Deutscher Gewerkschaftsbund

01.05.2019
1. Mai 2019 in Bergisch Gladbach

Rede von Mario Tischhäuser (EVG)

Mario Tischhäuser

Mario Tischhäuser

+++ Es gilt das gesprochene Wort +++

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die EVG (Eisenbahn-Verkehrs-Gewerkschaft) hat zum Ende des letzten Jahres schon zum zweiten Mal für die Beschäftigten bei der DB ein Wahlmodell erkämpft. Dieses Wahlmodell sieht eine Lohnerhöhung oder sechs Tage mehr Urlaub vor. 56% der Beschäftigten haben sich für zusätzlichen Urlaub entschieden. Dies zeigt aber auch, dass die EVG mit dem Wahlmodell den richtigen Weg gegangen ist und es zeigt, die Kolleginnen und Kollegen wollen selbst entscheiden.

Der Arbeitgeber hat dadurch den Druck, mehr Arbeitsplätze zu schaffen, das im Sinne der Gewerkschaften ist, erhöht. Einziges Handicap auch aus gewerkschaftlicher Sicht ist der Fachkräftemangel, der sich bei der Bahn in den Bereichen Triebfahrzeugführer und Werkstattpersonal deutlich bemerkbar macht.

Handwerk und Fachkraft ist wichtig. Wie sollen denn sonst die benötigten Tätigkeiten weiter funktionieren? Man kann sich nicht vorstellen, dass keine Wasserleitung, Dach usw. repariert wird. Wie ich diese Woche mitbekommen habe, ist dies auch im Bäckerhandwerk so. Ein Land ohne Brot. Unvorstellbar. Auch in diesem Punkt sind wir da wieder beim Thema Arbeitszeit und wie wir dies in Zukunft mit neuen Ideen und Anreizen steuern wollen.

Vielleicht sollte man in der Gesellschaft und auch in den schulischen Bereichen dafür werben oder akzeptieren, dass Fachkräfte bzw. Handwerker genauso wertvoll sind wie Akademiker und dies evtl über die Bezahlung steuern. Arbeit muss sich lohnen. Wahrscheinlich ist der Weg, Geld ohne direkte Arbeit mit Spekulationen etc. zu verdienen reizvoll aber nicht im Sinne der Mehrheit, weil dies letztendlich zum  Bruch in der Gesellschaft und zu einer großen Gefahr führt. Die Politik sollte dies mit berücksichtigen, da die Politiker von der Masse der Gesellschaft und nicht von einzelnen Bevorteilten gewählt werden und eine zufriedene Mehrheit zu einem stabilen Miteinander wirkt.

Ein anderes hochsensibles Thema ist die Digitalisierung 4.0 und die Modernisierung der Arbeitsplätze durch Automatisierung bzw. Roboter oder künstliche Intelligenz, die aber nicht auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung und Arbeitnehmer gehen darf. Arbeitnehmer müssen weiterhin an der Produktivität beteiligt werden. Denn künstliche Intelligenz kauft keine Waren und wenn die Bevölkerung ohne Arbeit und Perspektive dasteht ist dies ein hoch explosives soziales Pulverfass.

Auch dürfen wir uns nicht vom chinesischen Markt überrollen oder vereinnahmen lassen, wie zuletzt in Italien angekündigt und verschiedenen Regionen und Branchen schon vollzogen. Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit ist O.K. Aber ich glaube nicht, dass chinesische Firmen oder China selber unsere Auffassung von Arbeitszeit, Menschenrechten und Mitbestimmung teilt.

Wie man in den Medien mitbekommt, investiert zurzeit die Bahn viel Geld in die Infrastruktur. In wie weit der Bereich am Bahnhof in Bergisch Gladbach betroffen ist incl. Netzausbau und Verbindungserweiterungen kann ich nicht sagen, aber ich bin da sehr zuversichtlich, da sich der ÖPNV rund um Köln stark und planerisch entwickelt. Ohne ÖPNV würde sonst ein Verkehrskollaps vorhanden sein.

Zum Schluss noch ein paar Worte zur Europawahl und Europa. Europa ist in dem Sinne wichtig, da es uns die längste Friedensphase in der europäischen Geschichte gebracht hat. Gerade national (rechts) populistische, europakritische Parteien sind in vielen Ländern im Aufwind. Einige sitzen bereits in den nationalen Regierungen. Dies bedeutet nichts Gutes für das Ziel, Europa weiterzuentwickeln. Auch die EVG ist für Europa und noch viele umzusetzende Verkehrsprojekte sowie positive Entwicklungen für die Mitarbeiter im Verkehrsbereich. Das beste Mittel gegen Populismus und Europaskepsis ist eine Politik, die die Bedürfnisse der Menschen aufgreift, ihre Befürchtungen ernst nimmt und die Menschen mitnimmt.

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit.


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