Deutscher Gewerkschaftsbund

19.03.2012

Stimmen zum 1. Mai 2012

Helmut Burkhardt

Helmut Burkhardt

Helmut Burkhardt, DGB-Kreisvorsitzender Leverkusen:

Leverkusen ist pleite. Bund und Land haben in der Vergangenheit den Städten immer mehr Aufgaben zugeordnet, ohne für einen entsprechenden Finanzausgleich zu sorgen. Die Steuerpolitik des Bundes hat zudem die Einnahmebasis der Kommunen verschlechtert. Das Haushaltsdefizit in Leverkusen ist mittlerweile so groß, dass die Stadt den Schuldenberg trotz massiver Kürzungen aus eigener Kraft nicht abtragen kann. Wir brauchen daher eine Gemeindefinanzreform, die den Kommunen wieder Handlungsspielräume eröffnet. Transaktionssteuer, Reichensteuer, Erbschaftssteuer und die Neuaufteilung der Finanzmittel zwischen Bund, Ländern und Gemeinden zu Gunsten der Gemeinden sind notwendige Schritte in diese Richtung. Es kann nicht angehen, dass der Bund systemrelevante Banken, die sich verzockt haben, mit Steuermitteln rettet, Kommunen aber im Regen stehen lässt. Für uns sind Kommunen systemrelevant.

DGB-Region Köln-Bonn

DGB-Region Köln-Bonn

Ingo Degenhardt, Gewerkschafstsekretär und ehrenamtlicher DGB-Kreisvorsitzender Bonn/Rhein Sieg:

Bereits zu Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrise ist es in unserem Land dem besonnenen Agieren von Politik, Gewerkschaften, Betriebsräten und Arbeitgebern gelungen, einen Einbruch auf dem Arbeitsmarkt zu verhindern. Dass im Allgemeinen die Arbeitslosenzahlen gesunken sind, ist ein Wert an sich und sehr erfreulich. Neben den positiven Meldungen gibt es immer auch Relativierungen. Wo Licht ist, ist auch Schatten. Der Arbeitsmarkt hat eine tiefe Spaltung erfahren. Neue Jobs entstehen meist im Niedriglohnbereich, in unfreiwilliger Teilzeit oder in der Leiharbeit oder in befristeten Arbeitsverhältnissen. Im Großen und Ganzen haben Langzeitarbeitslose kaum eine Chance in den ersten Arbeitsmarkt zurückzukehren. Das System der Arbeitsförderung sollte durch die sogenannte Instrumentenreform vereinfacht werden, doch wir erleben ein reines Kürzungsprogramm mit all seinen negativen Auswirkungen, für die Hilfebedürftigen, für Bildungsträger und ganze regionale Netzwerke. Diese Politik ist ein Angriff auf die Förderung von Langzeitarbeitslosen und schwer Vermittelbaren. Die Bundesregierung muss in diesem Jahr alles tun, um den Arbeitsmarkt krisenfest zu machen. Präventive Maßnahmen sind notwendig und wenn es die Lage erfordert, müssen wir schnell handeln und z.B. über Nacht das Kurzarbeitergeld wieder einführen. Das Handeln aller arbeitsmarktpolitischen Akteure muss davon geprägt sein, auch die Benachteiligten am Arbeitsmarkt zu fördern und damit ein Teil des Fachkräftebedarfs der Zukunft zu sichern. Ebenso müssen Jugendliche die Chance auf einen Ausbildungsplatz und eine stabile Beschäftigung bekommen. Gerade junge Menschen sind von guter Arbeit, von anständigen Löhnen und sicheren Perspektiven weit entfernt. Insgesamt ist jede zweite Neueinstellung nur befristet – rund ein Drittel der freien Stellen finden sich in der Leiharbeitsbranche. Drei wichtige Dinge: Gute Arbeit - Gerechte Löhne - Soziale Sicherheit. Um den Fachkräftebedarf der Zukunft zu sichern, müssen wir jeden mitnehmen. Gute Fachkräfte zu gewinnen heißt, alle vorhandenen Potenziale auszuschöpfen. Nur mit vereinten Kräften und im Zusammenspiel aller regionalen arbeitsmarktpolitischen Akteure können wir unsere Region Köln-Bonn voranbringen.

