Deutscher Gewerkschaftsbund

02.10.2018

100 Jahre Frauenwahlrecht – Wir haben gefeiert!

DGB-Region Köln-Bonn

DGB-Region Köln-Bonn

Wir haben gefeiert! Am 30. November, haben die Kölner DGB-Frauen anlässlich des 100.sten Jahrestages die Einführung des Frauenwahlrechtes gefeiert!

Bis Frauen das Wahlrecht erlangten, mussten sie lange kämpfen. Um an die erste Stunde zu erinnern und nicht zu vergessen, dass Wahlrecht keine Selbstverständlichkeit ist, hatten wir eingeladen – die DGB Frauen Köln, gemeinsam mit der DGB Jugend Köln und dem DGB Bildungswerk NRW e.V. Unser Motto: „Wir machen weiter!“

Über hundert Frauen und Männer aus unterschiedlichen Generationen und Institutionen wurden von Eva Pohl, der Vorsitzenden der Kölner DGB-Frauen begrüßt. Sie erinnerte an die Zeit vor einhundert Jahren in Köln. Sie verlas ein Grußwort von Rita Süssmuth, die leider kurzfristig verhindert war und nicht an dem Podiumsgespräch teilnehmen konnte.

Ein kurzer historischer Rückblick gelang in einem anschaulichen Film von ver.di-TV. Er erinnerte an die Frauen der ersten Stunde im Kampf um das Wahlrecht. Der Impuls von Anja Weber, seit Dezember 2017 Vorsitzende des DGB NRW, zeigte auf, welche Wege die Frauen bis heute erfolgreich gegangen sind, was auch noch alles zu tun ist und wo die tatsächliche Gleichstellung immer noch nicht erreicht ist.

Die Moderatorin des Abends, die Zeit Online-Journalistin Tina Groll, warf mit ihren Podiumsgästen aus unterschiedlichen Generationen aus heutiger Sicht einen Blick auf die Beteiligung von Frauen im gesellschaftlichen und politischen Leben.

Dabei waren neben Anja Weber, Leonie Pfennig, Gründerin und Vorstandsmitglied von „And she was like BÄM! e.V.“, einem Netzwerk junger Frauen aus Kunst und Design im Rheinland, Mareike Jakobs-Neumeier, Abiturientin und seit einigen Monaten Juso-Vorsitzende Köln und Marlies Hesse, eine Journalistin, die auf viele Stationen im Berufsleben blickt . k. Lange Jahre war sie beim Deutschlandfunk, wurde ausgezeichnet mit der Hedwig-Dohm-Urkunde, stiftete selber einen Nachwuchspreis und ist Trägerin des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Diese Frauen mit ganz unterschiedlichen Lebensaltern und Erfahrungen konnten lebendig darstellen, wie sie die Herausforderungen für Frauen in Politik und Gesellschaft einschätzen und welche Forderungen sie haben. Themen waren die geschlechtsspezifischen Berufe und damit verbunden häufig schlechtere Bezahlung und Karrierechancen für Frauen, Rentenlücke und Doppelbelastung. Diskutiert wurde auch die Frage von Quoten und Paritätsänderungen.

Beim anschließenden Imbiss gab es Zeit für gute Gespräche. Der Abend klang aus auf dem Dancefloor, angefeuert durch die Djane Walumm. 

  • Ablauf / Programm / Flyer

    17:30 Uhr - Einlass, Empfang
    18:00 Uhr - Beginn 

    Begrüßung: Eva Pohl, Vorsitzende DGB-Frauen Köln

    Frauenwahlrecht –gegen alle Widerstände
    Kurzfilm

    Impuls: Anja Weber, Vorsitzende DGB NRW

    Moderierte Gesprächsrunde: 100 Jahre Frauenwahlrecht - Wir machen weiter!
    Prof. Dr. Rita Süßmuth, Bundestagspräsidentin a.D.
    Anja Weber, Vorsitzende DGB NRW
    Marlies Hesse, Journalistin
    Leonie Pfennig, And She Was Like BÄM! Netzwerkaktivistinnen
    Malika Jakobs-Neumeier, JUSO-Vorsitzende Köln

    Moderation: Tina Groll, Journalistin Zeit Online

    Anschließend netzwerken bei Imbiss und Musik.

