Deutscher Gewerkschaftsbund

07.05.2019
1. Mai 2019 in Köln

Rede von Elly und Jordan (Fridays for Future)

+++ Es gilt das gesprochene Wort +++


Liebe Genossinnen, und Genossen,

auch wir sind heute hier, weil wir für ein gemeinsames Ziel kämpfen.

Seit vielen Monaten stehen wir auf den Straßen, um für eine gerechte Klimapolitik zu demonstrieren. Seit Monaten stehen wir auf den Straßen, um unser Recht auf eine lebenswerte Zukunft einzufordern.

Wir möchten, dass die Politik uns endlich ernst nimmt.
Wir möchten, dass die Politik endlich handelt und alles tut, um uns eine lebenswerte Zukunft gewährleisten zu können.
Wir möchten, dass die Politik es endlich zur Priorität macht, unsere Zukunft, und die Zukunft der nachfolgenden Generationen zu sichern.

Denn so, wie die Politik sich momentan verhält, ist uns eine lebenswerte Zukunft nicht gewährleistet. Vielmehr bewegen wir uns gerade auf eine Zukunftsvision zu, in der wir uns in 10, 20 Jahren um Wasser bekriegen müssen.
Auf eine Zukunftsvision, in der wir mit unseren Kindern in unserer Wohnung sitzen und Angst vor der nächsten Überschwemmung haben.
Auf eine Zukunftsvision, in der humanitäre Katastrophen alltäglich werden und auf eine Zukunftsvision, in der wir alle nicht mehr leben können.

Aber sind unsere Forderungen wirklich zu viel verlangt?
Eine Zukunft, in der wir genügend Lebensmittel zur Verfügung haben?
Eine Zukunft, in der wir nicht vor Naturkatastrophen fliehen müssen?
Und eine Zukunft, in der wir ohne Probleme einer Arbeit nachgehen können, die uns erfüllt?
Eine Zukunft ohne Klimakrise?

Jordan:
Offenbar schon. Offenbar sind selbst diese einfachsten Forderungen zu viel verlangt. Diese einfachsten Forderungen, bei denen es gelinde gesagt eine Unverschämtheit ist, dass wir sie überhaupt fordern müssen, dass wir dafür überhaupt auf die Straßen gehen müssen.

Dass sich unsere Bundesregierung nicht schon längst der Garantie solcher Grundrechte verschrieben hat, ist für uns eine maßlose Beleidigung. Damit zeigt unsere Regierung uns, dass ihr kurzfristiges Wirtschaftswachstum und Profite wichtiger sind, als unsere Zukunft.

Profite, die sie beispielsweise durch die Subventionierung von fossilen Energieträgern  erwirtschaftet. Profite, die auf Kosten unserer Lebensgrundlagen und eurer Grundrechte erwirtschaftet werden.

Die Bundesregierung zeigt uns, dass ihr die Interessen der Großkonzerne, denen unsere Zukunft völlig egal ist, wichtiger sind, als unsere Zukunft. 

Elly:
Wir als Fridays for Future Köln glauben, dass das Problem genau hier liegt. Bei den Konzernen, denen es nur um reinen Profit geht, egal was dafür weichen muss, egal was dafür geopfert werden muss. Seien es unsere natürlichen Lebensgrundlagen, ohne welche wir nicht überleben können – und die von Großkonzernen oft mit Füßen getreten werden. Oder seien es schlechte Arbeitsbedingungen, die die Leben von tausenden Menschen ruinieren und ihnen oft jegliche Hoffnung auf eine bessere Zukunft rauben.

Ja, auch schlechte Arbeitsbedingungen, gegen die ihr hier heute demonstriert sind genau wie die Klimakrise auf die gegenwärtige Wirtschaftsweise zurückzuführen. Wir fordern deshalb klar: Mensch und Natur vor Profit!

Denn, auch uns wird unsere Hoffnung mit jedem Tag, an dem die Bundesregierung unsere Zukunft und die Zukunft derer, die uns folgen werden rücksichtslos schreddert, ein Stückchen mehr geraubt.

Und deswegen kämpfen wir seit Monaten. Wir gehen jeden Freitag auf die Straße, verpassen dabei wertvollen Unterricht dafür und kassieren Fehlstunden. Und das werden wir auch weiterhin tun – weil es notwendig ist, damit unsere Stimme gehört wird.

Denn wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben – es ist zu spät um jetzt aufzugeben, zu spät um jetzt zu schweigen!

Jordan:
Wir möchten eine Zukunft. Ich denke, dass sollte jetzt so langsam allen klar sein. Und wenn die Bundesregierung uns eben weiterhin nicht ernstnimmt und unsere Forderung nach einer lebenswerten Zukunft ignoriert, müssen wir ihr zeigen, wie ernst wir es meinen, dann müssen wir so laut rufen, dass sie uns nicht mehr ignorieren können! Wir müssen da ansetzten wo es wirklich wehtut.

Denn, indem wir die Schule bestreiken, schaden wir niemandem, außer uns selbst. Die Schule ist unsere einzige gesellschaftspolitische Aufgabe und somit der einzige Punkt, an dem wir Druck ausüben können. Dennoch ist der Schulstreik nichts weiter, als ein Symbol.

Ein Symbol dafür, wie unglaublich wichtig der Klimaschutz für uns ist.

Doch was könnte die Bundesregierung wirklich dazu bringen, eine Klimapolitik zu machen, in der es möglich wird die Klimakrise abzuwenden und uns eine lebenswerte Zukunft zugesichert werden kann?
Was müssen wir denn noch machen, damit sie uns und die nachfolgenden Generationen auf ihre Prioritätenliste schreibt?
Oder genauer gesagt, was könnt ihr machen?

Wir, Jordan, Elly und alle anderen Jugendlichen, die bei Fridays for Future aktiv sind, fordern euch stellvertretend für alle Kinder auf der Welt und alle zukünftigen Generationen dazu auf, euch unserem Streik, unseren Demonstrationen anzuschließen.
Es geht um unsere gemeinsame Zukunft und nur wenn wir alle gemeinsam agieren, können wir unser gemeinsames Ziel erreichen.

Diverse Großkonzerne versuchen uns regelmäßig zu vermitteln, dass Klimaschutz und Arbeitsplätze sich ausschließen, doch das Gegenteil ist der Fall: sie ergänzen sich.

Es muss deshalb unser gemeinsames Ziel sein, Umstände zu erschaffen, in denen gute Arbeitsbedingungen und echter Klimaschutz gleichzeitig möglich sind. Es muss unser Ziel sein, dafür zu sorgen, dass Mensch und Natur nicht mehr länger den Interessen der Großkonzerne untergeordnet werden. Es muss unser Ziel sein, eine Vision der Zukunft zu erschaffen, in der die Lebensgrundlagen und Grundrechte aller Menschen gesichert sind: auf allen Ebenen!

Sowohl ihr, als auch wir demonstrieren letztendlich für unsere Grundrechte. Lasst uns also gemeinsam demonstrieren, lasst uns gemeinsam für unser aller Zukunft demonstrieren und laut werden. Lasst uns gemeinsam heute und bei unserer nächsten Großdemonstration am 24.05. laut werden.

Denn wir möchten doch alle nur eine Zukunft.


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