Christa Nottebaum

Christa Nottebaum

Christa Nottebaum, Geschäftsführerin des ver.di Bezirks Köln:

Ver.di verhandelt in diesem Jahr in vielen Tarifrunden um Reallohnerhöhungen! Das ist es, was die Kolleginnen und Kollegen in diesem Jahr erwarten und dringend brauchen. Wir befinden uns zurzeit in der großen Tarifrunde des öffentlichen Dienstes. In Köln sind ca. 55.000 Beschäftigte in Bundesbehörden und kommunalen Betrieben und Dienststellen, wie z.B. der KVB, der RheinEnergie AG, der Kliniken der Stadt Köln GmbH, der Abfallwirtschaftbetriebe betroffen. Gerade im öffentlichen Dienst haben die Beschäftigten in den letzten 10 Jahren Reallohnverluste hinnehmen müssen. Es reicht!!! Die Beschäftigten haben die Haushaltslöcher in den Kommunen nicht verursacht – das war die Politik! Es kann doch nicht sein, dass die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes Nebenjobs annehmen müssen, um noch einigermaßen leben zu können. Und wir brauchen eine Perspektive für junge Menschen im öffentlichen Dienst! Deswegen fordert ver.di die tarifliche Regelung der unbefristeten Vollzeit-Übernahme im erlernten Beruf.

Witich Rossmann

Witich Rossmann

Dr. Witich Roßmann, 1. Bevollmächtigter IG Metall Köln-Leverkusen:

Das Grundgesetz definiert in Artikel 20 Deutschland als sozialen und demokratischen Rechtsstaat. Für die IG Metall ist das ein Verfassungsauftrag gegen undemokratische Verhältnisse, soziale Ungerechtigkeit und soziales Unrecht anzukämpfen. Dies bündelt sich seit einigen Jahren in der Ausbreitung „prekärer“ Arbeits- und Lebensverhältnisse: 22.000 Menschen in unserer Region zählt die Statistik zur Leiharbeitsbranche: Sie verdienen bei gleicher Arbeit deutlich weniger, ihr Arbeitsverhältnis ist ständig von Kündigung bedroht, weil es häufig auf die Dauer eines Auftrags begrenzt ist. Für Jugendliche nach der Ausbildung wie nach dem Studium haben sich Praktika und befristete Anstellungen nahezu als Regel etabliert. Über 50% aller neu abgeschlossenen Arbeitsverträge sind befristet. All dies sind nicht temporäre Probleme des Übergangs in den Beruf. Es sind Vorboten einer neuen Arbeitsgesellschaft, wie sie IBM neuerdings propagiert, in denen wenige festangestellte Chefs befristete Jobs oder Aufträge ausschreiben und Arbeitnehmer sich darum wie bei EBAY bewerben können. Die IG Metall will diesen Trend stoppen: Sie fordert gleiche Bezahlung für Leiharbeiter: Equal Pay! Und sie will die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung wieder als Regel etablieren. Und da alle guten Dinge drei sind: Die IG Metall will gute Bezahlung für gute Arbeit, Beteiligung am Arbeitserfolg, weil Geld in unserer Gesellschaft auch über die Qualität des Lebens, über Gesundheit, Bildung und gesicherte Altersversorgung entscheidet.