    Ab 21:00 Uhr
    Let´s move! Es wird gefeiert!!!
    #party #schwingdastanzbein #dancefloor #abzappeln mit #DJane Walumm 

    Eine Veranstaltung von:
    DGB Frauen Köln
    DGB Jugend Köln
    DGB Bildungswerk NRW e.V.

  • Videos "100 Jahre Frauenwahlrecht" von ver.di TV



  • Begrüßung durch Eva Pohl, Vorsitzende DGB-Frauen Köln

    Eva Pohl

    Eva Pohl

    Liebe Gäste, wir haben eingeladen, und wir freuen uns, dass viele Betriebsrätinnen und Personalrätinnen unserer Einladung gefolgt sind, dass viele Netzwerk- und Bündnispartnerinnen, Frauen aus der Politik, hauptamtliche Kolleginnen und einen Kollegen, Jörg Mährle, Geschäftsführer des DGB Region Köln Bonn.

    Ich bin Eva Pohl, Vorsitzende der DGB-Frauen in Köln. Und heiße alle herzlich willkommen!

    Viele werden sich umgucken nach Rita Süssmuth. Sie musste leider kurzfristig absagen, hat aber ein Grußwort geschickt, das ich vorlesen werde.

    Heute vor genau 100 Jahren war es endlich soweit: Am 30. November 1918 verankert der frisch eingesetzte Rat der Volksbeauftragten das aktive und passive Wahlrecht für alle Bürgerinnen und Bürger in der Verordnung über die Wahl zur verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung. Das wollen wir feiern!

    Voraufgegangen war die Revolution am Ende des 1. Weltkrieges, die von den meuternden Matrosen in Kiel ausging. Ohne diese wäre das Frauenwahlrecht, zumindest zu dem Zeitpunkt, nicht erreicht worden. Damals ging es gegen das Kaiserreich, gegen das preußische Dreiklassenwahlrecht, gegen überlange Arbeitszeiten in den Fabriken, um ein paar Beispiele zu nennen, und, eben auch, gegen die Ausgrenzung der Frauen aus dem Wahlrecht. Das Regierungsprogramm enthielt als wichtigsten Teil die große Wahlrechtsreform, die erstmals auch das Frauenwahlrecht enthielt.

    "Die Einführung des Frauenwahlrechts war eine evolutionäre-revolutionäre Tat.“ - so formulierte es Heribert Prantl anlässlich der Feierstunde des Kölner DGB zu 100 Jahre Demokratie. Beim Kampf für das Wahlrecht haben die Frauen nicht von Anfang an vereint gekämpft, sondern in jeweils bürgerlich und sozialistisch ausgerichteten Frauenstimmrechtsgruppen.

    In Köln war es so, dass zunächst die bürgerlichen Frauenvereine eine größere Rolle spielten als die sozialistische Frauenbewegung und die Gewerkschaften. Im Laufe der Zeit forderten aber immer mehr Verbände das allgemeine, gleiche Wahlrecht ein. Die erste Rednerin im neu gewählten Reichstag 1919 war, wie die meisten wissen, Marie Juchacz. Was vielleicht weniger bekannt ist: die jüngere Schwester -  Elisabeth Kirschmann-Röhl - sie wäre in diesem Jahr 130 Jahre geworden, sie ist gleichzeitig mit ihrer Schwester Maria gleichzeitig in die SPD eingetreten, auch sonst gingen sie einige Wege gemeinsam.

    So gehörte sie ebenfalls 1919/20 der Weimarer Nationalversammlung an. Dort forderte sie am 16. Juli 1919 eine Gleichstellung unehelicher Mütter und Kinder mit Ehefrauen und ehelichen Kindern (es musste übrigens 1961 werden, bis mit dem „Familienrecht-Änderungsgesetz unverheiratete Mütter die alleinige „elterliche Gewalt“ bekommen, und nicht mehr mit einem Vormund kooperieren mussten!) Und, wie bei Irene Franken im Buch „Frauen in Köln“ zu lesen ist: sie war die erste weibliche Abgeordnete, die jemals eine Rede im Kölner Stadtrat hielt!

