Deutscher Gewerkschaftsbund

11.07.2011
DGB-Region Köln-Bonn und DGB-Bezirk NRW

„Mehr Investitionen in Logistik und Infrastruktur!“ – Angeregte Diskussion auf DGB-Veranstaltung in Köln

Dokumentation der Veranstaltung "Logistik Drehscheibe Europa: ist die Region Köln/Bonn gerüstet?"

Teaserbild Diskussion

DGB-Region Köln-Bonn

Rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben am Freitag, den 8. Juli 2011, über die Zukunft des Logistik-Standortes NRW und der Region Köln/Bonn diskutiert. Andreas Meyer-Lauber, Vorsitzender des DGB NRW, wies in seinem Statement auf die zentrale Rolle der Logistik für die Gesamtwirtschaft hin. „Eine voll leistungsfähige Industrie ist darauf angewiesen, dass die Logistikströme fließen.“ In den vergangenen Jahren seien die Investitionen in diesen Bereich aber auf ein Prozent des Bruttoinlandsproduktes gesunken. „Wir leben derzeit von der Substanz. Wenn wir den Anschluss an andere europäische Länder nicht verlieren wollen, müssen die Infrastrukturmaßnahmen des Staates gestärkt werden“, so der Bezirksvorsitzende. Die Hände in den Schoß zu legen hätte mittelfristig fatale Konsequenzen. „Wir dürfen nicht zulassen, dass Firmen und Arbeitsplätze abwandern und Innovationen ausbleiben.“

Der DGB und die Gewerkschaften könnten noch nicht auf alle Fragen Antworten liefern, so Meyer-Lauber weiter. „Fest steht aber: Wir sind nicht neutral. Wir beziehen klar Position für die Beschäftigten und für den Logistik-Standort Nordrhein-Westfalen.“ Eine Herausforderung für Politik und Gewerkschaften bestehe darin, Bürgerbeteiligung, Ökologie und Industriepolitik in Einklang zu bringen. „Wir wollen Politik mit und nicht gegen die Menschen machen, daher müssen die Bürgerinnen und Bürger in den Prozess eingebunden werden.“ Wichtig sei aber auch, dass am Ende der Diskussion eine verlässliche Entscheidung stehe.

Bevor die Diskussion in den Räumen der Handwerkskammer zu Köln eröffnet wurde, hielten Dieter Lindenblatt, Repräsentant des Hafens von Antwerpen, und Roswitha Stock, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Brühl, kurze Impulsreferate. Dieter Lindeblatt forderte in seinem Vortrag eine baldige Entscheidung über die grenzüberschreitenden Bahnkorridore Eiserner Rhein, Betuwe-Linie und Montzen-Route. „Diese Projekte müssen auf europäischer Ebene angepackt werden. Zudem sollte sich die nordrhein-westfälische Landesregierung in Berlin für die Förderung stark machen.“ Roswitha Stock referierte über die Bedeutung der Logistik-Branche für die Region Köln/Bonn. Im Jahr 2010 seien hier 62.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer tätig gewesen. „Die Logistik ist ein unverzichtbarer Wirtschaftsfaktor mit hohem Marktpotenzial“, betonte Stock. Der demografische Wandel und der steigende Bedarf an hochqualifizierten Mitarbeitern seien aber Herausforderungen, die beherzt angegangen werden müssten.

In der anschließenden Podiumsdiskussion forderte Michael Garvens, Vorsitzender der Geschäftsführung des Flughafens Köln-Bonn, eine verbesserte Vernetzung unter den einzelnen Verkehrsträgern. Zudem übte er Kritik am Verhalten einiger Bürgerinnen und Bürger: „Teile der Bevölkerung wollen zwar von einer funktionierenden Infrastruktur profitieren, sind aber nicht bereit, dafür auch kleine Opfer zu bringen. Viele handeln nach dem Motto 'Ausbau der Bahnstrecken ja, aber nicht in der Nähe meines Grundstücks'.“ Dadurch könnten Infrastrukturprojekte zunehmend schlechter umgesetzt werden.
Jochen Ott, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, appellierte an die im Landtag vertretenen Parteien, Verkehrspolitik gemeinsam anzugehen. „Gerade in diesem Bereich können wir nur erfolgreich sein, wenn wir parteienübergreifend handeln.“ Dafür bekam er Unterstützung von seinem Amtskollegen Arndt Klocke, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Düsseldorfer Landtag. Seiner Ansicht nach müsse der Fokus auf qualitativem statt auf quantitativem Wachstum liegen, so Klocke „Wir dürfen aber nicht Köpfe gegen Beton, also Bildung gegen Infrastrukturmaßnahmen, ausspielen. Wir brauchen beides. Ohne höhere Investitionen in Infrastrukturprojekte werden wir unsere Lebensqualität in Nordrhein-Westfalen nicht aufrecht erhalten können.“

In seinem Schlusswort bedankte sich Andreas Kossiski, Vorsitzender der DGB-Region Köln/Bonn für die angeregte Diskussion und lud die Teilnehmer und Referenten ein, den Austausch bei einem Imbiss und einem kühlen Getränk fortzusetzen.

Teaserbild Andreas Kossiski Logistik

DGB-Region Köln-Bonn

Aus Anlass der Veranstaltung haben der DGB-Bezirk NRW und die DGB-Region Köln-Bonn eine Pressemeldung zu dem Thema "Klares Bekenntnis zum Logistikstandort NRW" herausgegeben.

Teaserbild Roswitha Stock

DGB-Region Köln-Bonn

Roswitha Stock, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Brühl, referierte zu dem Thema "Bedeutung der Logistik für Arbeit und Wirtschaft in der Region Köln/Bonn".

Teaserbild Dr. Dieter Lindenblatt

DGB-Region Köln-Bonn

Dr. Dieter Lindenblatt, Repräsentant des Hafenbetriebs Antwerpen hielt einen Vortrag zu dem Thema "Industrie und Arbeit brauchen Logistik: der europäische Blick".


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