Ernst Busch, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG):

Als Skandal bezeichnet Busch den von der Bundesagentur für Arbeit verkündeten Rekord bei Minijobs. Im Gastgewerbe ist mittlerweile jeder zweite Arbeitsplatz ein Minijob. Das ist kein nachhaltiger Aufschwung. Altersarmut ist vorprogrammiert, vor allem bei Frauen. Wie die Sozialsysteme das künftig aushalten sollen, interessiert die Regierenden offensichtlich nicht. Notwendig ist eine Sozialversicherungspflicht ab der ersten Stunde und ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 €, um den sich wie ein Krebsgeschwür wuchernden Niedriglohnsektor einen Riegel vorzuschieben. Noch besser wäre es, die Minijobs ganz abzuschaffen. Minijobs sind grundsätzlich der falsche Ansatz. Im Gastgewerbe ist fast jeder zweite Beschäftigte ein Minijobber. Minijobs, in denen zu rund 70 Prozent Frauen arbeiten, haben großflächig sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse verdrängt. Minijobber im Gastgewerbe erhalten in der Regel keinen Tariflohn, kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Selbst gesetzlicher Urlaubsanspruch und Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall wird von den Arbeitgebern nicht gewährt. Gefördert wird darüber hinaus die Schwarzarbeit vor allem in der Klein- und Kleinstgastronomie, weil es keine Stundenlimits für Minijobs gibt. Wie dramatisch die Beschäftigungssituation im Gastgewerbe ist, wird auch dadurch deutlich, dass die Branche mit fast neun Prozent den höchsten Anteil an „Aufstockern“ hat. Von einem Minijob kann man weder heute noch morgen leben. Minijobs gehören abgeschafft. Deutschland braucht mehr echte, existenz- sichernde Arbeitsverhältnisse, vor allem für Frauen. Das Mindeste wäre, die Sozialversicherungspflicht ab der ersten Stunde für die Minijobs einzuführen, damit alle Beschäftigungsverhältnisse steuer- und abgaberechtlich gleich behandelt werden.

Etta Fennekohl

Etta Fennekohl

Etta Fennekohl, Vorsitzende des Bezirksausschusses Köln der GEW:

Inklusion bedeutet: Die Vielfalt der Menschen wird akzeptiert, niemand wird ausgegrenzt. Das ist in unserer Gesellschaft ganz allgemein wichtig, insbesondere in der Schule. Auch die Belange von Menschen mit Behinderungen müssen gemäß der 2009 ratifizierten UN-Konvention berücksichtigt werden. Die GEW hat Anfang 2011 Eckpunkte formuliert, in denen festgelegt wird, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit Inklusion im schulischen Bereich gelingen kann. Dazu gehört unter anderem: Die Klassengröße muss erheblich reduziert werden; diverse fachliche Kompetenzen müssen bei der Förderung aller Kinder und Jugendlichen in der Schule zusammenarbeiten; Zeit zur Absprache der Koordination der Förderung muss zur Verfügung gestellt werden; geeignete Räume, um den Anforderungen der verschiedenen Behinderungsarten gerecht werden zu können, müssen vorhanden sein. Wir warten seit dem letzten Jahr auf die Eckpunkte der Landesregierung! „Inklusion“, wie sie im Augenblick an vielen Stellen angefangen wird, ohne auch nur die minimalen Erfordernisse für Lehrende und Lernende zu gewährleisten, lehnen wir ab. In unseren Augen ist das keine Inklusion, sondern „Gemeinsamer Unterricht“ zu schlechtesten Bedingungen. Die GEW ist der Meinung, dass wirksame Inklusion nur in „Einer Schule für Alle“ verwirklicht werden kann. „Eine Schule für Alle“ muss ganztägig sein. Dort müssen Fachkräfte arbeiten, und zwar nicht in prekären Arbeitsverhältnissen, sondern mit ordentlichen Tarifverträgen.