    Heute Abend wollen wir in kurzen Rückblicken an die Frauen der ersten Stunde erinnern und das Erreichte feiern. Aber wir wissen auch, wir müssen weiter machen! , denn von einer tatsächlichen Parität von Männern und Frauen sind wir – auch nach 100 Jahren – noch weit entfernt. Dazu machen wir nicht nur eine Bestandsaufnahme. Wir wollen auch darüber reden, was noch fehlt! Dazu haben wir uns Gäste eingeladen.

    Ich begrüße sehr herzlich: Anja Weber, Vorsitzende DGB NRW, Marlies Hesse, Journalistin, Leonie Pfennig, Netzwerkaktivistin von And She Was Like BÄM!, Malika Jakobs-Neumeier, JUSO-Vorsitzende Köln

    Durch den Abend führt uns Tina Groll, Journalistin Zeit Online, sie wurde von der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union, dju, in ver.di als Mitglied in den Deutschen Presserat entsandt. Bei Zeit Online ist sie Betriebsratsvorsitzende und ganz aktuell: designierte Bundesvorsitzende der dju!

    Wir haben einen spannenden Abend geplant. Viel Spaß nachher mit Djane Walumm!

    [Es gilt das gesprochene Wort]

  • Grußwort Prof. Dr. Rita Süssmuth

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich möchte mich recht herzlich für die Einladung vom DGB Köln-Bonn, dem DGB NRW und der DGB Jugend NRW zur Veranstaltung „100 Jahre Frauenwahlrecht - Wir machen weiter!“  bedanken. Leider ist es mir aus terminlichen Gründen beim Deutschen Polen-Institut in Darmstadt nicht möglich, wie zu vor angenommen an der heutigen Veranstaltung mit ihnen zu diskutieren.

    Meine Absage bedrückt mich insbesondere deswegen, weil das Thema mir besonders am Herzen liegt, doch ich bin überzeugt, dass es eine lebhafte und dem Anlass entsprechend feierliche Veranstaltung wird.

    Wir haben 100 Jahre aktives und passives Wahlrecht und es ist ein Grund zu feiern. Wir haben viel erreicht, aber wir stellen auch fest, dass wir noch nie so eine fallende Bewegung im Bereich der Mandate, im Bereich kommunaler Ämter oder im Bereich der Führungspositionen von Frauen gehabt haben wie sie gegenwärtig sind. Nach diesen starken Rückgang setze ich mich dafür ein, dass wir von der Quote zur Parität kommen.

    Es gibt also noch viel zu tun, bevor Frauen eine gleichberechtigte Teilhabe am öffentlichen Leben, an gesellschaftspolitischen Entscheidungsprozessen verwirklichen können. Einiges ist schon erreicht, vieles muss noch bewegt werden. Daher möchte ich Sie ermutigen, feiern Sie bereits Erreichtes aber streiten Sie weiter für das sich lohnende Ziel der Gleichberechtigung. Für diese beschwerliche Wegstrecke, voller Kurven, Bergen und Täler wünsche ich Ihnen viele gleichgesinnte Unterstützerinnen, sowie eine große Portion Mut und Kraft.

    Vielen Dank
    Rita Süssmuth

  • Impuls, Anja Weber, Vorsitzende DGB NRW

    Anja Weber, DGB NRW

    Anja Weber, DGB NRW

    100 Jahre Frauenwahlrecht verdanken wir mutigen Frauen: Olymp de Gouges, die 1791 die „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“ verfasste. Sie war nicht bereit zu akzeptieren, dass die Brüderlichkeit der französischen Revolution die Frauen ausschloss. Dafür starb sie 2 Jahre später unter der Guillotine.

    Louise Dittmar schrieb 1848 anlässlich der Wahl zur Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche „wohl spricht man viel von Freiheit für alle, aber man ist gewöhnt unter dem Wort „alle“ nur die Männer zu verstehen“. Natürlich gab es auch engagierte Frauen der bürgerlichen Frauenbewegung. Aber vor allem waren es Frauen wie Clara Zetkin, Rosa Luxemburg und Emma Ihrer, die dafür sorgten, dass dann auch die besten der Männer der Arbeiterbewegung die Forderung nach dem allgemeinen Frauenwahlrecht übernahmen.

