Deutscher Gewerkschaftsbund

25.09.2019

Grußwort von J.Mährle (Geschäftsführer DGB-Region Köln-Bonn)

Warnstreik im Reinigungsgewerbe am 25.09.2019 in Köln

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

zuerst einmal möchte ich mich bei Euch herzlich bedanken! Ohne Euch und Eure Arbeit sähe es hier im DGB-Haus anders aus.

Ohne Euch und Eure Arbeit könnten

Büros und Verwaltungen,

Schulen, KITAs und Universitäten,

Krankenhäuser oder Altenheime,

Flughafen, KVB oder Bahn,

Messe, Arztpraxen, Gerichte, Einzelhandel oder Reisebüros,

Hotels- und Gaststätten,

Redaktionen von Zeitungen, Funk und Fernsehen

oder Industriebetriebe … nicht arbeiten.

Ihr leistet Tag für Tag einen wichtigen Beitrag, damit andere ihren Job machen können. Dafür möchte ich mich bei Euch bedanken.

Ihr habt einen harten Job …

und auch nicht immer schöne Arbeit, wenn ich daran denke, welchen Dreck manche Menschen zurücklassen.

Eure Arbeitszeiten richtet sich häufig danach, dass die Arbeit an den Einsatzstellen nicht gestört wird … also häufig früh morgens oder am Abend.

Doch diese Arbeitsbedingungen und die Bedeutung Eurer Arbeit finden sich nicht auf Euren Gehaltszettel wieder.

Im Gegenteil:

Der Anteil an Aushilfskräften auf 450,-Euro-Basis ist extrem hoch,
der Anteil an erzwungener Teilzeit ist ebenfalls überdurchschnittlich
und der Branchenmindestlohn reicht ebenfalls kaum aus …

… wenn er denn überhaupt bezahlt wird:

Turbo-Putzen,

Objektlöhne,

keine Bezahlung von Wegezeiten,

… kennt Ihr wahrscheinlich auch.

Mit der Auslagerung der Reinigung und zunehmenden Beauftragung von Fremdfirmen ist der Preisdruck in der Vergangenheit stetig gewachsen.

Hinzu kommen heute im Zuge der Digitalisierung Online-Vermittlungsplattformen, die „Reinigungsjobs“ an Solo-Selbstständige vermitteln,

Es herrscht ein enormer Verdrängungswettbewerb in der Branche, der heute vor allem über die Senkung der Personalkosten ausgetragen wird.

Und viele Kunden wollen eine möglichst gute und günstige Reinigungsleistung und sehen dabei nicht die Folgen für die Menschen, die diesen Service tagtäglich erbringen.

Und viele Kunden sehen auch Euch nicht.

Deswegen, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist es wichtig, dass Ihr heute auf die Straße geht!

Deswegen ist auch der von Euch gewählte Titel - „Aufstand der Unsichtbaren“ – genau richtig.

Das ist ein guter Anfang, wird aber alleine nicht reichen!

Gute Löhne und faire Arbeitsbedingungen sind kein Geschenk, sondern müssen hart erkämpft werden.

Die Arbeitgeberseite muss erkennen, dass es Euch ernst ist.

Die Arbeitgeberseite muss den Streik spüren – muss spüren, dass Ihr es seid, die täglich mit Eurer Arbeit Umsatz und Gewinn einfahrt.

Nur so werden die Arbeitgeber bereit sein, auf die eigene Marge zu verzichten oder höhere Preise bei den Kunden durchzusetzen.

Voraussetzung ist aber, dass Ihr möglichst viele seid, die streiken, und dass Ihr einen langen Atem habt.

Voraussetzung ist aber auch, dass Ihr mutig für Eure Forderungen einsteht und dem betrieblichen Druck nicht nachgebt. Der Streik ist Euer gutes Recht und gesetzlich geschützt.

Deswegen:

Sprecht Eure Kolleginnen und Kollegen an, die heute nicht hier sind.

Sprecht Kolleginnen und Kollegen aus anderen Betrieben an, die sich noch nicht am Streik beteiligen.

Ihr unterstützt damit die Tarifkommission und helft Euren Gewerkschaftskolleginnen und –kollegen bei den schwierigen Verhandlungen.

Denn für Euren Streik gilt, was für jeden Streik gilt: Solidarität untereinander sprengt alle Grenzen!


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