Deutscher Gewerkschaftsbund

16.11.2011
DGB-Jugend

Antonia Rabente beim Bildungsstreik 2011

Liebe Schülerinnen und Schüler, Studierende,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

es gilt noch einiges zu verändern, um die Situation junger Menschen zu verbessern.
Viele von euch machen gerade den Schulabschluss, fragen sich aber, werde ich auch einen Ausbildungsplatz bzw. einen Studienplatz bekommen? Dies ist eine berechtigte Sorge: Viele Betriebe und Unternehmen bilden nicht - oder nicht ausreichend aus, wie der Ausbildungsbericht 2011 der DGB-Jugend zeigt. Der Zugang zur Bildung ist abhängig vom Geldbeutel der Eltern. Liebe Kolleginnen und Kollegen, dass ist ein Skandal!

In bestimmen Branchen sind die Bedingungen in der beruflichen Erstausbildung prekär. Beispielsweise im Hotel- und Gaststättengewerbe klagen viele Auszubildende über Überstunden und ausbildungsfremde Tätigkeiten. Die DGB-Jugend fordert, dass die Ausbildungsbetriebe ihren Bildungsauftrag ernst nehmen. Die Arbeitgeberseite, die sich über mangelnde Fachkräfte beschweren, nimmt ihre Verantwortung selber nicht ernst. Ist es nicht gesellschaftlicher Auftrag, dass die Wirtschaft ausreichend betriebliche Ausbildungsplätze zur Verfügung stellt? Und das auch für die Jugendliche, welche einen erhöhten Förderbedarf haben?

Wir erinnern uns, dass die Spitzenverbände der Wirtschaft und die Bundesregierung einen »Ausbildungspakt« unter Ausschluss der Gewerkschaften vereinbart haben. Hier wollten die Arbeitgeber eine zweijährige Schmalspurausbildung sowie Verschlechterungen im Jugendarbeitsschutzgesetz erwirken. Die Agentur für Arbeit Köln sehen auch im Jahr 2011 mehrere tausend Jugendliche in Köln schon als versorgt an, auch wenn sie in berufsvorbereitenden Maßnahmen, Praktika oder sogenannten „Warteschleifenmaßnahmen“ stecken. Tendenziell hat sich der Ausbildungsmarkt in Köln ein wenig verbessert. Aber, dass alle Menschen, wenn sie nur hart genug arbeiten, einen Ausbildungsplatz bekommen ist eine glatte Lüge. Die Zahl der Ausbildungsplatz suchenden Jugendlichen ist weit aus höher als die Anzahl der zur Verfügung stehenden Ausbildungsplätze. Liebe Arbeitgeber: Die Jugend ist sauer! Die Jugend fordert eine Perspektive!

Doch selbst wenn Jugendliche eine abgeschlossene Ausbildung haben, heißt das nicht, dass ihre Zukunft damit gesichert wäre. Wenn junge Leute nach der Ausbildung keine Arbeit finden, rutschen sie oft in prekäre Arbeitsbedingungen oder in Arbeitslosigkeit. Dass Jugendliche hierbei in die Zeit- und Leiharbeit gedrängt werden, ist ebenfalls ein beliebtes Spiel. Zeit- und Leiharbeit heißt in den meisten Fällen: Kein gleiches Geld für gleiche Arbeit! So werden Menschen eingestellt, ohne dass sie ausreichend Lohn für ihre Arbeit und Sicherheit für ihre Zukunft erhalten. Es ist nicht so, dass solche Arbeitsbedingungen nur die Auszubildenden betreffen. Auch Akademikerinnen und Akademiker werden bei ihrer ersten Anstellung nur selten unbefristet Eingestellt. Liebe Kolleginnen und Kollegen, so geht man nicht mit Arbeitnehmern um!

In der laufenden Tarifrunde der Stahlindustrie steht die IG Metall Jugend für die
100%ige Übernahme nach der Ausbildung ein. Herr Kannengießer, diese Forderung  ist nicht verhandelbar! Und eins noch: Wenn sie sich mit einer Gewerkschaftsjugend des DGB's anlegen – legen sie sich mit allen an!

Ein Kernthema des Deutschen Gewerkschaftsbundes ist die Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn. Es muss möglich sein, von einer Vollzeitstelle menschenwürdig leben und die Existenz bestreiten zu können. Dies würde auch verhindern, dass Dumpinglöhne den Wettbewerb bestimmen. Es darf nicht sein, dass Auszubildende, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, gleich welcher Herkunft, unter fehlenden gesetzlichen Bedingungen leiden. In vielen EU-Mitgliedsstaaten gibt es einen Mindestlohn, um einen unverhältnismäßigen Wettbewerb zu verhindern. Die Behauptung des Arbeitgeberverbands, dass Mindestlöhne Arbeitsplätze gefährden, ist einfach nicht wahr, wie man an unseren Nachbarstaaten sieht, die schon lange den Mindestlohn eingeführt haben. Die Bundesrepublik Deutschland muss sich endlich dem Erfolgsmodell des flächendeckenden Mindestlohns anschließen.
»Frau Merkel, wir fordern einen flächendeckenden Mindestlohn von mindestens 8,50 EUR in der Stunde.«

Eine weitere Forderung des DGB ist eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Frauen. Gerade in den weiblich dominierten Ausbildungsberufen und Arbeitsstellen sind die Arbeitsbedingungen nicht zufriedenstellend und schlechter vergütet als in üblichen männerdominierten Ausbildungsstellen und Berufen. Familie und Beruf lässt sich immer noch schlecht unter einen Hut bringen, doch dies ist gerade für Frauen wichtig. Wie kann es sein, dass Mädchen und Frauen in der Schule insgesamt bessere Leistungen erbringen, in der Arbeitswelt aber dennoch viel schlechtere Chancen haben? Diese Rückständigkeit, dass Frauen in Gesellschaft es immer noch schwerer haben, ist unzumutbar in der heutigen Zeit. Dies gilt es zu bekämpfen.

Es gibt zu wenig Kitas und eine unzureichende Betreuung für Kinder. Und so verharren viele Frauen in Teilzeit- oder Minijobs. Das hat zur Folge, dass Frauen oftmals „nur“ wenig Geld verdienen und eine Abhängigkeit vom Partner oder Hartz VI. bestehen bleibt.

Teilzeitjobs können eine gute Lösung für Elternteile sein, doch diese müssen vernünftig bezahlt werden, Unabhängigkeit und zeitlich gute Bedingungen mit sich führen. Minijobs sind nicht mehr die kurzfristige Möglichkeit für eine Zuverdienststelle, sondern für die Betriebe und Unternehmen eine billige Möglichkeit, Arbeitskräfte einzusetzen.

Arbeitgeber verbessern nicht freiwillig die Arbeitsbedingungen und sie möchten auch am liebsten die bereits erkämpften Rechte verschlechtern, um mehr Profit aus den jungen Menschen herauszuholen.

Dass junge Menschen Sorge um ihre Zukunft haben, ist ein Zustand, gegen den es sich zu kämpfen lohnt. Wir müssen weiterhin aufstehen und für unsere Rechte kämpfen.

Stand up and fight!

(Es gilt das gesprochene Wort.) 

  


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