    1879 schrieb August Bebel Die Frau und der Sozialismus; 1891 beschloss die SPD die Forderung; 18 Jahre später wurde sie Wirklichkeit. Auch Emma Ihrer erlebte den 12. November 1918 nicht. Aber mit ihrem Mut und ihrer klaren Sicht bereitete sie uns den Weg: 1883 besuchte sie eine Veranstaltung mit dem Thema „Wie kann man die Sittlichkeit der Arbeiterinnen heben?“ und sagte, dass Prostitution keine Frage der Sittlichkeit sondern eine Folge der Hungerlöhne für Frauen sei.

    Denn Frauen erhielten damals als Heim- und Fabrikarbeiterinnen in der Textilindustrie maximal ein Drittel des Männerlohns. In der Folge entwickelte sich die Gelegenheitsprostitution in den Großstädten zu einem Massenphänomen. Am 19. Februar 1919 ist es dann soweit: Die Sozialdemokratin Marie Juchacz zieht mit 36 weiteren Frauen (8%) ins Parlament ein und tritt als erste weibliche Abgeordnete 1919 ans Redepult: (Das übrigens auch in zahlreichen Zeitungsartikel zur Würdigung des Frauenwahlrecht immer noch als Rednerpult bezeichnet wird). „Es ist das erste Mal, dass eine Frau als Freie und Gleiche im Parlament zum Volke sprechen darf, und ich möchte hier feststellen, ganz objektiv, dass es die Revolution gewesen ist, die auch in Deutschland die alten Vorurteile überwunden hat.“

    Es dauerte noch weit ins letzte Jahrhundert, bis Frauen zumindest eine formale Gleichstellung erhielten. Letzter Schritt war 1978 die Abschaffung der Hausfrauenehe. Bis dahin durften Frauen nur ohne Zustimmung des Mannes arbeiten, wenn sichergestellt war, dass sie ihre häuslichen Pflichten erledigen konnte. Bis 1958 war die Genehmigung des Mannes zur Erwerbstätigkeit erforderlich. (Erinnern, wenn wir mit Arroganz auf andere Länder schauen …)

    Ja, es ist viel passiert. Das Rollenbild, das die Frau auf brave Hausfrauen und Mütter reduziert hat weitgehend ausgedient, die Teilhabe der Frauen auf dem Arbeitsmarkt wächst stetig.

    Aber es bleibt noch viel zu tun. Frauen ziehen auf dem Arbeitsmarkt immer noch den Kürzeren: Die heutige Frauengeneration ist die best ausgebildete aller Zeiten, und dennoch haben es Frauen deutlich schwerer, sich auf dem Arbeitsmarkt durchzusetzen: Minijobs, kurze Teilzeitbeschäftigungen und befristete Arbeitsverhältnisse werden überwiegend von Frauen ausgeübt. Gleichzeitig tragen Frauen diese Gesellschaft. Der Großteil der familiären Sorgearbeit lastet auf unseren Schultern. Wie zuvor tragen Frauen auch gegenwärtig die harten Konsequenzen aus den bestehenden Ungerechtigkeiten. Überlastung und Armut sind die Folgen.

    Wenn 45 % der Alleinerziehenden auf Hartz IV angewiesen sind, dann wissen wir, dass das überwiegend Frauen sind. Ich finde, es ist ein Skandal, dass das so wenig Thema ist! Die Gesellschaft muss sich um diese Familienform mehr kümmern! Und bei all diesen Themen gibt es zwei Schlüssel: Gute Arbeit (mit fairer Entlohnung und fairer Arbeitszeitgestaltung) und die Kinderbetreuung.

    Und deshalb wundere ich mich, dass es auch heute bei der bürgerlichen Frauenbewegung oft große Distanz zu Gewerkschaften und der Arbeiterbewegung gibt, obwohl wir auch heute noch wesentliche Meilensteine für die Gleichstellung der Frau erkämpft haben und erkämpfen.