DGB-Region Köln-Bonn

Jörg Mährle

Jörg Mährle, DGB Köln-Bonn:

Der Wirtschaft fehlen nach eigenem Bekunden Fachkräfte. Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt. Dennoch hat sich nach Auffassung des DGB die Situation auf dem Ausbildungsmarkt nicht grundlegend verändert. Nach wie vor landen zu viele Jugendliche in Warteschleifen. Alleine in Köln werden jährlich rund 2.000 Maßnahmeplätze durch die Agentur für Arbeit finanziert, damit Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, eine berufliche Vorqualifizierung erhalten. Von allen Jugendlichen, die bei der Agentur für Arbeit als Bewerberin und Bewerber registriert sind, werden nur 50 Prozent in Ausbildung vermittelt. Es stellt sich damit die Frage, warum auf der einen Seite Ausbildungsstellen nicht besetzt werden und auf der anderen Seite Jugendliche in Warteschleifen landen. Hierfür gibt es mehrere Erklärungen: Zum einen ist ein Teil der Ausbildungsplätze für Jugendliche nicht attraktiv – von der Bezahlung, von der Tätigkeit, von der Arbeitszeit, vom Image. Hier haben es die Arbeitgeber selber in der Hand, durch eine Attraktivitätssteigerung mehr Bewerberinnen und Bewerber zu gewinnen. Zum anderen passen die Qualifikationen der suchenden Jugendlichen nach Auffassung der Arbeitgeber häufig nicht zum betrieblichen Anforderungsprofil. Arbeitgeber müssen sich hier vorhalten lassen, dass sie in denn letzten 20 Jahren betriebliche Stützungssysteme für Auszubildende aus Kostengründen abgebaut haben. Sie suchen vor allem Jugendliche, die problemlos während der Ausbildung funktionieren, weil immer weniger Zeit für Ausbilder und Ausbilderinnen bleibt, sich intensiv um die Auszubildenden zu kümmern. Und ein letzter Punkt, der hier auch noch hingehört: Einfachere Tätigkeiten wurden im Zuge der Technisierung abgebaut. Die beruflichen Anforderungen steigen. Das führt dazu, dass Jugendliche mit geringen formalen Qualifikationen kaum noch Perspektiven haben. Wir haben einen geteilten Ausbildungsmarkt: Schülerinnen und Schüler mit guten Abschlüssen finden meist problemlos einen Ausbildungsplatz. Mittlerweile gibt es auch Kombi-Ausbildungen (Studium und duale Ausbildung), um junge Nachwuchskräfte zu gewinnen. Verlierer sind hingegen die Schülerinnen und Schüler mit formal schlechteren Qualifikationen. Hier engagieren sich zwar das Handwerk und einige gewerblich-technische Betriebe, doch die große Zahl an Maßnahmeplätzen zeigt, dass dieses Engagement noch nicht reicht. Betriebe müssen mit den Jugendlichen klar kommen, die auf dem Ausbildungsmarkt zur Verfügung stehen, um den Fachkräftebedarf zu decken und sie müssen notfalls mehr Zeit in Ausbildung investieren.

Eva Pohl

Eva Pohl

Eva Pohl, Vorsitzende des DGB- Regionsfrauenausschuss Köln-Bonn:

