeutet: Vernetzung unter den Maschinen und Transportmitteln, noch mehr Automatisierung. Dies muss nichts Schlechtes sein. ABER! Das darf nicht zu Kündigungen führen, oder zur kompletten Kontrolle der Arbeitnehmerinnen!

Wer Toilettenzeiten aufschreibt als AG, hat den Respekt gegenüber uns komplett verloren. Und erst recht darf es nicht zu weniger Investitionen in die Ausbildung und Weiterbildung führen.

Wir als Jugend sind die Zukunft und fordern auch weiterhin: DIE FESTE ÜBERNAHME, für Auszubildende!

WIR FORDERN KONSEQUENTEN DATENSCHUTZ UND WEITERBILDUNGEN DER BELEGSCHAFTEN!

Und genau das meinen wir als Gewerkschaft einen guten Arbeitsplatz.

Wir wissen wie es damals dem Ruhrgebiet ergangen ist. Dort hat man zwar einen Wandel versucht, aber er ist fehlgeschlagen.

Gerade weil wir wissen, wie es nicht läuft müssen wir die Zukunft so gestalten. Das keine Kollegin und kein Kollege auf der Straße sitzen bleibt. Wir müssen den Wandel der Arbeit so gestalten das er umweltfreundlich, sozial und wirtschaftlich ist.

Der Wandel der Arbeit darf uns nicht unsere Errungenschaften kosten, sondern wir müssen sie erweitern.

Wir dürfen nicht auf die Arbeitgeber warten, sondern müssen selbst gestalten. Unsere Betriebsrätinnen und Betriebsräte, setzen sich für unsere Arbeitsplätze vor Ort direkt ein.

Aber auch auf der politischen Ebene müssen wir als Gewerkschaften gestalten.

Denn Arbeitsplätze und Umweltschutz gegeneinander aufzuspielen darf es nicht geben.

Wir solidarisieren uns daher mit allen Branchen, in denen Arbeitsplätze wegfallen und helfen dabei die Kolleginnen und Kollegen nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren. Genau hier müssen wir die Kolleginnen und Kollegen weiterbilden damit. Lebenslanges Lernen ist hier das Stichwort und da ist die Wirtschaft und Politik gefragt, Angebote zu schaffen und wir als Gewerkschaften sind uns unserer Rolle hier bewusst!

Daher setzen uns dafür ein, dass eben diese Kolleginnen und Kollegen nicht auf der Straße landen, sondern woanders eine Zukunft haben und das auch zu Bedingungen die akzeptabel sind und machbar sind. Denn liegen lassen dürfen wir niemanden.

Daher lasst uns transformieren! Zu unseren Bedingungen!

Und lasst uns nicht reagieren, sondern agieren.

Lasst uns Zukunft gestalten, statt nur den Arbeitgebern zuzuschauen und lasst uns das am 29. Juni nach Berlin tragen. Lasst uns laut sein und lasst uns für unsere faire Zukunft kämpfen.

OJA Redebeiträge kurze Statements:

Wir als Ortsjugendausschuss haben noch viel mehr Themen, die uns wichtig sind, die aber nicht alle in eine Rede passen. Daher wollen wir jetzt ein paar unserer Mitglieder auf die Bühne holen, um in kurzen Statements, unsere weiteren Anliegen zu hören.

Annika
Elif
Linus

Glück auf

 


Nach oben

Zuletzt besuchte Seiten