    1972 hat meine Gewerkschaft NGG den ersten einheitlichen ERTV durchgesetzt, also einen Tarifvertrag über die Einstufung in der Brauwirtschaft. Zum ersten Mal galten die gleichen Kriterien für Arbeiter und Angestellte und damit auch einheitlich für Frauen und Männer. Und auch bei der Entgeltgleichheit geht es wesentlich um zwei Themen: Tarifverträge und Arbeitszeitgestaltung

    Frauen verdienen in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 22% weniger als Männer. Glaubt man allerdings dem Kölner Stadtanzeiger sieht es ganz anders aus: Er titelte neulich: Die Entgeltlücke zwischen Frauen und Männer falle deutlich geringer aus als bisher angenommen: nur 5,3 %. Zu dem Ergebnis komme man, wenn man bestimmte Unterschiede bereinigt, z.B. unterschiedliche Branchen und Leistungsgruppen herausrechnet.

    In der Tat, wir wissen: Berufe, in den überwiegend Frauen arbeiten, sind oft schlechter bezahlt (die Pflegebranche oder Erzieherinnen sind dafür ein Beispiel).

    Wir wissen auch: Frauen werden oft schlechter eingestuft, der Koch wird in der Regel als Koch einstellt, die Frau als Beiköchin, die Sachbearbeiterin ist oft niedriger eingruppiert als der Sachbearbeiter.

    Und eine weitere wesentliche Ursache für das Gender Pay Gap ist die unterschiedliche Arbeitszeit. Nur weil es für eine Benachteiligung einen Grund gibt, wird sie noch nicht gerecht!

    Gerechter wird es zum einen mit Tarifvertrag: Das haben die Tarifkämpfe von verdi im Bereich der Erzieherinnen oder der Krankenhäuser gezeigt, die dafür sorgen, dass die Entgelte in diesen Branchen deutlich angehoben werden.

    Und auch in anderen Branchen gibt es Untersuchungen, dass die bereinigte Entgeltlücke (also der Unterschied bei gleicher Arbeitszeit in der gleichen Branche) auf etwas mehr als 3 Prozent schrumpft. Tarifverträge sorgen für Gerechtigkeit.

    Frauen profitieren von Tarifverträgen deutlich mehr als Männer – und deshalb müssen wir Frauen motivieren – und auch fordern – sich gewerkschaftlich zu organisieren!

    Aktuell setzten Gewerkschaften wieder Meilensteile für die Gleichstellung von Männern und Frauen durch: Neue Arbeitszeitregelungen in den Betrieben.

    Die IG Metall hat mit dem Tarifvertrag über Arbeitszeiten, die zum Leben passen das Recht auf verkürzte Vollzeit durchgesetzt. Und mehr noch: Es gibt nicht nur das Recht, für eine begrenzte Zeit die Arbeitszeit zu verkürzen. Zusätzlich gibt es eine Wahlfreiheit zwischen tariflichem Zusatzgeld oder Freizeit. Und wenn Frauen (und Männer) für Familienarbeit (Kinder oder zu pflegende Angehörige) die Freizeit wählen, dann gibt der Arbeitgeber zwei freie Tage oben drauf. (ein Beispiel von vielen neuen Regelungen zur Arbeitszeit, unserer DGB-Gewerkschaften).

    Was die große Koalition jetzt mit der Brückenteilzeit auf den Weg bringt, hat die IG Metall zuvor in Tarifverträgen erkämpft.

    Das ist die zentrale Schlüsselfrage für die Gleichstellung von Frauen und Männern. Ich bin stolz, dass sich Gewerkschaften an diesem zentralen Thema die Gestaltungsmacht in den Betrieben zurück erobert haben.

    Die andere Seite der Medaille ist der Schutz vor der Entgrenzung der Arbeitszeit, der im Zeitalter der Digitalisierung besonders wichtig gerade für Frauen wird.

    Es ist doch unerhört, wenn Politiker, das Arbeitszeitgesetz aushöhlen wollen und dafür die Situation der Frauen anführen: Damit Frauen, nach getaner Sorgearbeit noch ein paar Stunden arbeiten können, müsse man die gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten verkürzen, damit Beruf und Familie vereinbar würden.

    Statt die Frauen von der Doppelbelastung zu entlasten soll den Gesundheitsschutz ausgehöhlen? Wir sagen: Hände weg vom ArbZG. Mindestruhezeit und Höchstarbeitszeiten sind nicht verhandelbar!

    Und dann brauchen wir eine Bildungsoffensive, die mehr Chancen für Frauen und Kinder beinhaltet, dazu gehören auch vernünftige Ganztagsbetreuungen sei es in der Kita oder in der Schule.