Männer und Frauen sind gleichberechtigt - das steht so seit über 62 Jahren im Grundgesetz. Dennoch - es ist eine nicht endende Geschichte: Trotz Verfassung und vielen Gesetzen und Regelungen bleiben Frauen im Erwerbsleben weiterhin benachteiligt. Leider muss ich das jedes Jahr wiederholen: Frauen verdienen immer noch für die gleiche Arbeit weniger Geld als Männer. Sie sind wesentlich stärker mit niedrigen Löhnen und unsicherer Beschäftigung konfrontiert und seltener in Führungspositionen vertreten. Der Erwerbsverlauf von Frauen hat vielfach im Vergleich zu Männern keine Kontinuität. Es gibt immer noch keine gerechte Verteilung der Erwerbs- und Hausarbeit zwischen den Geschlechtern. Der Anteil der vollzeitbeschäftigten Mütter ist in den letzten Jahren gesunken und die Kluft der Arbeitszeiten zwischen den Geschlechtern hat sich weiter vergrößert. Spätestens mit der Geburt eines Kindes oder Pflege von Angehörigen werden Zuständigkeiten, die vorher gleichberechtigt waren, neu verteilt: Frauen nehmen Elternzeit, gehen auf Teilzeit, arbeiten in Minijobs. Das bedeutet oft das Ende beruflicher Karrieren. Dabei wollen Frauen und Männer andere Arbeitszeiten: Männer wünschen sich weniger Überstunden. Frauen wollen mehr, weg von den klassischen Halbtags-Jobs. Wir DGB-Frauen fordern neben vielen anderen Verbesserungen: Erwerbsunterbrechungen wegen Familienarbeit dürfen nicht zu langfristigen Einkommensnachteilen führen! Es muss einen Anspruch auf Rückkehr auf eine Vollzeitstelle geben! Uns ist wichtig, dass es nicht um Wahlfreiheit der Frauen zwischen zwei Lebensentwürfen geht, sondern um Gestaltungsfreiheit der Biografien von Männern und Frauen. Wir DGB-Frauen setzen uns ein für Entgeltgleichheit und Mindestlöhne, für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, für gleiche Karrierechancen und für die Reduzierung prekärer Beschäftigung. Und wir wollen, dass Frauen im Alter von ihrer Rente leben können! Dies setzt gute Beschäftigungschancen mit guter Bezahlung voraus. Frauen müssen in der Gesellschaft, in der Wirtschaft und in der Politik gleichberechtigt beteiligt werden.

Fina Macula

Fina Macula

Fina Macula, Vorsitzende der DGB-Jugend:

Fina Macula ist 22 Jahre alt und Vorsitzende des DGB-Jugendausschusses Köln-Bonn. Derzeit studiert sie Chemie und Biologie auf Lehramt an der Universität zu Köln. Sie hat eine abgeschlossene berufliche Erstausbildung als chemisch-technische Assistentin am Berufskolleg Kartäuserwall absolviert. Die gewerkschaftlichen Schwerpunkte der DGB-Jugend liegen beim Kampf gegen Rechts, der Hochschularbeit und den Berufsschulaktivitäten in der DGB-Region Köln-Bonn. Ihre Ziele sind, Menschen dazu anzuregen, sich mit soziopolitischen Fragestellungen auseinanderzusetzen, sie für ihr gesellschaftliches Miteinander zu sensibilisieren und sich dafür einzusetzen. Wichtig ist ihr, die Interessen der jungen Menschen in unserer Gesellschaft mehr in den Vordergrund zu rücken. Des Weiteren ist ihr ein besonderes Anliegen, Auszubildenden zu zeigen, wie sie sich vor ungerechter Behandlung am Arbeitsplatz schützen und sich neben ihrer Ausbildung in unserer Gesellschaft einsetzen können. Denn die jungen Menschen sind die Gewerkschaft von morgen und nehmen unsere Zukunft selbst in die Hand!

Gerd Diefenthaler

Gerd Diefenthaler

Gerd Diefenthaler,Gewerkschaft der Polizei:

Was die ehemalige schwarz-gelbe Landesregierung von der Mitbestimmung im Öffentlichen Dienst hielt, ist bekannt: Wenig bis nichts. Mit der Dampfwalze wurden Mitbestimmungsrechte geplättet, Arbeitsmöglichkeiten der Personalräte beschränkt und allerlei Schikanen im Landespersonalvertretungsgesetz (LPVG) verankert. Verkauft wurde der Kahlschlag als Modernisierung. Das ist, wie die Rüttgers- Regierung selbst, inzwischen Geschichte. Mit dem neuen LPVG hat die rot-grüne Landesregierung inzwischen nicht nur den Beschäftigten des öffentlichen Dienstes sondern der Demokratie insgesamt einen Dienst erwiesen. Die Beteilungsrechte wurden ebenso gestärkt wie die Schutzrechte der jetzt wieder arbeitsfähigen Personalräte. Und obendrein wurde der Kreis der Wahlberechtigten erweitert. Die Rahmenbedingungen stimmen also. Aber Demokratie und Mitbestimmung funktionieren nicht von alleine. Sie wollen auch genutzt werden. Jetzt muss dafür geworben werden, dass möglichst viele an den diesjährigen Personalratswahlen teilnehmen. Und es gilt für die Listen und Kandidatinnen und Kandidaten der DGB-Gewerkschaften zu werben. Denn wir brauchen klare Mehrheiten für klare Verhältnisse.

Thomas Meiers

Thomas Meiers

Thomas Meiers, Bezirksleiter, IG BCE Köln-Bonn

Sichere Arbeitsverhältnisse sowie gerechte Bezahlung sind unabdingbar für eine wettbewerbsfähige Wirtschaft. Die IG BCE Köln-Bonn stellt sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung, indem sie diese Werte zu ihrem obersten Ziel setzt. Unsere Position ist eindeutig: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Begrenzung der Leiharbeit und der befristeten Arbeitsverhältnisse, verbindliche Mindestarbeitsbedingungen, wo keine ausreichende tarifliche Bindung besteht sowie gute Aussichten auf eine planbare Zukunft für junge und ältere Generationen. Alleine im letzten Jahr haben unsere Bemühungen Früchte getragen: Im Landesbezirk Nordrhein, in dem der Bezirk Köln-Bonn das Schwergewicht bildet, wurden über 1800 neue Ausbildungsplätze angeboten, somit 8,5 % mehr als im Vorjahr. Auch im Jahr 2012 werden wir in unserer Tarifrunde unter dem Motto „Gute Arbeit, faires Entgelt“, neben einer Steigerung der Entgelte einen Focus auf die Herausforderungen der demografischen Entwicklung und lebensphasenorientierter Arbeitszeit legen. Daher haben wir eine Forderungsempfehlung von 6% mehr Entgelt und einer Weiterentwicklung des Tarifvertrages „Lebensarbeitszeit und Demografie“ abgegeben, welche derzeit in den Betrieben diskutiert wird. Mit Hilfe der Bezirkskampagne „IG BCE – alles andere ist kalter Kaffee!“, die unsere Arbeit das ganze Jahr begleiten wird, gehen wir in die Offensive. Vor allem in betriebsratslosen Betrieben besteht ein dringender Bedarf an mehr Demokratie, starke Mitbestimmung, soziale Sicherheit sowie gerechte Löhne. Deshalb werden wir demnächst die Gründung von Betriebsräten in solchen betriebsratslosen Betrieben initiieren und begleiten. Zugleich fordern wir mit der Kampagne die Beschäftigten noch stärker auf, sich in unserer Gewerkschaft zu engagieren. Nur so können sichere Arbeitsverhältnisse und gerechte Bezahlung gewährleistet werden. Nur so werden wir noch durchsetzungsfähiger. Nur so erreichen wir unser gemeinsames Ziel: Gute Arbeit!

Rainer Bohnet

Rainer Bohnet, Vorsitzender des EVG-Ortsverbandes Bonn/Rhein-Sieg:

Der Kapitalismus als Wirtschaftsform steht derzeit weltweit in der Kritik. Und das mit Recht! Denn wem nutzt der ungezügelte Kapitalismus? Den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in der Regel nicht. Stattdessen stopfen sich Manager die Taschen voll und verlassen das sinkende Schiff vor dem Untergang. Die Lösung des Problems: „Gemeinwohlökonomie“. Diese steht unter der Prämisse, dass jedes Unternehmertum der Gesellschaft dienen muss. Gemeinwohlökonomie ist nicht mit Kommunismus gleichzusetzen, da es unverändert Privatunternehmen gibt, die mit staatlicher Daseinsvorsorge kooperieren. Kurz vor der Finanz- und Wirtschaftskrise wäre die Bahn um ein Haar an der Börse gelandet. Glücklicherweise hat sich die Politik im letzten Moment umorientiert. Das war äußerst wichtig, denn als letztes großes Staatsunternehmen muss die Bahn auch in Zukunft eine wesentliche Rolle in der Gemeinwohlökonomie spielen. Die Gewerkschaften müssen sich meines Erachtens mit anderen gesellschaftspolitischen Initiativen verbünden und gemeinsam für die Gemeinwohlökonomie kämpfen. Ich würde es begrüßen, wenn die DGB-Region Köln-Bonn hierbei eine Vorreiterrolle übernehmen könnte.