    Laut einer OECD Studie tragen Frauen in keinem Land so wenig zum Haushaltseinkommen wie in Deutschland. Der durchschnittliche Anteil bei Paaren mit Kindern betrage in Deutschland 22,4 Prozent, in Dänemark beispielsweise 42 Prozent. (Quelle Spiegel…)

    Ich bin mir sicher, wenn an den Tischen der Macht mehr Frauen sitzen, dann würde sich auch der gesellschaftliche Fortschritt an diesem Punkt vom Schneckentempo zum ordentlichen Langstreckenlauf entwickeln (Sprint sag ich nich …).

    Und wenn heute unsere Parlamente so männlich besetzt sind wie nie, dann wird es Zeit, auch neue Regeln für die gleichberechtigte Beteiligung von Frauen in den Parlamenten durchzusetzen.

    Im 20. Jahrhundert haben wir die Demokratie und das Frauenwahlrecht durchgesetzt, jetzt, im 21. Jh. geht es darum, beides umfassender zu verwirklichen, international und real –nicht nur formal.

    Und es gilt erreichtes zu verteidigen, denn mittlerweile sitzt eine Partei in unseren Parlament, die die Rolle Rückwärts beim Frauen- und Familienbild anstrebt.

    Für die AfD ist „gender-Ideologie verfassungsfeindlich, weil „naturgegebene Unterschiede marginalisiert … Alleinerziehende sollen nur unterstützt werden, wenn sie an ihrer Situation nicht schuld sind und Kinder unter drei Jahren sind zu Hause am besten aufgehoben. Der Equal Pay Day wird als Propagandaaktion abgelehnt.

    Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich finde, dass die frauenfeindliche Ideologie dieser Partei viel zu wenig bekannt ist. Dagegen müssen wir uns wehren!

    Frauen müssen nicht zurück zu Heim und Herd, sondern Platz nehmen an den Tischen der Macht!

    Dass die Gewerkschaften hier deutlich weiter sind als andere Institutionen, dass wird mir in meiner Funktion als Vorsitzende des DGB tagtäglich klar. Ich fühle mich heute oft zurück versetzt in die Zeit vor 32 Jahren, als ich mit der aktiven Gewerkschaftsarbeit begann. Damals saß ich in vielen Sitzungen als einzige Frau in den Runden.

    Heute finde ich mich auf dem politischen Parkett wieder in einer Welt der älteren Herren mit grauen Anzügen und dunklen Krawatten. Wenn Minister*innen einladen, wenn Spitzenvertreter aus Politik und Wirtschaft zusammen kommen, haben Frauen nach wie vor Seltenheitswert.

    Und dann denke ich: Hier wird über die Zukunft unserer Gesellschaft entschieden … oh mein Gott.

    Ich stünde heute nicht hier, wenn es im gewerkschaftlichen Bereich nicht schon viel früher die Diskussion und dann auch Beschlüsse über die Quote gegeben hätte.

    Die Diskussion hat mir Türen geöffnet, die vor 30 Jahren oft nur mit übermäßiger Kraftanstrengung aufgingen. Durchgehen musste ich immer selber.

    Hinzu kommt: Wir wissen, dass die wenigsten Frauen nach der Macht drängen. Frauen wollen gefragt werden –so war es auch bei mir.

    Und es ist wichtig, dass wir mehr werden, überall, wo gesellschaftliche Meinungen gebildet und Entscheidungen gefällt werden!

    Denn wichtig bleibt doch: Wir wollen nicht nur gleiche Rechte. Wir wollen anders arbeiten und anders leben

    Gleichberechtigung heißt nicht nur: Gleiche Rechte für Frauen und Männer, es muss vor allem heißen: Gleiche Chancen: Und Chancengleichheit, daran müssen wir auch stärker erinnern heißt: Ungleiches muss auch ungleich behandelt werden!

    Und wir wollen ein neues Miteinander! Dafür ist noch viel zu tun.

    Mit einem können wir heute anfangen: Das wir uns besser unterstützen!

    Dann kommen wir dahin, was schon längst im Duden steht:

    Macht ist feminin!

  • Bilder der Veranstaltung


Nach oben

Zuletzt besuchte Seiten