IG Metall Jugend

IG Metall Jugend

Fabienne Mainz, Jugendsekretärin IG Metall Köln-Leverkusen

„Laut und stark“ - unter diesem Motto hat die IG Metall zum großen Jugend-Aktionstag in Köln am 1. Oktober 2011 mobilisiert. Über 20.000 Menschen sind dem Ruf der Gewerkschaft gefolgt. Unter ihnen waren auch rund 300 Kölner und Leverkusener, die sich durch ihre Teilnahme für die unbefristete Übernahme stark gemacht haben. Die zentrale Forderung auf der Hauptkundgebung am Heumarkt nach einer unbefristeten Übernahme wurde auch von Detlef Wetzel, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, unterstützt. „Wir wollen Gerechtigkeit und Chancengleichheit in unserer Gesellschaft. Sichere Arbeit - das heißt für uns jetzt zu allererst die unbefristete Übernahme aller Auszubildenden“, sagte der Gewerkschafter. Dafür wird die IG Metall in der kommenden Tarifrunde kämpfen. Die Übernahme nach der Ausbildung in einen sicheren Job ist eine Existenzfrage für Auszubildende. Aber derzeit wird nur etwa die Hälfte übernommen - und das meist nur befristet. 40 Prozent der unter 25-Jährigen hängen in Praktika, Leiharbeit oder Teilzeitjobs. So lässt sich kein Leben planen. Nur mit Hilfe der unbefristeten Übernahme schaffen wir den Wechsel von der Generation prekär zur Generation Übernahme. Doch die Arbeitgeberverbände mauern. Sie verbreiten über die Medien, die unbefristete Übernahme sei eine frühzeitige „Verbeamtung“ und die Forderung sei völlig überflüssig. Um den Druck auf die Arbeitgeber in der nächsten Tarifrunde zu erhöhen, war der Aktionstag wichtig, um ein deutliches Zeichen zu setzen und außerdem die Gesellschaft für dieses Thema zu sensibilisieren. Durch die Teilnahme von 20.000 jungen Menschen ist deutlich geworden, dass die junge Generation gehört werden muss und man ihre Situation nicht länger ignorieren kann.

Luisa Schwab, Vorsitzende des Allgemeinen Studierenden Ausschusses an der Universität Köln:

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Uni Köln hat sich zu Beginn des Jahres neu konstituiert und besteht aus den Hochschulgruppen campus grün, Juso Hochschulgruppe und DieLinke, SDS. Nun soll an den Erfolgen des letzten Jahres angeknüpft werden. Ziele des AStAs sind auf Probleme der Gesellschaft aufmerksam zu machen, sich politisch zu positionieren und den Studierenden ein breites Serviceangebot zu bieten. Eine Aktionswoche des AStA vom 7. bis 17. Mai 2012, dem „festival contre le racisme“, soll mit Musik, Ausstellungen, Theater und Vorträgen über Rassismus und Diskriminierung informieren. In der Woche vom 1. bis 8. Mai 2012 werden zusätzlich verschiedene Aktionen geplant, die auf die Notwendigkeit einer Zivilklausel in der Grundordnung der Uni hinweisen sollen. Mit Kultur, Politik und Öffentlichkeitsarbeit will sich der AStA wieder in den Köpfen der Studierenden festsetzen und politisieren.


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1. Mai 2012

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